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China soll ergrünen

Die Regierung in Peking verkündet einen Plan für Öko-Konsum als neue Wirtschafts- und Ressourcenstrategie. Weiteres Wachstum soll mit mehr Energie- und Ressourceneffizienz einhergehen.

Wird China mit seinen rund 1,4 Milliarden Einwohnern künftig zum globalen Öko-Vorreiter? Die Führung in Peking hat einen landesweiten Aktionsplan zur Förderung von „grünem Konsum“ vorgelegt.

Der Plan, den das Handelsministerium und acht weitere Behörden gemeinsam veröffentlicht haben, führt laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua 20 Maßnahmen in sieben Handlungsfeldern auf. Es geht unter anderem um ein höheres Angebot an umweltfreundlich erzeugten Agrarprodukten, die breitere Einführung energiesparender Haushaltsgeräte und mehr Anreize für klimafreundliche Mobilität.

Der Plan zielt unter anderem darauf ab, den in China bereits starken Trend vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb weiter zu beschleunigen. Außerdem sollen Dienstleistungen in Gastronomie und Hotellerie sowie haushaltsnahe Services ökologischer werden.

Die Initiative solle „die Verbreitung umweltbewusster Konsumgewohnheiten stärken und den Übergang zu einer CO2-armen Produktion und Lebensweise beschleunigen“, so Xinhua über eine Mitteilung des Handelsministeriums. Dazu sollten unter anderem Lieferketten ressourcensparender gestaltet und Produkte nach ihrem CO2-Fußabdruck bewertet werden.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung umweltfreundlicher Leasing- und Sharing-Dienstleistungen, um eine effizientere Ressourcennutzung zu fördern. Beispiele hierfür gibt es weltweit seit Langem, etwa Carsharing, gemeinsame Büronutzung oder Geräteleihe – bislang allerdings eher als Nische oder informell.

Plan für grünes Wachstum

Falls China hier Ernst macht, würde das allein wegen der riesigen Zahl von Haushalten in dem Land einen Trend setzen. Wenn der Aktionsplan tatsächlich Standards für Reparierbarkeit, Rücknahme und CO2-Bilanzen durchsetzt, kann er mehr sein als ein Konsumprogramm – nämlich ein Baustein, um Wachstum, Ressourcenschonung und Klimaschutz zu kombinieren.

Die Regierung will laut dem Plan die Bedingungen für umweltfreundlichen Konsum durch konkrete finanzielle und andere unterstützende Maßnahmen verbessern. Außerdem soll künstliche Intelligenz genutzt werden, um entsprechende Produkte und Anwendungsszenarien zu entwickeln.

Klimapolitisch fügt sich das neue Konsumkonzept in Chinas „Dual-Carbon“-Ziele ein, die einen Höhepunkt der Emissionen vor 2030 und dann einen Rückgang bis zur Klimaneutralität vor 2060 vorsehen. Fachleute halten es für möglich, dass in China das CO2-Maximum bereits erreicht ist. Sicher ist das aber nicht, auch weil parallel weiterhin Kohlekraftwerke hinzukommen.

China baut Wind- und Solarenergie in historischer Geschwindigkeit aus. Nach Angaben der nationalen Energiebehörde übertraf die kombinierte Wind- und Solarkapazität Ende März 2025 erstmals die fossile Kraftwerkskapazität.

Hintergrund der grünen Agenda dürfte sein, dass sich die ökologische Krise gerade in dem großen Land, das global die Nummer eins beim jährlichen CO2-Ausstoß ist, zunehmend bemerkbar macht – unter anderem durch mehr klimabedingte Dürren und Hochwasser, Luftverschmutzung sowie Grundwasserabsenkung.

Klima- und Ressourcenschutz zählen daher durchaus zu den politischen Zielen. In Chinas 14. Fünfjahresplan war zum Beispiel vorgesehen, Ressourceneffizienz und Recycling bis 2025 deutlich zu steigern. So gibt es seit 2024 Programme, die den Austausch älterer Haushaltsgeräte und Fahrzeuge unterstützen.

An diese Logik knüpft der neue Plan an: Ressourcen- und Klimaschutz ohne Komfortverlust – bei gleichzeitiger Stützung der Konjunktur. Wenn Millionen Haushalte Geräte oder Fahrzeuge gegen effizientere Varianten tauschen, sinkt unter dem Strich der Energiebedarf, während die Produktion stimuliert wird.

Quelle

Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Joachim Wille) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

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