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Gute Arbeit für die Verkehrswende

Wege aus der Personalkrise im ÖPNV zeigen die Gewerkschaft Verdi und das zivilgesellschaftliche Bündnis Klima-Allianz auf. Dafür brauche es aber eine nachhaltige Finanzierungsstruktur.

Um die Klimaschutzziele im Verkehr zu erreichen, ist ein kräftiger Ausbau des ÖPNV unabdingbar. Momentan fehlen allerdings nicht nur die Finanzmittel dafür, es gibt auch nicht genügend Fahrpersonal.

Die Gewerkschaft Verdi und das NGO-Bündnis Klima-Allianz Deutschland haben die Lage analysieren lassen. Sie machen Vorschläge, wie die Jobs attraktiver gemacht werden können, damit künftig mehr Busse und Bahnen gefahren werden können.

Bereits durch eine Verlagerung von zehn Prozent des Autoverkehrs auf den ÖPNV ließen sich laut einer Analyse des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft jährlich rund 5,8 Millionen Tonnen CO2 vermeiden, zudem 19 Milliarden Euro an Umwelt- und Gesundheitskosten. Damit wäre ein großer Teil der aktuellen CO2-Lücke im Verkehrssektor von acht Millionen Jahrestonnen geschlossen.

Um dann bis 2045 Klimaneutralität erreichen zu können, muss das derzeitige Busangebot nahezu verdoppelt und das Angebot auf der Schiene um bis zu 50 Prozent erhöht werden. Das zeigt eine Studie des Umweltbundesamtes

Ein Teil des zusätzlichen Verkehrs dürfte mittelfristig durch autonom fahrende Busse und Bahnen abgewickelt werden können, wie sie derzeit vielerorts getestet werden. Trotzdem ist nach Meinung von Verdi und der Klima-Allianz dringend mehr Personal nötig, um zukünftig verlässliche Fahrpläne und eine hohe Servicequalität zu sichern.

„Gute Arbeit ist der schnellste Hebel für echten Klimaschutz“

Das scheitert laut einem Gutachten zweier Verkehrsberatungsdienste unter anderem daran, dass die Arbeitsbedingungen derzeit „so unattraktiv sind wie in kaum einer anderen Branche“ – mit negativen Folgen wie Personalmangel, Fahrt-Ausfällen und hoher Fluktuation. Nach Einschätzungen aus der Branche fehlen derzeit rund 20.000 Busfahrer:innen und 3.000 Triebfahrzeugführer:innen.

Untersucht wurden im Auftrag von Verdi und Klima-Allianz die tarifvertraglichen Arbeitsbedingungen von rund 128.000 Tarifbeschäftigten im Fahrdienst. Die geringe Attraktivität der Jobs wird dabei auf überlange und geteilte Schichten, unbezahlte Pausen sowie häufig wechselnde Arbeitszeiten und Dienstorte zurückgeführt.

So summierten sich allein die im Dienstplan festgelegten Pausenzeiten jenseits der gesetzlichen Pflichtdauer auf zweieinhalb Wochen unbezahlte Arbeit pro Person und Jahr.

Die Gutachter von den Beratungsunternehmen KCW und NBSW haben auch berechnet, welche Mittel notwendig wären, um ein zukunftsfähiges ÖPNV-Angebot mit besseren Arbeitsbedingungen und mehr Personal aufzubauen. Die Attraktivität der Jobs könnte danach durch eine Begrenzung unbezahlter Pausen, Schichtbeginn und ‑ende am selben Ort, ausreichende Ruhezeiten und eine verkürzte Arbeitswoche verbessert werden.

Das kostet mehr Geld. Nötig seien dafür rund sieben Prozent mehr Mittel, als das heutige ÖPNV-Gesamtbudget hergibt, nämlich 1,76 Milliarden Euro bei Gesamtausgaben von fast 24 Milliarden Euro pro Jahr. Allerdings, so die Erwartung, könnten mit dadurch sinkenden Krankenständen immerhin Kosten von bis zu 300 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden.

Verdi-Vizechefin Christine Behle sagte zu der Untersuchung: „Gute Arbeitsbedingungen für Fahrerinnen und Fahrer sind unverzichtbar, um Personalengpässe zu überwinden, Krankenstände zu senken und die Attraktivität des Berufs zu sichern.“ Die Mehrkosten dafür seien bezahlbar. Generell brauche es eine nachhaltige Finanzierungsstruktur für den ÖPNV.

Dem schloss sich Stefanie Langkamp von der Klima-Allianz an. „Gute Arbeit ist der schnellste Hebel für gute Mobilität und echten Klimaschutz“, sagte sie. Die Klima-Allianz ist ein Bündnis von mehr als 150 Umwelt- und Sozial-NGOs.

Quelle

Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Joachim Wille) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

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