Ohne höheres Tempo beim Hochseeschutz wird UN-Ziel erst im Jahr 2291 erreicht
Heute startende UN-Weltnaturkonferenz muss den Schutz der Natur beschleunigen. Beim aktuellen Tempo wird das 2022 beschlossene Ziel, 30 Prozent der Ozeane wirksam zu schützen, erst in 265 Jahren erreicht.
Das zeigt ein neuer Bericht von Greenpeace International zum Start der Weltnaturkonferenz (CBD COP17) in Armenien. Weltweit sind aktuell lediglich 3,5 Prozent der Meeresflächen effektiv geschützt – davon keine einzige im Atlantik. Die industrielle Ausbeutung ist dort also nahezu flächendeckend erlaubt. Für wirksamen Meeresschutz schlägt Greenpeace ein zusammenhängendes Netzwerk aus Schutzgebieten im Atlantik vor: Elf neue Gebiete würden über 30 Prozent der atlantischen Hochsee abdecken und effektiv schützen. So ließe sich etwa das Kollisionsrisiko für Buckelwale mit Frachtschiffen nahezu halbieren, über 36 Prozent der Beifang-Gefahrenzonen für stark gefährdete Lederschildkröten wären geschützt.
„Wale und Meeresschildkröten folgen ihren eigenen Routen, sie halten sich nicht an Grenzen auf einer Karte“, sagt Jenny Neuhaus, Meeresexpertin von Greenpeace. „Wir brauchen ein zusammenhängendes Netzwerk, das die Lebensräume und Wanderkorridore von Meeresbewohnern effektiv und langfristig schützt. Ein solches Netzwerk würde den UN-Staaten helfen, beim vereinbarten 30×30-Ziel für die Meere endlich ins Machen zu kommen.“
Deutschland hinkt bei Umsetzung der Weltnaturschutz-Ziele hinterher
Am heutigen Montag beginnt im armenischen Jerewan die UN-Weltnaturkonferenz (CBD COP17). Dort prüfen die Vertragsstaaten erstmals offiziell, was das Weltnaturabkommen bisher erreicht hat. Vorläufige Daten zeigen: Während es bei der Verknüpfung von Klima- und Artenschutz Fortschritte gibt, hinken die Staaten etwa beim Schutz der Meere und Wälder, dem Abbau naturschädlicher Subventionen und der Naturschutz-Finanzierung massiv hinterher – dies gilt auch für die Bundesregierung. Insgesamt liegt die Welt beim Erreichen der 23 Naturschutzziele bis 2030 deutlich im Rückstand.
Deutschland erfüllt seine Versprechen für einen effektiven Flächenschutz bisher vor allem auf dem Papier. Das Ziel, mindestens 30 Prozent der Meeres- und Landflächen effektiv zu schützen, meldet die Bundesregierung zwar als fast erreicht. In Wahrheit handelt es sich jedoch auch um schwach und unzureichend geschützte Gebiete, in denen intensive Land- und Forstwirtschaft und Fischerei weiterhin erlaubt sind.
„Je härter uns die Klimakrise trifft, desto unverzichtbarer wird intakte Natur. Gesunde Ökosysteme schützen Wirtschaft, Gesellschaft und unsere Zukunft“, sagt Greenpeace-Politikexperte Jannes Stoppel. „Die UN-Konferenz in Armenien muss dem Naturschutz neuen Schub verleihen. Auch die Bundesregierung muss die Umsetzungslücken im Naturschutz endlich schließen, Firmen stärker in die Verantwortung nehmen und Naturzerstörung in Schutzgebieten stoppen.“
Hintergrund
Vom 19.-30. Oktober 2026 verhandeln die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen auf der UN-Weltnaturkonferenz (CBD COP17) über die Umsetzung des Weltnaturabkommens, inklusive besserer Schutzgebiete. Finden Sie hier unser Briefing zu den wichtigsten Punkten.








