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© pixabay.com | Herbert Aust | Was sehen Sie? Einen schönen alten Wald oder soundsoviel Festmeter Holz?

17. Weltnaturschutzgipfel: Frieden mit der Natur

In Jerewan geht der UN-Gipfel zur Biodiversität zu Ende. Er zeigt, was auf dem Spiel steht. Eine Wirtschaft, die ihr eigenes Fundament abträgt, hat keine Zukunft.

Was sehen Sie? Einen schönen alten Wald oder soundsoviel Festmeter Holz? (Bild: Włodzimierz Siedem/​Flickr)

Bis 2030 die Zerstörung der Natur stoppen und die Wende zur Erholung schaffen: Das war das große Versprechen des UN-Naturschutzgipfels von Kunming-Montreal im Jahr 2022, genannt COP 5. Vier Jahre später zieht die COP 17 in Jerewan jetzt Bilanz.

Die Welt müsste längst im Reparaturmodus sein. Es geht um unsere Lebensgrundlagen. Wälder reinigen Luft und Wasser, Moore speichern Kohlenstoff, Insekten bestäuben Nutzpflanzen. Diese Ökosystemleistungen lassen sich nicht durch Technik ersetzen. Wer sie ruiniert, gefährdet Ernährung, Unternehmen und Arbeitsplätze.

Der Weltbiodiversitätsrat IPBES hat 2026 klargestellt: Alle Unternehmen hängen direkt oder indirekt von der Natur ab. Ihr Verlust ist ein systemisches Risiko für Wirtschaft und Finanzstabilität. Trotzdem flossen 2023 weltweit 7,3 Billionen US-Dollar in Aktivitäten, die der Natur schaden. Eine Wirtschaft, die ihr eigenes Fundament abträgt, hat ihre Lektion nicht gelernt.

Immerhin: Das 2022 beschlossene Kunming-Montreal-Abkommen ist mehr als bedrucktes Papier. Rund ein Fünftel der Landflächen und Binnengewässer ist inzwischen in der einen oder anderen Form für den Naturschutz gesichert. Werden die nationalen Zusagen eingehalten, könnten es 2030 rund 27 Prozent sein. Das Ziel von 30 Prozent bleibt damit erreichbar.

Auf See sieht es schlechter aus: Zehn Prozent sind ausgewiesen, nur etwa 3,5 Prozent gelten als wirksam geschützt. Auch dort, wo Schutz auf der Karte steht, darf oft weiter zerstörerisch gefischt werden.

Naturwiederherstellung geht noch deutlich zu langsam

Hoffnung macht ein neuer Bericht zur Renaturierung, vorgelegt von den UN-Organisationen für Landwirtschaft und Umwelt, FAO und Unep. Demnach laufen derzeit in 149 der rund 200 Länder, die es auf der Erde gibt, Maßnahmen zur Wiederherstellung von Ökosystemen. Damit verbunden seien mehr als eine Million grüne Arbeitsplätze.

Die Natur kann zurückkommen, und Menschen können davon leben, ihr dabei zu helfen. Daran muss Politik anknüpfen. Allerdings sind Flächen unter Wiederherstellung noch keine vollständig geheilten Landschaften. Und das bisherige Tempo reicht bei Weitem nicht.

Zum geplanten Abschluss der Jerewan-COP an diesem Freitag zeichnet sich kein großer Durchbruch ab. Die Debatten sind zäh, vor allem beim Geld.

Die EU will, dass auch wirtschaftlich starke Schwellenländer wie China stärker zur Finanzierung beitragen – andere Staaten wehren sich gegen eine Verschiebung der Verantwortung. Ohne verlässliche Unterstützung aber können viele ärmere Länder ihre Naturschätze kaum dauerhaft bewahren.

An Geld fehlt es auf diesem Planeten nicht

Noch absurder ist der Streit über naturschädliche Subventionen. Die Staaten haben längst zugesagt, solche Anreize bis 2030 um jährlich mindestens 500 Milliarden Dollar abzubauen. Nun ringen sie wieder um die Formulierungen.

Geld für die Zerstörung zu verteilen und anschließend über fehlendes Geld für den Schutz zu klagen, ist organisierter Widersinn. Der angestrebte „Jerewan-Pfad“ muss deshalb mehr bieten als die nächste Sammlung guter Absichten: konkrete Schritte, überprüfbare Fortschritte und Mittel zur Umsetzung. 

Trotzdem wäre es falsch, diese Konferenz abzuschreiben. Dass Staaten trotz eskalierender Krisen und Kriege gemeinsam über den Schutz ihrer Lebensgrundlagen verhandeln, zeigt: Der Multilateralismus lebt noch. Die Einsicht, dass wir eine intakte Natur brauchen, ist weiterhin breit verankert. Sie muss nur endlich stärker werden als die Interessen, die von ihrer Zerstörung profitieren.

Natürlich müsste alles viel schneller gehen. Man stelle sich vor, die gigantischen Summen für Aufrüstung und Kriege könnten in den Schutz und die Wiederherstellung der Natur fließen. Allein 2025 gab die Welt laut dem Institut Sipri fast 2,9 Billionen Dollar für Militär aus.

Geld fehlt auf diesem Planeten nicht. Es fehlt am politischen Willen, seine Lebensgrundlagen zur Priorität zu machen. Auch das ist Sicherheitspolitik.

Quelle

Der Kommentar wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Joachim Wille) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

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