USA: Angriff auf das Herz der Klimaforschung
Die Trump-Regierung will das National Center for Atmospheric Research zerschlagen. In der Wissenschafts-Community wächst die Empörung. Auch konservative Forscherinnen und Forscher warnen vor den Folgen.
Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump plant offenbar, das National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Boulder im Bundesstaat Colorado zu zerschlagen. Das Zentrum gilt seit Jahrzehnten als eine der zentralen Einrichtungen für Klima-, Wetter- und Atmosphärenforschung und ist ein wichtiger Knotenpunkt internationaler wissenschaftlicher Zusammenarbeit.
Bestätigt wurden die Pläne von Russell Vought, dem Haushaltsdirektor der Regierung. Er erklärte zur Begründung, die Einrichtung sei „eine der größten Ursachen für Klima-Alarmismus im Land“.
Das Fachmagazin Scientific American bezeichnete das NCAR als das „Kronjuwel“ der Erdwissenschaften und berichtete von Empörung unter Forschenden, die den Schritt als schweren Schlag gegen die wissenschaftliche Infrastruktur der USA werten. Sie warnen, dass mit dem NCAR nicht nur ein einzelnes Institut, sondern ein ganzes Netzwerk an Daten, Modellen und Expertise geschwächt würde.
Laut dem Wissenschaftsjournal Nature hat das von der nationalen Wissenschaftsstiftung finanzierte NCAR-Konsortium ein Schreiben erhalten, in dem es um die Aufspaltung, Verlagerung oder Umstrukturierung einzelner Teile des Zentrums geht. Genannt wurden dabei unter anderem die Forschungsflugzeuge und das Supercomputing-Zentrum, das für globale Klimamodelle von zentraler Bedeutung ist.
„Rachsüchtige Entscheidungen“
Vought erläuterte: „Eine umfassende Überprüfung ist im Gange und alle wichtigen Aktivitäten wie Wetterforschung werden an eine andere Einrichtung oder einen anderen Ort verlegt.“ Das Zentrum hat derzeit rund 830 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Das Weiße Haus hat dem Zentrum laut der Zeitung USA Today, die zuerst über die geplante Zerschlagung berichtete, eine „woke Ausrichtung“ vorgeworfen und mehrere Projekte genannt, die Regierungsbeamte als Verschwendung ansehen.
Dazu gehört das Rising Voices Center for Indigenous and Earth Sciences, das darauf abzielt, „Wissenschaft einladender, inklusiver und gerechtigkeitsorientierter zu machen“. Kritisiert wurde aber auch die Forschung zu Windkraftanlagen.
Aus der Wissenschaft kamen ungewöhnlich deutliche Reaktionen. „Das NCAR aufzulösen, ist wie mit einem Vorschlaghammer auf den Grundpfeiler unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Planeten einzuschlagen“, kritisierte Katharine Hayhoe von der Texas Tech University. Das Zentrum sei das Flaggschiff der Klimaforschung, betonte die Klimaforscherin und evangelikale Christin.
Andere warnten vor langfristigen Folgen. Der US-Experte Roger Pielke Jr. sagte dem Guardian: „Wenn die USA eine weltweit führende Rolle in den Atmosphärenwissenschaften einnehmen wollen, können sie es sich nicht leisten, kleinliche und rachsüchtige Entscheidungen zu treffen.“
Die geplanten Maßnahmen gefährdeten nicht nur einzelne Forschungsprojekte, sondern auch die internationale Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten als Wissenschaftsnation und verlässlicher Partner in globalen Forschungsverbünden. Pielke arbeitet für einen konservativen Thinktank und kritisiert die Klimaforschung häufig als „alarmistisch“.
Auch Katastrophenschutz betroffen
Politisch kam ebenfalls Widerstand. Der Gouverneur von Colorado, Jared Polis, sagte: „Der Klimawandel ist real, aber die Arbeit des NCAR geht weit über die Klimawissenschaft hinaus.“
Das Zentrum liefere Daten zu extremen Wetterereignissen wie Bränden und Überschwemmungen, die dem Land helfen würden, Leben und Eigentum zu retten. Der Demokrat verwies damit auf die Bedeutung des Zentrums für Katastrophenschutz, Infrastrukturplanung und öffentliche Sicherheit, gerade angesichts zunehmender Extremwetterereignisse.
Der Konflikt um NCAR steht jedoch nicht isoliert. Bereits während Trumps erster Amtszeit kam es zu politischen Eingriffen in Umwelt- und Klimaforschung. Haushaltsmittel für die Umweltbehörde EPA, die nationale Wetterbehörde NOAA sowie klimabezogene Nasa-Programme wurden gekürzt, und Begriffe wie climate change oder global warming verschwanden aus offiziellen Dokumenten und Regierungswebseiten.
Auch wissenschaftliche Berichte wie das National Climate Assessment, mit dem der Kongress regelmäßig über den Stand der Klimaforschung informiert wird, wurden verzögert oder politisch beeinflusst.
In der laufenden Amtszeit hat Trump den Anti-Klima-Kurs noch verschärft, unter anderem mit Aktionen gegen den Bau von Offshore-Windparks und die Abschaffung der Förderung von E‑Autos. Die Finanzierung der NOAA soll nach aktuellen Plänen um 30 Prozent sinken, wodurch die Ausgaben für Klima-, Wetter- und Meeresforschung gekürzt würden. Der Präsident bezeichnet den Klimawandel immer wieder als „Betrug“ oder „Schwindel“.
Quelle
Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Joachim Wille) 2025 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! (Bild: Bruno Sánchez-Andrade Nuño/Flickr)







