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© Daniela Stanek | DVR

Destatis: Jedes sechste Todesopfer fuhr Rad

Die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Radfahrenden ist erneut gestiegen. Nachdem im Jahr 2024 noch 445 Menschen auf dem Fahrrad ums Leben kamen, erhöhte sich diese Zahl laut gestern veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) um rund vier Prozent auf 462 im Jahr 2025.

Damit wächst die Zahl der getöteten Radfahrenden doppelt so schnell wie die Gesamtzahl der im Straßenverkehr Getöteten, die im gleichen Zeitraum von 2.770 um zwei Prozent auf 2.814 anstieg. Jede sechste im Straßenverkehr getötete Person war 2025 mit dem Fahrrad unterwegs. Auch im Zehnjahresvergleich ergibt sich ein alarmierendes Bild: Während die Gesamtzahl der Getöteten von 2015 bis 2025 um 18 Prozent sank, stieg die Zahl der tödlich verunglückten Radfahrenden um 21 Prozent. Angesichts dieser Entwicklung sieht der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) Bund, Länder und Kommunen in der Pflicht und fordert eine sofortige Infrastrukturoffensive. 

„Sicherheit darf keine Frage des gewählten Verkehrsmittels sein“, betont DVR-Präsident Manfred Wirsch. „Dass die Zahl der getöteten Menschen auf dem Rad Jahr für Jahr steigt, ist ein dringender Handlungsauftrag für die Verkehrspolitik.“ 

Trennung der Verkehrsströme: Infrastruktur muss Fehler verzeihen

Der DVR fordert eine flächendeckende Aufwertung der Radinfrastruktur – durch die qualitative Erneuerung bestehender Wege sowie den Bau neuer Wege. Im Zentrum der Maßnahmen muss die konsequente bauliche Trennung von Fuß-, Rad- und Pkw-Verkehr stehen, insbesondere an bekannten Unfallschwerpunkten. Radwege müssen für alle Verkehrsteilnehmenden an Kreuzungen, Einmündungen und Zufahrten klar erkennbar und intuitiv verständlich gestaltet sein. Freie Sichtbeziehungen zwischen allen Verkehrsteilnehmenden dürfen nicht durch parkende Fahrzeuge beeinträchtigt werden. Maßnahmen wie vorgezogene Haltelinien für Radfahrende sowie getrennte Ampelphasen für Rad- und Autofahrende können das Unfallrisiko an Kreuzungen zusätzlich reduzieren. Darüber hinaus müssen Radwege ausreichend breit, gut instandgehalten und frei von Hindernissen sein. So lassen sich auch die häufigen Alleinunfälle reduzieren, die oft Menschen ab 65 Jahren betreffen. Wo eine bauliche Trennung der Verkehrsarten nicht umsetzbar ist, muss die zulässige Höchstgeschwindigkeit abgesenkt werden. Dies erhöht die Überlebenschancen Radfahrender erheblich. 

„Wir bauen Straßen noch zu oft nach dem Prinzip Hoffnung – in der Erwartung, dass alle Beteiligten jederzeit fehlerfrei am Verkehr teilnehmen“, sagt Manfred Wirsch. „Doch eine gute Infrastruktur muss menschliche Fehler ausgleichen und darf sie nicht mit schweren Unfällen bestrafen. Deshalb ist jeder Euro für eine moderne Radinfrastruktur ein lohnenswerter Beitrag zu mehr Sicherheit – und auch ein Beitrag zur Senkung der volkswirtschaftlichen Kosten von Straßenverkehrsunfällen, die 2024 erstmalig die Grenze von 40 Milliarden Euro durchbrochen haben.“ 

Schluss mit dem Flickenteppich: Verbindliche Standards für sichere Radwege

Neu- und Umbauten von Radwegen müssen sich an den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) orientieren, die in allen Bundesländern zum verbindlichen Standard werden sollten. Gleichzeitig fordert der DVR die Behörden auf, verstärkt Verkehrsschauen durchzuführen und die Empfehlungen der Unfallkommissionen konsequent umzusetzen, um Unfallhäufungsstellen zu entschärfen. Länder und Kommunen sind dazu aufgerufen, in ihrer jeweiligen Zuständigkeit zusammenhängende sichere Radverkehrsnetze zu planen und umzusetzen. Auch die Verkehrsüberwachung muss verstärkt werden, sowohl bei Verstößen von Radfahrenden als auch gegenüber Radfahrenden. Dazu gehört ebenfalls die Kontrolle der Verkehrssicherheit von Fahrrädern. Auf Bundesebene fordert der DVR die Einführung eines Ordnungswidrigkeitentatbestands für alkoholisiertes Radfahren ab 1,1 Promille. 

Scharfe Kritik übt der DVR an der aktuellen Entscheidung des Berliner Senats, bei Platzmangel auf Hauptverkehrsstraßen die Mindestbreite von Radwegen zu unterschreiten oder auf Radwege komplett zu verzichten. Auch auf Ebene der weiteren Bundesländer sieht der DVR Defizite: Um schwere Unfälle zu verhindern, wären mehr sichere Querungsmöglichkeiten für den Rad- und Fußverkehr auch auf Landstraßen notwendig. Ein Bericht zur letzten Verkehrsministerkonferenz offenbart jedoch, dass keines der Bundesländer dafür Programme aufgestellt hat. Diese Entwicklungen zeigen aus Sicht des DVR deutlich, dass der Radverkehr politisch noch immer nicht die notwendige Priorität erhält. 

„462 getötete Radfahrerinnen und Radfahrer sind kein unvermeidbares Hintergrundrauschen unserer Mobilität“, sagt Manfred Wirsch. „Es macht mich zutiefst betroffen, dass immer noch in Frage steht, ob der Um- oder Neubau von Radwegen notwendig ist, während jeden Tag in Deutschland ein Radfahrer oder eine Radfahrerin stirbt.“

DVR-Beschlüsse

Erhöhung der Verkehrssicherheit durch C-ITS (2025)

Technische Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit von Fahrrad-, Pedelec-, S-Pedelec- und Lastenradfahrenden (2025)

Evaluierung der Auswirkungen der geplanten StVZO-Neufassung auf die Sicherheit von Fahrradfahrenden (2024)

Erhöhung der Verkehrssicherheit durch Vehicle-to-X-Kommunikation (2021)

Sicherheit im Radverkehr verbessern (2018)

Einführung eines Ordnungswidrigkeitentatbestandes für alkoholisierte Fahrradfahrer (2014)

DVR-Kampagnen

Jugendaktion 

DVR/UK/BG-Schwerpunktaktion – Sichere Radfahrmobilitä

Sicher unterwegs mit dem Pedelec 

Runter vom Gas 

Komm gut an

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