Arme Städte zahlen für E-Autos der Reichen
Forscher des University College London sehen Emissionen der Stromerzeugung ungleich verteilt.
Im Einzugsbereich von zumeist klimaschädlichen Kohlekraftwerken lebende Menschen zahlen für die Elektromobilität in reicheren Städten eines Landes. Das machen Forscher des University College London am Beispiel China klar. Das Problem sei allerdings auch auf andere Länder übertragbar.
Problematische Verlagerung
In keinem Land der Welt sind mehr Elektrofahrzeuge zugelassen als in der Volksrepublik. Die Käufer, so die Wissenschaftler des University College London, leben vor allem in den reicheren Städten des Landes. Diese profitierten davon, dass die dort in großer Zahl fahrenden Elektroautos keine Schadstoffe emittierten.
Da Strom in China trotz gewaltiger Anstrengungen beim Bau von Kernkraftwerken, Solar-, Wind- und Wasseranlagen noch zu einem großen Teil in kohlebefeuerten Kraftwerken produziert werde, die den „Treibstoff“ für E-Autos liefern, werde das Umweltproblem dorthin verlagert – von reichen auf ärmere Gemeinden, die oft Standort fossiler Kraftwerke seien. Diese müssten mit erhöhten Umweltkosten leben und in zusätzliche Schutzmaßnahmen investieren.
Unverhältnismäßig viel CO2
„Die Förderung von Elektrofahrzeugen muss Hand in Hand mit der Dekarbonisierung der Stromerzeugung gehen. Politische Maßnahmen müssten sicherstellen, dass weniger entwickelte Städte keine unverhältnismäßige CO2-Belastung tragen müssen“, unterstreicht Zhifu Mi.
Da die Stromerzeugung außerhalb der eigenen Stadtgrenzen erfolgt, sieht es auf dem Papier so aus, als hätten reichere Städte ihren CO2-Fußabdruck durch die Zunahme der Elektromobilität verringert, während sie in Wirklichkeit einen Teil der eingesparten Emissionen an einen anderen Ort verlagert haben. Die 20 wirtschaftlich am weitesten fortgeschrittenen Städte des Landes sind für 80 Prozent der landesweiten CO2-Emissionsminderungen verantwortlich, heißt es.
In der Folge davon seien jedoch 136 der von ihnen analysierten Städte (fast 50 Prozent) zu „CO2-Importeuren“ geworden – Städte, die ihren CO2-Fußabdruck vergrößert haben, indem sie die Last der Stromerzeugung für anderswo genutzte Elektrofahrzeuge übernommen haben. Da die chinesische Regierung allen Städten Vorgaben zur Reduzierung der CO2-Emissionen auferlegt hat, hätten die ärmeren Städte eine zusätzliche unfaire Kostenbelastung, um diese Vorgaben zu erfüllen.
- Paper in Nature Cities
- Power grid inequalities limit the emission reduction benefits of electric vehicles | University College London 2026
Quelle
Der Bericht wurde von der Redaktion „pressetext.com“ (Wolfgang Kempkens) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung weiterverbreitet werden!







