Gegen den Wind
Man sollte Trump ignorieren, geht aber leider nicht. Der US-Präsident verhindert neue Windparks und hilft der Kohleindustrie mit 700 Millionen Dollar. Gleichzeitig überholt die Photovoltaik in seinem Land die Kohleverstromung. Eine Kolumne von Joachim Wille
Eigentlich sollte man Donald Trumps inflationären Äußerungen zu diesem und jenem ja keine Aufmerksamkeit mehr schenken. Der US-Präsident versucht offenbar, die Öffentlichkeit „mit Scheiße zu fluten“, wie sein früherer Chefstratege Steve Bannon es empfohlen hat.
Leider vermüllt er die Debatte nicht nur mit Themen wie Ballsaal-Bau, Triumphbogen-Planung und Kampf gegen Late-Night-Show-Hosts. Er entscheidet eben auch über Krieg und Frieden – und den Klimaschutz.
Gerade hat Trump sich wieder an den Windkraftanlagen abgearbeitet. „Ich mag Windmühlen nicht“, erklärte er bei der Vorstellung neuer Hilfen für die Kohleindustrie. Die Anlagen seien teuer, hässlich und würden die Landschaft verschandeln.
Es ist die immer gleiche Tirade, die er seit Jahren wiederholt. Trump bekämpft die Windkraft, seit gegen seinen Willen Anlagen in Sichtweite seines Golfplatzes in Schottland errichtet wurden.
Das Problem ist nicht, dass ein Präsident persönliche Vorlieben hat. Das Problem ist, dass er daraus Politik macht.
Schon am ersten Tag seiner zweiten Amtsperiode stellte Trump neue Hürden für Windkraftprojekte auf. Vor allem Offshore-Windparks geraten ins Visier seiner Regierung. Genehmigungen werden verzögert, Projekte gestoppt, Investoren verunsichert.
Der nächste Präsident wird viel zu tun haben
Gleichzeitig versucht das Weiße Haus, der Kohle neues Leben einzuhauchen – einem Energieträger, der wirtschaftlich und klimapolitisch längst auf dem Abstellgleis steht.
Dazu kündigte Trump jetzt ein Rettungspaket für die Branche an. Rund 700 Millionen Dollar staatlicher Unterstützung sollen in die Laufzeitverlängerung von Kohlekraftwerken, in Gruben und Infrastrukturprojekte fließen. Die Maßnahme zeigt, wohin die Reise gehen soll: zurück ins fossile Zeitalter.
Nur spielt die Wirklichkeit nicht so ganz mit. Die Energiewirtschaft folgt längst anderen Gesetzen als den politischen Wunschträumen des Präsidenten.
Der Londoner Thinktank Ember meldete jetzt einen historischen Meilenstein: Im Mai lieferte Solarenergie in den USA erstmals mehr Strom als Kohle. Der Anteil der Photovoltaik lag bei 12,8 Prozent, Kohle kam nur noch auf 12,2 Prozent. Auch die Windkraft legte weiter zu.
Das zeigt: Trump kann die Energiewende bremsen, aber nicht aufhalten. Sinkende Kosten, neue Speicher und der steigende Strombedarf, unter anderem durch KI-Rechenzentren, treiben den Ausbau der Erneuerbaren weiter voran.
Wer immer Trump im Weißen Haus nachfolgt – hoffentlich ein Demokrat –, wird viel Arbeit haben. Denn verlorene Jahre lassen sich in der Klimapolitik nur schwer aufholen.
Quelle
Die Kolumne wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Joachim Wille) 2026 verfasst – die Kolumne darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.







