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Was kostet der Klimawandel?

Die steigenden globalen Temperaturen beeinträchtigen Ernten, Lieferketten und Arbeitsproduktivität. Doch wie teuer ist die Erderwärmung für unsere Wirtschaft tatsächlich?

Wer in den letzten Tagen und Wochen die Nachrichten konsumiert hat, kam an einem Thema nicht vorbei: der aktuellen Hitzewelle und ihren Folgen.

Besonders die Auswirkungen der anhaltenden hohen Temperaturen auf die Lebensmittelerzeugung werden von Tag zu Tag deutlicher. So verkündete der Deutsche Bauernverband vor einigen Tagen, dass die Landwirte wegen des trockenen Frühlings und der Hitzewelle in der zweiten Junihälfte dieses Jahr fast zehn Prozent weniger Getreide geerntet haben als im Vorjahr.

Da ein großer Teil der auf deutschen Äckern gedeihenden Pflanzen zu Tierfutter verarbeitet wird, lässt die anhaltende Hitze und Trockenheit die Futterbestände etwa aus Mais und Raps drastisch einbrechen und zwingt Landwirte, Tiere früher als geplant schlachten zu lassen. Laut Dominik Modrzejewski vom Bauernverband gibt es deshalb in einigen Regionen sogar schon Wartelisten bei Schlachthöfen.

Auch in anderen Regionen der Welt machen Hitze und Dürre der Agrarwirtschaft zu schaffen, teilweise schon seit Jahren. Die Effekte des Klimawandels setzen zum Beispiel der Kakaoernte zu. Langanhaltende Dürren und darauffolgende Regenperioden in Westafrika, wo die meisten Kakaopflanzen angebaut werden, führen zu Erkrankungen der Pflanzen und zu Missernten.

Die Folge: Innerhalb von vier Jahren stiegen die Importpreise für Kakaobohnen auf mehr als das Dreifache und Schokolade verteuerte sich um 40 Prozent. Ganz allgemein lassen solche temperaturbedingten Ernteausfälle – neben internationalen Krisen und erhöhten Energiekosten – die Nahrungsmittelpreise steigen, in Deutschland laut Statistischem Bundesamt um rund ein Drittel seit 2020.

Steigende Kosten der Erderwärmung

Neben den Lebensmittelpreisen treibt der Klimawandel auf ganz unterschiedlichen Wegen die volkswirtschaftlichen Kosten – und somit am Ende die Kosten für alle – in die Höhe.

Die zunehmende globale Durchschnittstemperatur lässt den Meeresspiegel ansteigen und macht extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Überschwemmungen oder Waldbrände weltweit wahrscheinlicher. Das alles verursacht immense Kosten. Nach der Jahrhundertflut im Ahrtal 2021 mussten beispielsweise Brücken repariert, Häuser wiederaufgebaut und die lokale Stromversorgung wieder in Gang gebracht werden.

„Hochwasser sind extrem teuer – und sie häufen sich“, warnt Milo Bogaerts, Chef von Allianz Trade, früher Euler Hermes. „Und die ökonomischen Folgewirkungen erfassen die gesamte Volkswirtschaft.“ Laut einer aktuellen Studie des Kreditversicherers steigen etwa die direkten Flutschäden seit 25 Jahren kontinuierlich an und summieren sich mittlerweile europaweit auf über 200 Milliarden Euro.

Jede Hitzewelle treibt zahlreiche Menschen zur Behandlung in Krankenhäuser, was nicht nur ein persönliches Drama ist. Jede Behandlung eines Patienten inklusive Arztkosten und Verpflegung kostet viel Geld.

Sind die Temperaturen draußen höher, steigt zudem der Kühlbedarf von Bürogebäuden, Rechenzentren oder Kraftwerken. Wo die Möglichkeiten zum Kühlen an ihre Grenzen kommen, bremst dies die Industrieproduktion. Auch können sich Menschen bei Hitze schlechter konzentrieren und ihre Arbeitsproduktivität sinkt.

Außerdem können steigende Temperaturen Lieferketten stören, etwa durch den eingeschränkten Transport bei Niedrigwasser auf Schifffahrtsstraßen wie aktuell dem Rhein. Oder durch Konflikte und Kriege, die nachweislich durch den Klimawandel verstärkt werden.

Wie lässt sich der Schaden berechnen?

Der Klimawandel ist also nicht nur ein schädlicher, sondern auch ein teurer Vorgang. Wie teuer allerdings die globale Erwärmung eine Volkswirtschaft konkret zu stehen kommt, ist beeindruckend schwer zu beziffern.

Die Ergebnisse von Studien variieren stark: Während Berechnungen der ETH Zürich und der Yale University bei einer globalen Erwärmung von drei Grad Celsius lediglich ein weltweites Bröckeln der Bruttoinlandsprodukte zwischen 1,6 und drei Prozent vorhersagen, ermittelte eine Studie aus dem Journal Environmental and Resource Economics, dass das globale BIP bei einer Drei-Grad-Erwärmung um sieben bis 13 Prozent einbrechen könnte.

Eine Studie unter Mitwirkung der Stanford University schätzt sogar, dass die Weltwirtschaft um 26 Prozent abstürzen könnte, und das pro Grad weiterer Erwärmung. Woher kommen diese Unterschiede?

© pixabay.com / Skitterphoto | Was Folge des Klimawandels ist und was nicht, lässt sich sehr schwer berechnen.

Zum einen beziehen die Studien unterschiedliche Effekte ein – oder eben nicht. Etwa ob klimabedingte Katastrophen in die Änderung des BIP einberechnet werden, mit welcher Wahrscheinlichkeit Kipppunkte berücksichtigt werden oder ob die globale oder die lokale Temperatur betrachtet wird.

Beim Blick in die Zukunft lassen sich unterschiedliche Klimaentwicklungen unterschiedlich leicht vorhersagen, wie Sonia Seneviratne von der ETH Zürich erklärt. „Für Hitzewellen und Trockenheit ist die Evidenz extrem robust. Das Gleiche gilt für den Meeresspiegelanstieg. Weniger sicher sind beispielsweise Überflutungen“, so die Klimaforscherin.

Im nächsten Schritt lässt sich dann häufig nicht eindeutig zuordnen, welche BIP-Verluste der Klimawandel verursacht hat oder inwieweit andere Auslöser wirkten. Grundsätzlich ermitteln Forschende dies durch Attributionsstudien.

„Dafür nehmen wir Klimaprojektionen und fragen, wie sich die gesamte Wetterverteilung verschiebt“, erklärt Maximilian Auffhammer von der University of California in Berkeley. „Wenn ein 35-Grad-Tag heute selten ist und künftig häufig wird, was bedeutet das für die Wirtschaft? Zum Beispiel, was passiert mit der Sterblichkeit an sehr heißen Tagen, mit Arbeitsproduktivität, Ernteerträgen, wie viel Strom verbrauchen wir, gibt es Gebäudeschäden?“

Doch laut dem Klimaökonomen können die aktuellen Modelle noch keine hinreichend sauberen Zusammenhänge zwischen Wetter und Wirtschaftskennzahlen liefern. Die Modelle basieren auf diversen Annahmen und können den erwarteten Klimawandel über die nächsten hundert Jahre nicht genau genug abbilden.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Der Effekt der globalen Erwärmung auf das BIP lässt sich schwerer ableiten als andere Effekte. Beispielsweise setzt der Klimawandel verschiedene ökonomische Anpassungsprozesse in Gang, wie Maximilian Auffhammer erläutert: Privatleute kaufen Klimaanlagen, Landwirte wechseln Kulturen, Städte bauen Infrastrukturen um, Menschen ziehen um. Zudem steigt das BIP durch Wiederaufbau und Reparaturen, da diese als wirtschaftliche Aktivität gelten, obwohl sie eigentlich Kosten verursachen.

Auffhammer: „Eine Klimaanlage reduziert etwa Hitzeschäden, aber man muss sie und ihren Stromverbrauch bezahlen. Wenn ich also nur den vermiedenen Schaden messe und die Kosten der Anpassung vergesse, unterschätze ich den gesellschaftlichen Schaden.“

Insgesamt ist für den Forscher damit wissenschaftlich gut belegt, dass eine starke Erwärmung mehr wirtschaftliche Risiken erzeugt. „Unsicher ist nur, wie viel ein Grad Erwärmung die Wirtschaft exakt kostet.“ Mit wie viel Dollar oder Euro der Klimawandel global über einen langen Zeitraum zu Buche schlägt – das sei sehr schwierig zu bestimmen.

Quelle

Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Tine Heni) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

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