Solar-Satelliten: Strom aus dem All – bald Realität?
Der US-amerikanische Tech-Riese Meta investiert in neue Energiequellen für seine Rechenzentren. Dass weltraumbasierte Solarenergie nicht nur funktioniert, sondern auch sicher und rentabel sein kann, ist vorerst nur Theorie.
Der US-Technologiekonzern Meta, Mutter von Facebook, Instagram und Whatsapp, treibt einen ungewöhnlichen Plan zur Energieversorgung seiner Rechenzentren voran: Der Strom dafür soll künftig auch aus dem Weltraum kommen. Was bisher wie Science-Fiction klingt, wird für die Tech-Branche angesichts des rasant steigenden Energiebedarfs durch künstliche Intelligenz (KI) offenbar zu einer ernsthaften Option.
Meta hat dazu eine Vereinbarung mit dem Raumfahrt-Start‑up Overview Energy aus dem US-Bundesstaat Virginia geschlossen. Das Unternehmen arbeitet an Satelliten, die Sonnenenergie im Orbit aufnehmen und anschließend per Infrarot-Laser zur Erde übertragen.
Am Boden soll diese Energie von Solarparks aufgefangen und in elektrischen Strom umgewandelt werden. Meta sicherte sich laut US-Berichten Zugriff auf Kapazitäten von bis zu 1.000 Megawatt – eine Größenordnung, die in etwa der Leistung eines großen Atomkraftwerks entspricht.
Das Prinzip einer weltraumbasierten Solarenergie bietet zumindest theoretisch entscheidende Vorteile. Anders als Solaranlagen auf der Erde sind entsprechende Systeme im All nicht von Wetter, Tageszeit oder Jahreszeiten abhängig. Energie könnte rund um die Uhr bei entsprechender Wahl des Orbits erzeugt werden.
Dadurch ließe sich eine stabile Grundlast bereitstellen – ein entscheidender Faktor für energieintensive Rechenzentren, die kontinuierlich betrieben werden müssen. Das Start‑up schreibt auf seiner Homepage: „Die Sonne geht im All niemals unter.“
Fachleute sehen noch erhebliche Hürden
Noch allerdings steckt die Technologie in einem frühen Stadium. Overview plant zunächst für 2028 Demonstrationen seiner Technologie im Weltraum, ein kommerzieller Betrieb ist ab 2030 vorgesehen.
Fachleute verweisen freilich auf erhebliche Herausforderungen: Die Kosten für den Aufbau der Infrastruktur im All seien hoch, die Energieübertragung über große Distanzen technisch komplex und mit Verlusten verbunden. Auch regulatorische Fragen – etwa zur Sicherheit von Übertragung auf die Erde – seien bislang ungeklärt.
Befürworter hingegen argumentieren, dass gerade der stark steigende Energiebedarf von Rechenzentren solche ambitionierten Projekte notwendig mache und diese sich durch Skaleneffekte langfristig rechnen würden.
Bei Overview heißt es, Weltraum-Solarenergie sei lange nur eine Vision gewesen. „Die Physik funktionierte, aber die Ökonomie nicht. Der Satellitenstart war teuer, die Hardware war fragil, und die Technologie, um Strom sicher zur Erde zu beamen, war noch nicht fertig“, so das Unternehmen.
Das sei inzwischen anders: Die Startkosten seien unter ein Zehntel gesunken, die Massenproduktion von Satelliten sei Routine, die Übertragungstechnik inzwischen kostengünstig und zuverlässig.
Die Satelliten von Overview sollen in einer geosynchronen Umlaufbahn etwa 36.000 Kilometer über der Erdoberfläche operieren, dabei kontinuierlich Sonnenlicht sammeln und es als „unsichtbares, niedrigintensives“ Infrarotlicht auf die Erde in vorhandene Solarparks senden.
Der Strahl sei sicher für Menschen, Wildtiere, Flugzeuge und andere Raumfahrzeuge. „Es sind dieselben Wellenlängen, die auch von Nachtsicht-Sicherheitskameras außerhalb unserer Häuser verwendet werden.“
Abkehr von bisherigen Erneuerbaren-Strategien
Weltraum-Solarenergie ermögliche es Technologieanbietern, sauberen Strom rund um die Uhr zu nutzen, sagte Overview-Geschäftsführer Marc Berte. „Gemeinsam mit Meta blicken wir über traditionelle Beschränkungen hinaus, wo und wann Strom geliefert werden kann, um der wachsenden Stromnachfrage gerecht zu werden.“
Meta-Vizepräsident Nat Sahlstrom lobte den Ansatz. Die Technologie stelle einen großen Schritt nach vorne dar, „indem sie bestehende terrestrische Infrastruktur nutzt, um neue, ununterbrochene Energie aus dem Orbit zu liefern“.
Der Vorstoß zeigt, wie sich die Energiestrategie der großen Tech-Konzerne verändert. Unternehmen wie Meta hatten lange darauf gesetzt, ihre Rechenzentren mit erneuerbaren Energien zu betreiben. Große Solar- und Windparks wurden gezielt ausgebaut oder Kapazitäten über langfristige Stromabnahmeverträge gesichert, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren.
Doch mit dem Boom der KI geriet dieses Modell zunehmend unter Druck. Anwendungen wie große Sprachmodelle, automatisierte Bild- und Videogenerierung oder komplexe Datenanalysen benötigen enorme Rechenleistung – und damit Strom. Der Energiebedarf moderner Rechenzentren steigt rasant.
In der Folge setzen viele Tech-Konzerne auch auf Atomkraft. Meta, Microsoft und Google haben Verträge abgeschlossen, um künftig Strom aus neuen AKW zu beziehen, etwa aus Mini-Reaktoren. Der Bau neuer AKW dauert jedoch sehr lange, und ob die Mini-Reaktoren zu konkurrenzfähigen Preisen gebaut werden können, ist bisher unklar.
Weitere Stromquellen, die die Tech-Konzerne nutzen wollen, sind Batterie-Großspeicher, Geothermie und Wasserstoff-Lösungen – oder eben im Orbit erzeugter Strom.
Musk und Bezos planen auch Rechenzentren im Weltraum
Der hohe Energiebedarf lässt einige sogar darüber nachdenken, Rechenzentren gleich ganz ins All zu verlegen, wie das US-Fachblatt Space News berichtet. Danach haben mehrere Unternehmen in den letzten Monaten Anträge bei den Behörden eingereicht, um riesige Satelliten-Konstellationen für orbital data centers zu errichten. Diese sollen dort auf Solarenergie zugreifen, die je nach Wahl der Umlaufbahn kontinuierlich verfügbar ist.
„Durch die direkte Nutzung nahezu konstanter Solarenergie mit geringen Betriebs- oder Wartungskosten werden diese Satelliten transformative Kosten und Energieeffizienz erreichen und gleichzeitig die Umweltbelastung durch terrestrische Rechenzentren erheblich reduzieren“, erklärte die zum Elon-Musk-Imperium gehörende Weltraumfirma Space X im Antrag zu der Genehmigung für das Aussetzen von bis zu einer Million Satelliten.
Das Unternehmen Blue Origin von Amazon-Chef Jeff Bezos wiederum reichte Pläne für bis zu 51.600 Datacenter-Satelliten ein. Starcloud, ein Start‑up mit Schwerpunkt auf orbitalen Rechenzentren, hat eine Genehmigung für 88.000 Satelliten beantragt und in einer Finanzierungsrunde dafür 170 Millionen Dollar von Investor:innen eingesammelt.
Overview Energy argumentiert laut Space News jedoch, es sei sinnvoller, nur die Energiequelle für die Rechenzentren im Weltraum zu platzieren und nicht die Zentren selbst. Letzteres erfordere deutlich mehr Aufwand: „Stelle das, was keine Wartung braucht und lange hält, ins All“, sagte Berte in einem Interview. Die Rechenzentren sollten besser unten auf der Erde bleiben.
Quelle
Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Joachim Wille) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! (Bild: Overview Energy)








