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18.05.2017

Gülle aus Schweineställen trägt multiresistente Keime in die Umwelt

Resistente Keime bereiten Medizinern zunehmend Sorgen. Greenpeace hat nun jede Menge davon in Gülle gefunden – sie könnten großflächig auf Äckern landen.

Eine Binsenweisheit: Antibiotika müssen streng nach Packungsanweisung eingenommen werden; Ärzte dürfen sie nicht leichtfertig verschreiben. Denn sonst können Bakterien, die das Medikament abtöten soll, Resistenzen bilden. Die lebensrettenden Mittel werden dann unwirksam. Erstaunlich deshalb, wie fahrlässig die Handhabung in der Nutztierhaltung ist.

Ist ein Tier krank, muss meist der ganze Stall Antibiotika schlucken. Das kommt eher häufig als selten in der Massentierhaltung  vor – insbesondere bei Schweinen und Geflügel. Der massive Einsatz hat Konsequenzen: Die Landwirtschaft wird zunehmend zur Brutstätte resistenter Keime. Die Erreger bleiben nicht im Stall, sondern können beim Ausbringen von Gülle im großen Stil in der Umwelt verteilt werden. Das belegen von Greenpeace beauftragte Laboranalysen.

Das zeigen Laboranalysen von 19 Gülleproben aus Schweineställen in sieben Bundesländern, die Greenpeace beauftragt hat (alle Ergebnisse). 13 Proben enthielten Bakterien, die gegen Beta-Lactam-Antibiotika resistent waren. Diese werden auch Menschen häufig verabreicht. In sechs Proben fanden sich Bakterien mit Resistenzen gegen gleich drei Antibiotikagruppen. An multiresistenten Keimen sterben allein in Europa jährlich etwa 25.000 Menschen.

Das Problem ist so drängend, dass sich auch die Gesundheitsminister der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) bei ihrem morgigen Treffen in Berlin damit beschäftigen. „Die Agrarindustrie setzt viel zu sorglos Antibiotika in den Ställen ein“, sagt Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Dirk Zimmermann. „Als Konsequenz könnten Kranke künftig wieder häufiger an harmloseren Infektionen wie Harnwegsentzündungen sterben.“ Greenpeace fordert Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) auf, den Einsatz von Antibiotika durch bessere Haltungsbedingungen drastisch zu senken.

Warnende Wissenschaft und tatenlose Politik

Davor warnt auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) – und spricht bereits von der Gefahr eines „postantibiotischen Zeitalters“. Dann würden immer mehr Menschen wieder an Entzündungen sterben, die seit der Entdeckung des Penicillins und anderer Antibiotika vor circa 80 Jahren eigentlich heilbar sind. Schon heute kosten multiresistente Keime, beispielsweise in Krankenhäusern, viele Menschen das Leben. Schätzungen zufolge sterben in Europa jährlich etwa 25.000 Menschen an Infektionen mit Keimen, die gegen mehrere Antibiotika immun sind.

15 Gülleproben enthielten darüber hinaus Rückstände von Antibiotika. In den meisten Fällen waren es Wirkstoffe aus einer Gruppe von Breitbandantibiotika (Tetrazykline). Die Proben kamen aus sieben Bundesländern: Niedersachsen, Brandenburg, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Unabhängige Labore haben die Gülle zwischen Februar und April 2017 untersucht. In der Tierhaltung werden mit rund 800 Tonnen im Jahr etwa so viele Antibiotika eingesetzt wie in der Humanmedizin.

Globale Gefahr durch zunehmende Antibiotikaresistenzen

Multiresistente Erreger werden weltweit zu einem immer größeren Problem, weil sie Antibiotika zunehmend wirkungslos machen. Die Weltgesundheitsorganisation warnt bereits vor einem „postantibiotischen Zeitalter“ und fordert ein schnelles und entschiedenes Vorgehen gegen zunehmende Resistenzen.

„Nur eine bessere Tierhaltung mit weniger Antibiotika kann die negative Entwicklung stoppen“, sagt Zimmermann. „Obwohl die Gefahr lange bekannt ist, tut Minister Schmidt nichts, um das Tierleid in deutschen Ställen zu beenden und mit besser gehaltenen, gesünderen Tieren den Antibiotika-Einsatz zu senken.“

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Quelle   Greenpeace 2017

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