Aufforsten kann Umwelt schaden statt nutzen
Werden Bäume an den falschen Stellen gepflanzt, steigt die Waldbrandgefahr, der Grundwasserspiegel sinkt und die Gefahr von Überflutungen wird nicht gebannt.
Das Aufforsten landwirtschaftlicher oder gar nicht genutzter Flächen tut dem Klima also weniger gut als bisher angenommen, sagt Fredrik Wetterhall vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen (ECMWF).
„Aufforstung ist ein Balanceakt“
Wetterhall empfiehlt vor einer solchen Maßnahme einen intelligenten, datengestützten Algorithmus zu nutzen, optimale Standorte zu identifizieren und so die negativen Auswirkungen der Aufforstung auf die Wasserverfügbarkeit zu minimieren. Der ECMWF-Hydrologe stellt klar: „Aufforstung ist ein Balanceakt zwischen der Verringerung von Überschwemmungen und dem Umgang mit Wasserknappheit.“
Er und sein Team haben die hydrologischen Auswirkungen der Umwandlung von in Europa brachliegenden Ackerflächen in Wäldern untersucht. „Wo und wie viel gepflanzt wird, ist entscheidend. Eine optimierte Aufforstung, die sich an ökologischen und hydrologischen Kriterien orientiert, kann Hochwasserspitzen in Flüssen verringern und gleichzeitig das Grundwasser erhalten“, so Wetterhall.
Hochwassergefahr reduzierbar
Die Studie zeigt, dass sich durch eine gezielte Auswahl der Aufforstungsstandorte Hochwasser von Flüssen um bis zu 43 Prozent reduzieren lässt. Eine Zufallsauswahl führt laut den Experten hingegen in nur wenigen Fällen zur Verringerung der Hochwasser. Das zeige aber meist gar keine Wirkung. Eine optimierte Aufforstung dämpfe zudem die sogenannte Evapotranspiration. Damit gemeint ist die Wasserabgabe von Pflanzen in die Atmosphäre, wodurch der Wasserverlust verringert und somit das verfügbare Grundwasser um bis zu 60 Prozent geschont wird – eine entscheidende Einsparung angesichts des wachsenden Bedarfs an Wassereinsparung in einem sich wandelnden Klima.
Siham El Garroussi vom ECMWF, die den Algorithmus zur Optimierung von Aufforstungsmaßnahmen entwickelt hat, hatte vor allem eine Verbesserung der Wasserspeicherung im Visier. Das Modell sei jedoch so flexibel, dass es auch andere Kriterien einbeziehen kann, wie beispielsweise die Verringerung des Waldbrandrisikos oder die Verbesserung der ökologischen Biodiversität.
Die Umsetzung naturbasierter Lösungen für den Klimaschutz kann komplexer sein als erwartet und erfordert Kompromisse, so die ECWMF-Experten. Datengestützte Technologien könnten eine groß angelegte, intelligentere Planung unterstützen – mit Vorteilen sowohl für die CO2-Reduzierung als auch für eine nachhaltige Wasserwirtschaft.
Quelle
Der Bericht wurde von der Redaktion „pressetext.com“ (Wolfgang Kempkens) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung weiterverbreitet werden!







