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17.04.2019

Schicksal des Planeten hängt von der digitalen Revolution ab

Der Umweltbeirat der Bundesregierung WBGU warnt vor der Digitalisierung – und sieht sie gleichzeitig als letzte Chance für den Planeten. Die Politik muss die digitale Revolution für mehr Nachhaltigkeit nutzen, unser Schicksal hängt davon ab.

Aus dem Titel des neuen Gutachtens „Unsere gemeinsame digitale Zukunft“ sticht die Brisanz des Themas nicht hervor. Denn es geht um die Zukunft für Klima, Umwelt und Soziales in einer sich immer schneller verändernden Welt – der digitale Wandel betrifft nahezu jeden Bereich und jeden Menschen. Dennoch wurde dem neuesten Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) in der vergangenen Woche kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Zu Unrecht.

Gewaltige Chance und großes Risiko

Für die Lösung der ökologischen Krise unseres Planeten, ausgelöst durch den Menschen, bedeutet die Digitalisierung eine gewaltige Chance, aber auch ein großes Risiko, warnt das Beratergremium. Die Digitalisierung müsse als Hebel für die „Große Transformation zur Nachhaltigkeit dienen“. Gerade weil die neuen digitalen Techniken in alle wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Bereiche eindringen, müsse der Wandel von der Politik gestaltet werden – die Berater wünschen sich eine „digitalisierte Nachhaltigkeitsgesellschaft“.

Es geht um den Fortbestand des Menschen

Das komplexe Thema stelle die „bisher größte Herausforderung dar, der sich der WBGU seit seiner Gründung gestellt hat“, geben die Wissenschaftler zu.  Man gehe mit seinen Empfehlungen für die Bundesregierung sogar über den eigenen Bereich hinaus, „weil das künftige Schicksal der planetarischen Umwelt massiv vom Fortgang der digitalen Revolution abhängen wird.“ Gelingt es nicht, die Digitalisierung in Richtung Nachhaltigkeit zu drängen, droht sie „als Brandbeschleuniger von Wachstumsmustern zu wirken, die die planetarischen Leitplanken durchbrechen.“ Es gehe um Kernfragen wie die mittelfristige Zukunft oder dem „schieren Fortbestand des Anthropos auf der Erde“ – also dem Überleben der Menschheit.

Wie geht das also, Nachhaltigkeit und Digitalisierung verbinden?

Der WBGU schlägt eine kurzfristige, mittelfristige und langfristige Strategie vor.

Kurzfristig muss der digitale Wandel in Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen und den 2015 im Rahmen der UN vereinbarten globalen Nachhaltigkeitszielen (SDGs, Agenda 2030) gebracht werden. Neue Technologien müssen gezielt und sinnvoll für Menschen in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Bildung, Energie und (Umwelt-)Informationen eingesetzt werden und zugleich Umweltzerstörung verhindern. Als Beispiele nennen die Berater:

  • Energiewende fördern durch Einsatz intelligenter Energienetze,
  • Anzahl der Autos in Städten senken durch geteilte Mobilität, die den Besitz eines eigenen Autos überflüssig macht und
  • die Nutzung digitaler Technologien für die Kreislaufwirtschaft

Mittelfristig muss die Politik die tiefen gesellschaftlichen Veränderungen im Zuge der Digitalisierung sinnvoll steuern. Aufs Gemeinwohl ausgerichtet und zur Steigerung der Lebensqualität der Menschen. Als bevorstehende Umbrüche nennt der WBGU insbesondere:

  • Den absehbaren radikalen Strukturwandel auf den Arbeitsmärkten,
  • den Ersatz realweltlicher Erfahrungen in virtuellen Räumen,
  • die vielfältigen Wirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Bildung, Wissenschaft, Demokratie sowie
  • die Herausforderung von neuen digitalen Überwachungsmöglichkeiten für die Demokratie

Langfristig müssen wir uns um schwierige ethische Fragen kümmern. Zum Beispiel um Mensch-Maschine-Interaktionen, also Menschen und Roboter, und was das für die „menschliche Integrität“ bedeutet.

Eine Chance für Europa

Die Wissenschaftler drängen die Bundesregierung, sich mit ihrer EU-Ratspräsidentschaft im kommenden Jahr für das Thema stark zu machen. Es müsse eine gemeinsame europäische Vision geben, mit nachhaltiger Entwicklung als Leitbild für eine europäische Politik für Digitalisierung. Nachhaltigkeit, faire Produktionsbedingungen, Privatheit und Cybersicherheit könnten die zentralen Prinzipien sein, schlägt der WBGU vor. Europa solle eine Pionierrolle einnehmen und Nachhaltigkeit im digitalen Wandel ein Wettbewerbs- und Standortvorteil der EU werden. 

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Quelle   Der Bericht wurde von der Redaktion “energiezukunft“ (cw) 2019 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung weiterverbreitet werden! | energiezukunft | Heft 25 / Herbst 2018 | "Baustelle Energiewende - Was jetzt zu tun ist" | Jetzt lesen | Download

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