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05.09.2019

Der dritte Weltkrieg gegen die Natur

Regenwälder stehen überall in Flammen, Wüsten breiten sich auf allen Kontinenten aus, Eisberge schmelzen, die Klimaerhitzung führt zu Millionen Klimaflüchtlingen: Sind wir noch zu retten? Ein Kommentar von Franz Alt

„Die Menschheit verliert die Kontrolle über den Zustand der Erde“, warnt Stefan Rahmstorf, Leiter der Abteilung Erdsystemanalyse am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Kanzlerin-Berater. Die Klimaforscher haben sich in den letzten Jahrzehnten nur mit einer Vorhersage geirrt: Die Klimakatastrophe kommt viel schneller als sie diese vorhergesagt haben.

Gletscherforscher geben zu, dass das Eis heute dreimal so schnell schmilzt wie sie es noch vor zehn Jahren befürchtet hatten (Deutsche Gletscher sterben). Das heißt: Der Meeresspiegel steigt in diesem Jahrhundert nicht nur um einige Zentimeter wie vorhergesagt, sondern um einige Meter.

Und das heißt: Nicht nur halb Bangladesch wird unbewohnbar, sondern betroffen sind auch New York und Shanghai, Hamburg und Bremen, Mumbay und Kalkutta, Alexandria und Rio. Jeder vierte Afrikaner lebt an der Küste und wird den Boden unter seinen Füßen verlieren. Weltweit sterben die Korallenbänke schneller als vorhergesagt (Spiegel Online: Dem Great Barrier Reef geht es so schlecht wie noch nie). Das Artensterben findet in einem Atem beraubenden Tempo statt.

Das Ziel des Pariser Klimagipfels, die globale Erwärmung bei 1.5 Grad zu stoppen wird krachend verfehlt, wenn wir so weitermachen.  Zurzeit laufen wir global eher auf fünf bis sechs Grad Erwärmung zu, das heißt an Land auf neun bis zehn Grad.

Und das bedeutet: Europa wird klimatisch nicht Südeuropa, sondern Afrika. Noch immer gibt es Politiker und Journalisten, welche diese Fakten der Klimaforschung als „Alarmismus“ abtun oder verdrängen wollen. Das wird jedoch die Klimaerhitzung nicht interessieren.

Fakt ist: Wir führen einen dritten Weltkrieg gegen die Natur und damit gegen uns selbst. Denn wir sind ein Teil der Natur.

Nochmals Professor Rahmstorf: „Während die Klimaforscher die globale Erwärmung seit einem halben Jahrhundert zwar grundsätzlich richtig vorhergesagt haben, lagen sie bei Tempo und Ausmaß einiger Entwicklungen falsch. Allerdings haben sie diese nicht über-, sondern unterschätzt.“

Wie schnell erreichen wir die Klimakipp-Punkte des Erdsystems?

Selbst die bisher weniger sicheren Vorhersagen wie Verlust der Regenwälder oder das Auftauen der Permafrostböden wirken sich immer unheilvoller aus. Die Klimakipp-Punkte des Erdsystems werden immer wahrscheinlicher.  Danach hätten wir keine Chance mehr, auf diesem Planeten als homo sapiens zu überleben.

Stephen Hawking hätte recht mit seiner Prognose: In 100 Jahren wird es auf diesem Planeten keine Menschen mehr geben.

Die Kipp-Punkte der Klimakatastrophe erläutert Professor Rahmstorf ganz einfach und populär und für Jedermann verständlich so: „Stellen Sie sich vor, Sie schieben eine volle Kaffeetasse über den Schreibtischrand. Auf den ersten Millimetern passiert wenig, die Tasse verändert nur ihre Position. Doch irgendwann erreicht sie einen kritischen Punkt, an dem sie kippt, abstürzt und ihren Inhalt auf den Teppich ergießt.“

Und wie könnte die Rettung noch aussehen?

  • Erstens: Bis spätestens 2035 erreichen wir 100% erneuerbare Energie
  • Zweitens: Rascher Ausstieg aus der Kohle und eine CO2-Bepreisung
  • Drittens: Rascher Einstieg in die E-Mobilität und eine Verdoppelung des öffentlichen Verkehrs
  • Viertens: Umstieg auf Ökolandwirtschaft
  • Fünftens: Weltweite Aufforstung und Begrünung der Wüsten

Noch können Parteien und Politiker für dieses Überlebensprogramm bei ihren Wählerinnen und Wählern mit dem Motto werben: Die Klimakatastrophe gefährdet unseren Wohlstand und unser Leben.

Intelligente Klimapolitik sichert und erhält unseren Wohlstand und garantiert die Zukunft unserer Kinder und Enkel. Noch haben wir die Wahl. Doch die Zeit wird knapp.

Energiewende kostet. Aber keine Energiewende kostet unsere Zukunft.

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Quelle   Franz Alt 2019

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