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17.11.2016

Taiwan plant Atomausstieg bis 2025

Die taiwanesische Regierung hat im Oktober 2016 beschlossen, bis 2025 vollständig aus der Atomenergie auszusteigen.

Bevölkerungsproteste und die Atomkatastrophe in Fukushima waren Auslöser dafür. Auf der Insel vor dem chinesischen Festland ereignen sich immer wieder Erdbeben und brisante atomare Störfälle.

Atomenergie-Nutzung in Taiwan

In Taiwan (Republik China) sind derzeit drei Atomkraftwerke mit insgesamt sechs Reaktoren in Betrieb. Dabei handelt es sich um die Anlagen Chin Shan und Kuosheng im Norden mit jeweils zwei Siedewasserreaktoren und Maanshan an der Südspitze der Insel mit zwei Druckwasserreaktoren.

Am Standort Lungmen wurden bis zwei weitere Siedewasserreaktoren gebaut, aufgrund von jahrelang anhaltenden Protesten wurden die Bauarbeiten im Jahr 2014 aber schließlich eingestellt.

Störfall in Maanshan, Schäden an Schnellabschaltsystem in Kuosheng

Am 18. März 2001 ereignete sich in Maanshan-1 ein außergewöhnlich schwerer Störfall. Wetterbedingte Kurzschlüsse (salzhaltiger Nebel) in Küstennähe, ein Erdschluss, ein Brand und das Versagen der Stromversorgung über die Notstrom-Dieselgeneratoren führten zum vollständigen Zusammenbruch der Drehstromversorgung für zwei Stunden (Station blackout). Alle mit Elektromotoren betriebenen Kühlpumpen waren ausgefallen. Es gab noch einen „Swing-Diesel“, der für den Notstand beider Blöcke bereitstand. Dieser musste jedoch zuerst startbereit gemacht werden, was rund zwei Stunden beanspruchte. Die Abfuhr der Nachzerfallswärme während dieser Zeit besorgte eine ähnliche eigendampfgetriebene Pumpe, wie sie auch in den drei Unfall-Blöcken in Fukushima noch eine Weile funktionierte.

Außergewöhnlich war auch ein Bericht der Taipeh Times vom 16. Mai 2001, wonach im Siedewasserreaktor Kuosheng-2 54 der 157 Kontrollstäbe und somit das Schnellabschaltsystem beschädigt seien. Es handelt sich um das wichtigste und absolut notwendige Sicherheitssystem eines Atomkraftwerks. 

Kurswechsel 2016

Wie die Zeitung The Asahi Shimbun berichtet, hat das taiwanesische Kabinett (Exekutiv-Yuan) am 20. Oktober Änderungen des Energiewirtschaftsgesetzes gebilligt, um die Beteiligung des privaten Sektors an erneuerbare Energien-Projekten zu erleichtern. Nach Beratungen im Parlament soll die Gesetzesänderung noch in diesem Jahr vom Legislativ-Yuan beschlossen werden.

Damit soll in Taiwan insbesondere die Wind  und die Solarenergie ausgebaut werden. Ziel ist, deren Anteil von derzeit 4 Prozent auf 20 Prozent im Jahr 2025 zu erhöhen. Die Solarstromerzeugung würde somit in zehn Jahren um das 24-Fache anwachsen.

Die Atomenergie trug 2015 lediglich 14 Prozent zur Stromerzeugung des Landes bei. Bei der geplanten Abschaltung der Atomkraftwerke wären diese allesamt mehr als 40 Jahre in Betrieb gewesen. Da ist es ohnehin allerhöchste Zeit, sie stillzulegen. 

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