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Weltraumtourismus: Umweltzerstörendes Milliardärswettrennen

Branson, Musk und Bezos – Umweltzerstörendes Milliardärswettrennen gegen Umwelt & Klima.

Der britische Milliardär und „Steuervermeider“ Richard Branson ist mit Hilfe seiner Raumfahrtfirma Virgin Galactic am 11. Juli 2021 ins Weltall geflogen. Branson ist bei diesem kindischen, umweltzerstörenden Wettrennen dem Amazon-Gründer Jeff Bezos neun Tage zuvorgekommen. Die Raumfahrtfirma von Bezos, Blue Origin, hat einen bemannten Flug mit der Rakete „New Shepard“ für den 20. Juli angekündigt. „Von oben herab“ können Sie aktuell vielleicht sogar den Rauch der großen Feuer sehen, die der menschengemachte Klimawandel verursacht hat.

In Zeiten des Klimawandels, Artensterbens und der absehbaren Endlichkeit der Rohstoffe
ist elitärer, umweltzerstörender Milliardärs-Weltraumtourismus pervers, passt allerdings gut ins zerstörerische Zeitalter des Anthropozän! Weltraumtourismus zerstört die Umwelt und das Klima. Weltraumtourismus ist das zukünftige (endlich mal ungestörte) Hobby für Milliardäre und Multimillionäre.
In Zeiten der Klimakatastrophe, globaler Umweltzerstörung und wachsender weltweiter Gefährdungen und sozialer Ungleichheit haben Themen wie „Tourismus im All“ auch etwas geschickt Ablenkendes. Je schneller die wirtschaftliche, finanzielle, ökologische und soziale Krise wächst, desto schneller dreht sich auch die große, perfekte Illusionsmaschine…

Wer einmal den Start einer Rakete beobachtet hat
der kann sich den unglaublichen Energieverbrauch und die Umweltfolgen des Milliardärs-Tourismus vorstellen. Die größte Klimaauswirkung geht nicht vom CO₂, sondern vom Ruß aus, der von den Triebwerken als Nebenprodukt ausgestoßen wird. Der von Raketen ausgestoßene Ruß sammelt sich in der oberen Stratosphäre. Dadurch erhitzt sich diese und verändert die chemischen Reaktionen, was wiederum zu einem Ozonabbau führt.

Die häufig sehr unkritische Berichterstattung
über den Weltraumtourismus und das Steuervermeider-Wettrennen ist zumeist eine Mischung aus Technikbesoffenheit, Heldenverehrung und rückwärtsgewandtem Fortschrittsglauben. Es ist erstaunlich und erschreckend, wie einseitig und unkritisch Wikipedia und die Mehrzahl der Medien den privaten Weltraumflug bejubeln und gleichzeitig den Klimawandel beklagen. Das Internet ist voll mit einseitigen, unkritischen Jubelberichten zum Tourismus im All. Es ist ein gezielt ablenkender Traum: „Irgendwann mit Raumschiffen die zerstörte Welt hinter uns lassen und neuen, unverbrauchten Planeten und neuen Mythen entgegenfliegen…“ Wenn Milliardäre es schaffen ihre umweltzerstörenden Aktivitäten zu Menschheitsträumen zu machen, dann haben sie gewonnen.

Die Umweltbewegung, die gerade den nächsten großen Klimastreik vorbereitet,
muss endlich auch gegen diese extremen Formen der Umweltzerstörung angehen. Der individuelle Ansatz „Du musst dein Leben ändern“ nützt wenig, wenn zum persönlichen Ansatz nicht massive Veränderungen der Politik und der Strukturen kommen. Klimaschutz darf nicht isoliert von den Problemen der globalen Raubbauwirtschaft diskutiert werden. Es muss darum gehen die Strukturen anzugehen, die Klimaschutz verhindern. (Weltraumtourismus, spritfressende Überschallflugzeuge, neue Straßen, viel zu billige Flugpreise…). Echte Nachhaltigkeit gibt es nur mit mehr sozialer Gerechtigkeit. Die Umweltbewegung sollte politischer werden und noch stärker global agieren, um echte Nachhaltigkeit zu erreichen. Weltraumtourismus, Überschallflugzeuge, Klimawandel, Artenausrottung und wachsende soziale Ungleichheit sind „nur“ Symptome einer Krankheit die „Globale Gier und unbegrenztes Wachstum im begrenzten System Erde“ heißt.

Quelle

Axel Mayer, Mitwelt am Oberrhein 2021 | Der Autor ist seit 1974 in der Umweltbewegung aktiv und war 30 Jahre lang BUND-Geschäftsführer

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