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© Für den LOOP Markt Haimhausen wurden über 250 Produkte auf Schadstoffe und Materialgesundheit geprüft. Das Ergebnis: ein Gebäude, das nachweislich gesund und kreislauffähig ist. © RATISBONA Handelsimmobilien / Drees & Sommer SE

Supermarkt der Zukunft: In Haimhausen entsteht ein Gebäude, das nie zu Abfall wird

Gebäude ist vollständig auf zirkuläres Bauen ausgelegt

In einem kleinen Ort nördlich von München entsteht ein Supermarkt, der ein grundlegendes Problem der Bauwirtschaft angreift: Was passiert mit Gebäuden, wenn sie nicht mehr genutzt werden? Die Antwort des Immobilienentwicklers RATISBONA Handelsimmobilien: Sie sollen gar nicht erst zu Abfall werden.

Mit dem LOOP Markt in Haimhausen entsteht derzeit ein Lebensmittelmarkt, der vollständig auf zirkuläres Bauen ausgelegt ist. Das Gebäude wird so geplant, dass seine Materialien nach der Nutzung nicht entsorgt, sondern als Rohstoff für neue Bauprojekte wiederverwendet werden können. Die Eröffnung ist für Herbst 2026 vorgesehen, betrieben wird der Markt künftig von Edeka Südbayern. 

Ein Supermarkt als Materiallager statt Abfallproblem

Während Nachhaltigkeitsdebatten im Einzelhandel meist bei Verpackungen beginnen, setzt das Projekt deutlich früher an: beim Gebäude selbst. Denn allein der Bau von Supermärkten bindet große Mengen an Rohstoffen – und diese landen nach dem Abriss bislang häufig auf Deponien oder werden nur minderwertig wiederverwertet.

Der LOOP Markt soll dieses Prinzip umdrehen: Gebäude nicht als Einmalprodukt, sondern als Materiallager mit Rückbaugarantie. Statt klassischer massiver Bauweise kommt überwiegend Holz zum Einsatz – ein regenerativer Baustoff, der den CO₂-Fußabdruck im Vergleich zu konventionellen Supermärkten deutlich senken soll. 

Cradle to Cradle: Vom Bauwerk zum Rohstoffkreislauf

Planerisches Fundament ist das Cradle-to-Cradle-Prinzip („von der Wiege zur Wiege“). Materialien werden dabei so gewählt und verbaut, dass sie entweder vollständig biologisch abbaubar oder in technischer Form wiederverwendbar bleiben.

„Der Schutt abgerissener Häuser wird meist downgecycelt – etwa als Füllmaterial“, erklärt Bauingenieurin Andrea Heil von EPEA. „Kreislauffähiges Bauen bedeutet dagegen, Materialien so zu nutzen, dass sie in gleicher Qualität wieder eingesetzt werden könne

Ziel ist also nicht Recycling im klassischen Sinn, sondern ein geschlossener Kreislauf ohne Qualitätsverlust.

Der digitale Gebäudepass macht Materialien sichtbar

Damit die Idee nicht theoretisch bleibt, wird jedes Bauteil dokumentiert. Der sogenannte Circularity Passport funktioniert wie eine digitale Materialdatenbank des Gebäudes.

Er erfasst unter anderem:

  • Materialzusammensetzung
  • CO₂-Bilanz
  • Recyclingfähigkeit
  • Schadstoffgehalt
  • Rückbaufähigkeit

„Man kann sich den Materialpass wie eine Zutatenliste vorstellen“, sagt EPEA-Projektleiterin Heil. Für Investoren wird dadurch nicht nur der aktuelle Wert eines Gebäudes sichtbar, sondern auch sein zukünftiger Materialwert nach dem Rückbau.

Bauen wird zur Investition in Rohstoffe

Für Ratisbona-Geschäftsführer Sebastian Schels ist der Ansatz nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich logisch: Gebäude würden dadurch zu langfristigen Materialdepots.

Eine Lebenszyklusanalyse berücksichtigt deshalb nicht nur Bau und Betrieb, sondern auch den späteren Rückbau. Die zentrale Idee: Was heute verbaut wird, bleibt als Wertstoff erhalten.

Mehr als das Gebäude: Ökologische Außenräume als System

Auch die Umgebung des Supermarkts folgt dem zirkulären Ansatz. Parkplätze und Außenflächen werden nur minimal versiegelt. Stattdessen kommen Retentionsflächen, Sickermulden und Wasserspeicher zum Einsatz – ein Prinzip, das als Schwammstadt bekannt ist.

Regenwasser wird gespeichert, langsam abgegeben und entlastet so die Kanalisation. Gleichzeitig entstehen strukturreiche Lebensräume mit Blühflächen, Hecken und Biotopen für Insekten und Kleintiere.

Das firmeneigene ECO.OUTDOOR-Konzept wurde dafür 2025 mit dem Bayerischen Klimaschutzpreis ausgezeichnet.

Ein Prototyp für künftiges Bauen

Der LOOP Markt in Haimhausen ist damit mehr als ein einzelnes Bauprojekt. Er versteht sich als Modellversuch für eine Bauweise, die Rohstoffe nicht verbraucht, sondern im Kreislauf hält.

Oder anders gesagt: Ein Supermarkt, der nicht nur verkauft, was nachhaltig ist – sondern selbst so gebaut ist, dass er eines Tages wieder zur Ressource wird.

Quelle

DREES&SOMMER 2026 | oekonews.at 2026

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