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16.11.2019

Solarstrom ist Sozialstrom

Wie lange noch wird die "Fridays-for-Future"-Bewegung friedlich demonstrieren? Wann endlich kommt der Durchbruch für eine wirkliche Klima- und Energiewende? Darüber diskutieren der Chefredakteur der Zeitschrift "photovoltaik" und Franz Alt.

Alt: Bei den Fridays for Future-Demonstrationen sehe ich immer mehr Plakate mit der Aufschrift „No Climate-Change, but System-Change“. Die jungen Menschen mit ihrer langen Lebensperspektive verzweifeln, weil sie erleben, dass die Politik die Klimaerhitzung bisher viel zu wenig ernst nimmt. Mich erinnert die heutige Skepsis der Jungen gegenüber der Politik an die Skepsis der DDR-Bürger gegenüber ihrer Regierung in den Achtzigern. Auch dort kam dann die Wende schneller als es alle erwartet hatten. Zum Glück gibt es in einer Demokratie aber meist alternative Parteien wie die Grünen. Doch die Wut auf die heutigen noch sogenannten Volksparteien wächst.

Schwarzburger: Die Welt wandelt sich, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Ich habe das Gefühl, dass die Klimawende nun wirklich anbricht. Denn immer mehr Menschen verstehen: Wir müssen etwas gegen die steigenden Temperaturen und die Verschmutzung der Atmosphäre unternehmen. Das lässt sich nicht mehr aussitzen. Sie sind bereit, in saubere Energien zu investieren. In saubere Autos, die mit sauberem Strom fahren. Deshalb ist nun die Politik gefordert, die Bürger und Unternehmer in diesem Ansinnen zu unterstützen.

Alt: Sie haben recht: Wer künftig „A“ sagt wie Auto,  muss auch „E“ sagen wie E-Auto. Und der Umstieg auf 100% erneuerbare Energien muss spätestens bis 2035 komplett sein, wenn wir als Spezies noch Zukunft haben wollen. Die Klimawissenschaft hat sich bisher nur in einem Punkt getäuscht: Die Klimaerhitzung kommt weit schneller als es bisher die Wissenschaftler erwartet haben. Dass der rasche Umstieg möglich ist und wie das geht, wird ja in dieser Zeitschrift immer wieder aufgezeigt. Keiner kann mehr sagen, er oder sie habe es nicht gewusst. Wir haben überhaupt keine Erkenntnisprobleme, wir haben nur noch Umsetzungsprobleme. Der Umstieg vom Pferdefuhrwerk zum Auto war ja auch in wenigen Jahrzehnten möglich.

Schwarzburger: Die Energiewende ist eine gigantische Jobmaschine, sie bringt Arbeit für mehr als nur eine Generation. Dafür muss das Auf und Ab in der Förderung, das Hin und Her bei den Rahmenbedingungen aufhören. Die Politik muss endlich Nägel mit Köpfen machen! Die Solarwirtschaft kann wesentlich zum Strukturwandel der klassischen Energiebranche, der Kohlereviere oder der Automobilhersteller beitragen, in dem sie neue und moderne Arbeitsplätze schafft. Das ist eine historische Chance.

Alt: Sie haben Recht: Die Energiewende ist kein Jobkiller, sondern  d e r  Jobknüller unserer Zeit. Das künftige Solarzeitalter schafft Millionen neue zukunftsfähige Arbeitsplätze. Heute produzieren etwa 330.000 Menschen beinahe 50% des deutschen Stromverbrauchs bei den Erneuerbaren, die restlichen 50% an fossilem und nuklearem Strom werden von etwa 100.000 Jobs produziert. Aber was hat die Politik der Groko in den letzten Jahren bewirkt? Um 20.000 Arbeitsplätze bei der Kohle von gestern noch ein paar Jahre zu retten, wurden 80.000 Zukunfts-Arbeitsplätze bei der Solarenergie und 30.000 Jobs bei der Windenergie kaputt gemacht. Schlimmer geht´s nimmer. Und unsozialer schon gar nicht.

Schwarzburger: Mit Preisen von vier Cent pro Kilowattstunde auf dem Freiland oder acht Cent von Dach ist Sonnenstrom mittlerweile konkurrenzlos günstig. Somit wird die solare Energiewende auch und vor allem zur sozialen Aufgabe. Denn Millionen Mieter ist diesem Land könnten von sinkenden Stromkosten profitieren. Es geht weniger darum, sie von den Lasten der Energiewende zu befreien. Sondern vor allem darum, sie in den Genuss des Erreichten zu bringen. Mieterstrom muss viel einfacher werden - eine Selbstverständlichkeit, mit einem Rechtsanspruch auf selbsterzeugten Strom.

Alt: Solarstrom ist Sozialstrom. Jetzt zeigt sich, was es heißt, wenn wir auf weitgehend kostenlose Energieträger wie Sonne und Wind umsteigen. Sonne und Wind schicken keine Rechnung. Sie sind Geschenke des Himmels im wahrsten Sinne des Wortes – und zwar für alle.  In den armen, aber sonnenreichen Ländern Asiens und Afrikas ist der Umstieg auf erneuerbare Energie die wichtigste Zukunftschance: Mit Strompreisen von ein bis drei Cent werden sie künftig ihr Wirtschaft entwickeln können und Millionen Jobs schaffen. Allein ökonomische Entwicklung mit erneuerbaren Energien kann die Flüchtlingsströme aufhalten und Milliarden Menschen ein Leben in Würde ermöglichen.

Schwarzburger: Besonders charmant ist die Vielfalt der erneuerbaren Energien. Es geht hier nicht um Sonnenstrom oder Windstrom oder Strom aus Biogas oder Wasserkraft, sondern um den klugen und ökonomischen Mix. Je nach Region kann er sehr verschieden ausfallen. Aber klar ist: Die Energiewende kann nur gelingen und Deutschland kann seine Chancen nur nutzen, wenn alle sauberen Energieträger gleichermaßen im Konzert mitspielen.

Alt: Wir brauchen die gesamte Symphonie der Erneuerbaren Energien, um so rasch wie möglich den hundertprozentigen Umstieg zu organisieren. Dann ist auch das Speicherproblem schnell lösbar. Vier der sechs großen erneuerbaren Energieträger – Wasserkraft, Bioenergie, Erdwärme sowie Meeresenergie – sind speicherbar oder von Natur aus schon gespeichert. Sie schaffen Ausgleich für nicht gespeicherte Sonnen- und Windenergie, die wir aber auch in Autobatterien und in Power-to-Gas-Technologie speichern oder in Wasserstoff wandeln können. Die 100%ige Energiewende ist nötig und möglich, je schneller desto preiswerter und umweltfreundlicher.

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