Heizen mit Flusswärme gut für Klima UND Flussbiotope
Wie viel Flusswärme ist tatsächlich nutzbar?
Die Wärmenetze vieler großer und kleiner Städte ließen sich durch Wärmegewinnung aus Fließgewässern beheizen – doch eine Reihe von Gewässerkundlern äußert Kritik. Besonders der Entzug von Wärme im Winter sei problematisch. Ein Fluss dürfe auch im Winter nicht unter 3°C abkühlen. Die Scientists for Future legen jetzt ein Dossier vor, das die Argumente der Klimaschützer, der Energieunternehmen wie auch der Gewässerkundler gegenüberstellt und abwägt.
Über die letzten Jahrzehnte hat die Menschheit Flüsse und Bäche durch den Klimawandel immer weiter erwärmt: Die Messungen zeigen für Deutschland eine Erwärmung um 2 bis 3 Grad. Was für Lebewesen in den Fließgewässern lebensbedrohend wird, stellt gleichzeitig enormes Potential für die Wärmegewinnung dar. Würden wir nur die Hälfte der in den Flüssen vorhandenen Zusatzwärme zurückgewinnen, ließen sich damit knapp zwei Drittel der Haushalte in Deutschland beheizen. Aber hätte die neuerliche Abkühlung negative Folgen für die Gewässer?
Dr. Michael Huber von den Scientists for Future hat über 180 Literaturquellen zum Thema ausgewertet. Ein von ihm vorgelegtes Dossier kommt zum Ergebnis: Folgt man den Kriterien des Natur- und Umweltschutzes, dann erweisen sich die Vorbehalte gegen die Nutzung von Flusswärme als nicht stichhaltig. Zudem beeinträchtigt die mit der Wärmeentnahme einhergehende Absenkung der Flusswassertemperaturen die Fauna und Flora weder im Sommer noch im Winter, wenn die meiste Wärme benötigt wird.
Ein ungenutzer Spielraum mit hohem Potential
Wie das Studium der „natürlichen“, von Wärmepumpen unbeeinflussten Flusswassertemperaturen zeigt, fielen die Temperaturen vor Einsetzen des Klimawandels in strengen Wintern immer wieder auf Werte um 0 °C. „Doch an diese Tiefstwerte sind die angestammten Populationen von Fischen, Krebsen, Schnecken etc. seit Jahrhunderten bestens angepasst“ sagt Huber. Und da auch die winterlichen Wassertemperaturen mit dem Klimawandel gestiegen sind, lässt sich dieser natürliche Spielraum heute gut für Flusswasserwärmepumpen nutzen.
Insgesamt spricht aus wissenschaftlicher Sicht wenig dagegen, das überaus reichliche Potenzial der Flusswasserwärme zumindest anteilig zu nutzen. Wenn die Größe des Wärmenetzes und die lokal verfügbare Flusswärmemenge zueinander passen, kann eine Abdeckung des gesamten jährlichen Wärmebedarfs von bis zu 90 Prozent erreicht werden. Allerdings muss die winterliche Spitzenlast in den meisten Fällen durch andere Wärmequellen gewonnen werden.
Kombination mit anderen moderenen Technologien ist möglich und sinnvoll
Flusswasser-Wärmepumpen auf die Spitzenlast an den kältesten Tagen auszulegen ist meist nicht die wirtschaftlich sinnvollste Variante. Bezüglich der Investitionskosten deutlich preisgünstiger und zukunftssicherer ist es, für Spitzenlastabdeckung und Notfallüberbrückung die Kombination der Flusswasserwärmepumpe(n) mit Power-to-Heat Kesseln und Wärmespeichern einzusetzen.
Das Dossier zeigt eindeutig: Wärmenetze, die Flusswärme nutzen, versorgen die Haushalte mit günstiger Wärme, gleichzeitig genießen Fische, Krebse, Muscheln, Schnecken und Wasserpflanzen, also das gesamte Flussbiotop, wieder die gewohnten Flusswassertemperaturen. Es ist hier online verfügbar.
Quelle
Scientists4Future Germany | Markus Feilner | mfeilner@scientists4future.org | www.scientists4future.org








