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10.06.2017

Deutsche Meere leiden unter Plastikmüll

Auch in Nord- und Ostsee ist Plastik mittlerweile allgegenwärtig. Von Fischen und Vögeln wird es häufig mit der Nahrung aufgenommen. Neue Zahlen belegen das Ausmaß des Problems.

Unter deutscher Federführung hat sich die G20-Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer bei einer Konferenz in Bremen auf einen Aktionsplan gegen Meeresmüll geeinigt, welche in erster Linie Vermeidungsstrategien sowie Recycling- und Abfallwirtschaftssysteme adressiert. Dieser ist komplementär zu bereits bestehenden Aktionsplänen, die unter der Ägide der G7-Staaten, der Regionalen Meeresschutzübereinkommen für den Nordost-Atlantik inklusive der Nordsee (OSPAR) und Ostsee (HELCOM) und national im Zuge der Umsetzung der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie verabschiedet wurden und wesentliche Eintragsquellen für Müll aus land- und seebasierten Quellen sowie Möglichkeiten der Bewusstseinsbildung adressieren. 

Diese umfangreichen Vorgaben sind sehr zu begrüßen und spiegeln wider, dass das Problem der Verschmutzung der Meere durch Müll und hierbei insbesondere durch Plastik nicht nur in der medialen, sondern auch in der politischen Realität erkannt und adressiert wurde. Eine der offensichtlichsten Veränderungen der marinen Ökosysteme in den vergangenen Jahren betrifft das mittlerweile allgegenwärtige Vorkommen von Meeresmüll selbst in entlegenen und unbewohnten Regionen. Meeresmüll ist damit in den umweltwissenschaftlichen und –politischen Fokus gerückt.

Laut einer aktuellen Studie werden jährlich rund 5-13 Millionen Tonnen Müll insbesondere durch inadäquates Abfallmanagement und Littering, also die achtlose Entsorgung von Müll in die Umwelt, in die Meere eingetragen. Das hat drastische Folgen für die Meeresumwelt. Mittlerweile wurden für mehr als 800 Arten von Meereslebewesen negative Auswirkungen durch Meeresmüll nachgewiesen, die wichtigsten Effekte sind dabei das Verschlucken von und das Strangulieren in Müllteilen.

Auch in den heimischen Meeren ist die Belastung besorgniserregend. In der Nordsee haben bspw. 96 Prozent der tot gestrandeten Eissturmvögel Plastikteile in ihren Mägen, im Durchschnitt 25 Stück. Circa 98 Prozent der Nester in der Basstölpelkolonie auf Helgoland enthalten Kunststoffe, die Sterblichkeit erwachsener Vögel hat sich dadurch um das 2-5fache erhöht. Bei einem Pilotmonitoring von Plastikpartikeln in den Magen-und Darmtrakten von 258 im Freiwasser und 132 am Meeresboden lebenden Fischen in Nord- und Ostsee wurden in 69% der untersuchten Fischproben Mikroplastik nachgewiesen (untersuchte Arten waren Heringe, Sprotten, Fludern, Klieschen und Schollen).

Nun gilt es, entschlossen zu handeln und den politischen Vorgaben Taten folgen zu lassen. Die Politik muss den eingeschlagenen Weg mutig weiter verfolgen und Lösungen umsetzen, die zu drastischen Reduktionen weiterer Einträge von Müll in die Meer und vorhandener Mengen mariner Abfälle führen. Meeresmüll ist eine Folge unserer heutigen Wegwerfgesellschaft und den vorherrschenden Produktions- und Konsummustern geschuldet. Damit ist auch jeder Einzelne gefragt.

Produzenten müssen stärker Verantwortung für den weiteren Lebensweg der von ihnen in Umlauf gebrachten und exportierten Konsumgüter übernehmen. Verbraucher müssen verinnerlichen, dass jegliche Verpackung oder andere Produkte aus Plastik, die in die Umwelt geraten, dort bis zu Jahrhunderte verbleiben und Tier wie auch Mensch schädigen können. Auch wenn das Meer weit weg erscheint, spült der nächste Regen Abfälle in den heimischen Fluss und dieser entwässert ins Meer.

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Quelle   Umweltbundesamt 2017

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