Klimafinanzierung: Zwei Drittel sind schöngerechnet
Geberländer wie Deutschland blähen ihre Klima-Hilfen auf dem Papier auf, ärmere Länder müssen sich weiter verschulden.
Neue Berechnungen von Oxfam zeigen, dass die tatsächliche geleistete Unterstützung der reichen Industrieländer für Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel in einkommensschwachen Ländern 2024 weit unter dem lag, was die gerade offiziell berichteten Zahlen suggerieren. Tatsächlich entspricht sie nur einem Drittel (32,6 Prozent) der von den Geberländern ausgewiesenen Klimafinanzierung.
Im Juni hatten die Geberländer für 2024 Klima-Hilfen für einkommensschwache Länder in Höhe von 136,7 Milliarden US-Dollar, davon 106,2 Milliarden US-Dollar über öffentliche Mittel, gemeldet. Auf den ersten Blick liegt das über den versprochenen jährlich mindestens 100 Milliarden US-Dollar. Die tatsächlich erbrachte Unterstützung war jedoch viel niedriger: Nach Abzug überhöhter Anrechnungen und unter Berücksichtigung der Konditionen von Klima-Krediten betrug die tatsächliche Unterstützungsleistung lediglich zwischen rund 33 und 45 Milliarden US-Dollar. Auch für Deutschland beträgt die tatsächliche Unterstützungsleistung nur rund die Hälfte der offiziell berichteten 9,5 Milliarden Euro.
Dass die tatsächliche Unterstützung so deutlich unter den offiziellen Zahlen liegt, hängt an dem hohen Anteil von Krediten. Weltweit waren 2024 zwei Drittel (rund 65 Prozent) der öffentlichen Mittel für Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel in einkommensschwachen Ländern in Form von Krediten gestaltet. Oft profitieren Geberländer davon finanziell, während die Schuldenlast der ärmeren Länder wächst. Dabei haben jene am wenigsten zur Klimakrise beigetragen und sind bereits jetzt massiv von ihren Folgen betroffen. Echte Unterstützung bieten vor allem Zuschüsse und stark vergünstigte Darlehen.
Reiche Länder rechnen ihre Klimafinanzierung systematisch schön.
Die Diskrepanz zwischen den ausgewiesenen Beträgen und der tatsächlich geleisteten Unterstützung verschleiert, wie groß die Finanzierungslücke wirklich ist. Gleichzeitig kürzen Geber bei der Entwicklungszusammenarbeit drastisch und entziehen sich damit ihrer Verantwortung für die Bewältigung der globalen Klimakrise. Jan Kowalzig, Referent für Klimapolitik
Kowalzig weiter: „Die Länder des Globalen Südens tragen die Hauptlast von Dürren, Überschwemmungen und anderen Klimakatastrophen. Während Geberländer ihre Finanzierungszusagen auf dem Papier aufblähen und gleichzeitig die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit zusammenstreichen, müssen ärmere Länder nicht nur die Folgen der Klimakrise bewältigen, sondern oftmals auch noch Schulden aufnehmen.”
Reiche Länder müssen mehr Unterstützung leisten
Die Klimakrise kann nur durch internationale Zusammenarbeit angegangen werden. Oxfam fordert, dass Länder mit hoher Verantwortung für Treibhausgase und hoher Finanz- und Wirtschaftskraft deutlich mehr Unterstützung für einkommensschwache Länder leisten müssen, vor allem in Form von Zuschüssen. Dies entspricht den etablierten Gerechtigkeitsprinzipien des Pariser Abkommens. „Die unklugen Kürzungen der Bundesregierung bei der Entwicklungszusammenarbeit stehen dazu in krassem Widerspruch“, so Kowalzig.







