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23.12.2016

Weiße Weihnacht fällt aus

Auch in diesem Jahr wird es keinen Schnee über die Weihnachtsfeiertage geben. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat milde neun Grad, Regen und "lebhaften Wind" vorausgesagt.

Nur in über 800 bis 1.000 Metern Höhe in "östlichen und südöstlichen Mittelgebirgen" sei mit Schneefall zu rechnen, erklärte Sebastian Schappert vom DWD gegenüber klimaretter.info. Auch die Nächte blieben frostfrei. "Es wird ein grün-graues Weihnachtsfest", sagte Schappert. Das letzte Mal gab es 2010 deutschlandweit Schnee am Heiligabend. 

Laut den Wetterdaten gab es etwa in Potsdam noch in den 1970er Jahren alle drei bis vier Jahre weiße Weihnachten oder zumindest entsprechend kalte Temperaturen. "Seither hat sich die Durchschnittstemperatur im deutschen Raum um mehr als ein Grad erhöht", sagte Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), das seinen Sitz auf dem Telegrafenberg nahe der Potsdamer Innenstadt hat. Ein Weihnachten mit Ski und Schlitten sei heute nicht unmöglich, sondern schlicht seltener. "Die Wahrscheinlichkeit für Schnee während der Weihnachtsfeiertage hat sich auf alle fünf bis acht Jahre verringert", erläuterte der Klimaforscher. Ein Grund sei auch die Verschiebung der Jahreszeiten: Wurde es vor 50 Jahren schon im November und Dezember richtig kalt, geht es in vielen Regionen mittlerweile erst im Januar los.

Weltweit betrachtet erwärmen sich nicht alle Regionen gleich schnell. Laut der US-amerikanischen Ozean- und Atmosphärenbehörde NOAA hat sich in den letzten Jahrzehnten die Arktis doppelt so schnell erwärmt wie der Rest der Welt. Am Nordpol sind in den vergangenen Wochen Rekordtemperaturen gemessen worden: An mindestens fünf Messstellen wurden Temperaturen von null bis plus 1,2 Grad Celsius verzeichnet, bis zu 20 Grad mehr als sonst in dieser Jahreszeit üblich. 

Die Erwärmung in Nordeuropa, das geografisch nahe der Arktis liegt, beeinflusst auch das Wetter in Mitteleuropa. Die Folge sind nicht nur höhere Temperaturen, sondern auch neue Wetterlagen. "Eine wärmere Arktis sorgt für eine veränderte Windzirkulation in der nördlichen Hemisphäre und dies kann zu länger andauernden Wetterlagen führen", erklärte PIK-Forscher Hoffmann. "Dadurch können im Sommer längere Hitzewellen und im Winter mildere Perioden oder extreme Wintereinbrüche entstehen."

Die Wahrscheinlichkeit für Extremwetter wie Starkregen oder Trockenheit ist ebenfalls gestiegen. Groß ist die Chance jedoch nicht, dass ein solcher sogenannter "stabiler Wintereinbruch" genau auf die Weihnachtsfeiertage fällt – und vielleicht auch gar nicht wünschenswert. Bestes Beispiel ist aktuell der Eiswinter im Norden der USA. Denkt man an das Verkehrschaos und die Unfallzahlen, wenn innerhalb von ein paar Stunden ein Meter Schnee liegt, ist ein wenig Wind und Regen nicht das Schlechteste. 

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Quelle   Der Bericht wurde von der Redaktion „KLIMARETTER.INFO“ (sg) 2016 verfasst – das Nachrichten- und Debattenmagazin zu Klima und Energiewende – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung von „Klimaretter.info“ (post@klimaretter.info) weiterverbreitet werden!    

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