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28.08.2017

Dieselfreund mit Schaum vorm Mund

Die Debatte um Dieselgate ist voll in den Strudel des Wahlkampfes geraten. Das war durchaus zu erwarten. Der Kraftfahrzeugindustrie und der Mineralölindustrie passt das überhaupt nicht ins Konzept und so verschärft auch sie den Ton. 

Nachdem Umweltministerin Barbara Hendricks bei ihrer Forderung für Motor-Nachrüstungen Unterstützung vom Umweltbundesamt (UBA) erhalten hat, keilt CSU-Verkehrspolitiker Peter Ramsauer in einem Interview im Deutschlandfunk am Donnerstag zurück: Dies sei ein „Generalangriff gegen die deutsche Autoindustrie“. So ganz Unrecht hat er damit nicht. Denn wenn sämtliche Autobauer unisono den gleichen Mist vertreten und partout nicht einsehen wollen, dass die Gesundheit der Bürger Vorrang haben muss, dann kommen sie gemeinsam ins Fadenkreuz der Kritiker.

Dem UBA-Argument, auch eine Software-Leihgabe von der GamesCom würde an der Luftqualität nicht viel ändern und mindestens in 70 Städten drohten nach wie vor Fahrverbote entgegnete Ramsauer mit der freihändig aufgestellten Behauptung, dass seit den 90er Jahren „die deutsche Autoindustrie maßgeblich dazu beigetragen und es geleistet hat, die Stickoxid-Belastung um 70 Prozent zu reduzieren“. Man braucht hier nicht drüber diskutieren, dass diese Behauptung jeder Grundlage entbehrt. Erinnert werden soll aber daran, dass die Verminderung von NOx-Belastungen aus Kohlekraftwerken, Heizungen und Industrieschloten auch nur nach harten Auseinandersetzungen der Umweltbewegung mit den Verursachern erreicht werden konnte. Sich diese Feder jetzt an den Hut stecken zu wollen, sagt nicht nur viel über Ramsauer, sondern über die gesamte Automobilbranche aus. Nach wie vor wird gelogen und betrogen.

Interessanter als die Schaukämpfe im bundesdeutschen Wahlkampf sind aber Meldungen der Internationalen Energie Agentur (IEA), wonach der flächendeckende Austausch von PKWs mit Verbrennungsmotor woanders nicht nur nicht grundsätzlich abgeblockt wird, sondern mit staatlicher Unterstützung angepackt wird. Die IEA schreibt in einem kürzlich veröffentlichten „Globals Electro Vehikel Outlook 2017“, dass 2016 weltweit zwei Millionen E-Autos auf den Straßen unterwegs waren. Der Löwenanteil der elektrischen Neuwagen werde in China verkauft, das einen Weltmarktanteil von 40 Prozent habe. Dort, so die IEA, rollen außerdem bereits 200 Millionen Zweiräder und über 300.000 elektrische Busse und LKW. Auch wenn der Marktanteil der E-Autos im unteren einstelligen Prozentbereich liege, weise er eine stark steigende Tendenz auf. In Deutschland bleibt die 1-Prozent-Marke immer noch ein Traumziel.

Anders als im Stammland der globalen Autoindustrie verhalten sich Wirtschaft und Industrie in anderen europäischen Ländern. Auch hierüber gibt die IEA-Studie Auskunft. In Norwegen waren 2016 drei von zehn Neuwagen Elektrofahrzeuge. Und in den Niederlanden liegt ihr Anteil bereits bei 6,4 Prozent. Schweden bringe es immerhin schon auf 3,4 Prozent. Die IEA, die kein Freund von Erneuerbaren Energien ist und wohl wenig gegen den Betrieb von E-Autos mit Kohlestrom einzuwenden hat, rechnet mit einem massiven Wachstum des Marktes für die Elektromobilität. Bis zum Jahr 2020 könnten zwischen neun und 20 Millionen E-Autos auf den Straßen fahren. Bis zum Jahr 2025 würde sich diese Zahl explosionsartig auf 80 bis 100 Millionen erhöhen. Ob die deutschen Dieselfreunde da noch mitkommen?

IEA – Global EV Outlokk 2017

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