IPPNW-Anzeige zum Fukushima-Tag 2026
15 Jahre sind seit der Atomkatastrophe von Fukushima und 40 Jahre seit dem Super-GAU von Tschernobyl mit Tausenden Toten und Hunderttausenden Strahlengeschädigten vergangen. Welche Lehren hat die Menschheit aus den Atomunfällen gezogen? Und sind diese Lehren noch präsent – als Mahnung, sich für eine Welt ohne atomare Gefahren einzusetzen?
Im Dezember wurde in Japan die Wiederinbetriebnahme des weltweit größten AKW Kashiwazaki-Kariwa genehmigt. In Tschernobyl ist die Schutzhülle aktuell durch Drohneneinschläge stark beschädigt. Es liegt an uns allen – als Ärzt*innen und Beschäftigte des Gesundheitswesens und als kritische Öffentlichkeit im Allgemeinen – auf die gesundheitlichen Gefahren für Gesellschaft und Umwelt hinzuweisen, die mit dem Betrieb von Atomanlagen verbunden sind. Es ist nicht nur der radioaktive Fallout vergangener Reaktorkatastrophen, Atombombentests und -abwürfe, der unsere Gesundheit bedroht, sondern auch die kontinuierliche Niedrigstrahlung, die von Anlagen entlang der gesamten nuklearen Kette ausgeht.
Die deutsche Politik hat die Weichen für eine klimafreundliche Zukunft gestellt, jedoch gerät der Fokus zunehmend aus dem Blick. Es bleibt noch viel zu tun für eine echte Energiewende und auch einiges für die Vollendung des Atomausstiegs. Die Urananreicherung in Gronau und die Brennelementefertigung in Lingen müssen enden. Und wir sagen „Nein“ zur Zusammenarbeit mit dem russischen Atomkonzern Rosatom!
Heute erscheint, am Jahrestag der Atomkatastrophe von Fukushima, eine IPPNW-Anzeige in der Süddeutschen Zeitung. Die Anzeige erschien am 11. März 2026 in der SZ.
Text der Anzeige 2026
Zeitbombe Atomenergie: Gesundheitsrisiko damals – heute – morgen
15 Jahre Fukushima – 40 Jahre Tschernobyl
Die gesundheitlichen Auswirkungen und Gefahren dauern auch Jahrzehnte nach den beiden Atomkatastrophen an. Die stark radioaktiv betroffenen Gebiete in der Ukraine, in Belarus und in Japan sind weiter unbewohnbar. Die am Boden deponierten radioaktiven Partikel können aufgewirbelt und eingeatmet werden – so kann Krebs entstehen.
Jede noch so geringe radioaktive Strahlung kann schädigen!
Niedrigstrahlung wirkt auf die Zellteilung und verursacht so chromosomale Veränderungen. Diese können bei chronischer Bestrahlung zu Fehlbildungen und Krankheiten wie Leukämie, Krebs, Herz- und Kreislauferkrankungen führen. Besonders betroffen sind Kinder, die durch die Katastrophen von Fukushima und Tschernobyl bis heute an strahlenbedingtem Schilddrüsenkrebs erkranken. Insgesamt sind allein auf den GAU von Tschernobyl mehrere Hunderttausend Erkrankte und Tote zurückzuführen. Aktuell wird in Fukushima radioaktiv kontaminiertes Kühlwasser des havarierten AKWs im Meer kostengünstig verklappt – ähnlich wie in den europäischen Wiederaufarbeitungsanlagen. Dadurch können radioaktive Stoffe in die Nahrungskette gelangen. Im Krieg werden AKWs zur Zielscheibe und stellen – wie aktuell in der Ukraine – ein inakzeptables nukleares Risiko dar.
Tschernobyl, Fukushima, über 2.000 Atombombenversuche weltweit, zahlreiche Störfälle in nuklearen Anlagen und selbst der Normalbetrieb von AKWs – sie alle hinterlassen radioaktive Spuren, die sich über Jahrzehnte hinweg in ihrer schädlichen Wirkung addieren. Bis heute haben die weltweit durchgeführten Atomwaffentests lebensbedrohliche und langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen und führen zu massiven Umweltschäden. Überlegungen zur Wiederaufnahme dieser Tests sind unverantwortlich.
Atomstrom ist das Gegenteil von nachhaltig: Nur wenige Jahrzehnte Stromproduktion erzeugen für Jahrtausende radioaktive Abfälle und radiotoxische Altlasten entlang der gesamten nuklearen Produktionskette.
Die zivile Atomenergie ist untrennbar mit dem Bau von Atombomben verbunden.
In Deutschland haben wir den Atomausstieg fast geschafft – noch fehlen die Atomanlagen in Gronau und Lingen. Wir setzen uns jetzt für das Abschalten der Uralt-Reaktoren in unseren Nachbarländern, für einen europäischen und schließlich weltweiten Atomausstieg ein.
Eine Energiewende mit Erneuerbaren ist unsere Chance für eine friedliche und gerechte Zukunft.
- Keine erneuten Atomwaffentests!
- Weder klein noch groß, weder hier noch andernorts: Keine neuen AKWs!
- Verantwortung für die Klimakrise übernehmen – Erneuerbare jetzt!








