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© Depositphotos.com | alexraths | Richtig teuer wird die Gasheizung erst später.

Neues Heizungsgesetz: „Die Klimalücke im Wärmesektor wird größer“

Die Einigung der Regierungskoalition auf Eckpunkte zum Gebäude­modernisierungs­gesetz hat auch positive Seiten, sagt Energieexperte Martin Pehnt vom Heidelberger Ifeu-Institut. Eine soziale Wärmewende sei damit aber nur schwer möglich. Interview: Joachim Wille

Klimareporter°: Herr Pehnt, was halten Sie von der Koalitionseinigung zum Heizungsgesetz?

Martin Pehnt: Die gute Nachricht ist: Das monatelange Zaudern rund um das Gebäudeenergiegesetz ist beendet. Die Förderung klimafreundlicher Heizungen bleibt bestehen, die europäische Gebäuderichtlinie wird plangemäß umgesetzt und die Wärmeplanung für kleinere Kommunen vereinfacht.

Zudem bringt ein Wärmepaket mehr Transparenz bei Fernwärmepreisen, eine gesetzlich geregelte Wärmenetzförderung und verbesserte Rahmenbedingungen für den Ausbau der Fernwärme.

Was bedeutet das geplante neue Gesetz für den Klimaschutz? Der Gebäudebereich soll ja wie die anderen Sektoren 2045 kein CO2 mehr ausstoßen.

Die Abschaffung der sogenannten 65-Prozent-Regel ist ein klimapolitischer Paukenschlag. Bisher galt beim Einbau neuer Heizungen die Vorgabe, dass 65 Prozent der erzeugten Wärme aus erneuerbaren Quellen stammen müssen – technologieoffen, also nicht auf eine bestimmte Technik festgelegt. Diese Verpflichtung soll nun entfallen.

Stattdessen müssen neu eingebaute Gas- oder Ölheizungen mit einem aufwachsenden Anteil an klimafreundlichen Brennstoffen, zum Beispiel Biomethan oder Bioöle, betrieben werden, beginnend bei zehn Prozent im Jahr 2029 statt der 65 Prozent im jetzt geltenden Gesetz. Dieser Anteil soll stufenweise ansteigen – wie viel, verraten die Eckpunkte der Koalition nicht.

Dazu soll eine allgemeine Grüngas- und Grünöl-Quote kommen. Doch sie startet mit lediglich einem Prozent – deutlich weniger, als selbst Gutachten im Auftrag der Gaswirtschaft empfohlen hatten. 

Gibt es denn ausreichend Biogas?

Nachhaltige Biobrennstoffe sind knapp und werden in anderen Sektoren dringend gebraucht – im Verkehr, in der Industrie oder für flexible Kraftwerke. Heute wird weniger als eine Terawattstunde Biomethan für Wärmezwecke produziert. Der Gasverbrauch für Raumwärme und Warmwasser liegt aber bei fast 400 Terawattstunden.

Auch Europa verfügt nicht über große zusätzliche Bio-Potenziale. Der Hochlauf der Wasserstoffproduktion bleibt bislang weit hinter den Erwartungen zurück. Und der Import großer grüner Brennstoffmengen schafft neue Abhängigkeiten – ganz anders als die heimische Stromproduktion mit Wind und Sonne.

Das heißt, die Emissionen sinken mit dem neuen Gesetz weniger stark?

Die neue Regelung erlaubt einen deutlich langsameren und geringeren Einsatz erneuerbarer Energien. Fossile Brennstoffe bleiben länger im Markt, Erdgas- und Heizöl-Heizungen bleiben hoffähig.

Zudem sind viele Biobrennstoffe – etwa aus Anbaubiomasse – keineswegs klimaneutral, und synthetische Brennstoffe sind um einen Faktor sechs weniger effizient als die Wärmerzeugung aus Wärmepumpen.

Hinzu kommt ein erhebliches Missbrauchspotenzial durch falsch deklarierte Brennstoffe, wie man das aus dem Kraftstoffmarkt kennt.

Wie könnte die nun aufreißende Lücke bei der CO2-Einsparung im Gebäudesektor geschlossen werden?

Das bleibt noch ein Geheimnis. Durch Strom- und Mehrwertsteuer-Absenkungen für Wärmepumpen? Eine deutliche Verbesserung der Förderung? Zentrale Anlaufstellen für die Beratung überall im Land? Das im März anstehende neue Klimaschutzprogramm der Regierung wird hier Antworten liefern müssen.

In den vergangenen zwei Jahren haben Hersteller serienreife Standardlösungen für Wärmepumpen entwickelt, es wurden Handwerksbetriebe geschult, pragmatische Sanierungskonzepte und neue Wärmenetze von kleinen Unternehmen, Kommunen und Genossenschaften auf den Weg gebracht, Solarkonzepte entwickelt. Flusswärmepumpen, saisonale Speicher und tiefe Geothermie-Anlagen entstehen.

Vielleicht ist der Markt schon weiter als die Politik?

Wie sollten Menschen sich entscheiden, die eine neue Heizung brauchen?

Die Investitionskosten sind bei Gas- und Ölheizungen niedriger als bei der Wärmepumpe. Wer kurzfristig denkt, könnte in eine Kostenfalle tappen.

Wer vorausplant, erkennt die künftig steigenden Verbrauchskosten – sei es durch höhere CO2-Preise oder teure grüne Brennstoffe. Im Vollkostenvergleich ist die Wärmepumpe in vielen Fällen bereits heute die wirtschaftlichste Lösung.

Was sind die Folgen für Mieterinnen und Mieter?

Wenn in vermieteten Wohnungen weiterhin Gas- oder Ölheizungen eingebaut werden, tragen Mieterinnen und Mieter später die steigenden Brennstoffkosten. Ohne starke Anpassungen im Mietrecht, bei der Förderung und der Wärmeregulierung droht eine Verschärfung sozialer Ungleichgewichte. 

Wie geht es nun weiter mit den Gasnetzen?

Gerade schließen viele Kommunen ihre Wärmeplanung ab. Dabei wird vielerorts eine gezielte, sozial abgefederte Stilllegung von Gasnetzen anvisiert und es werden Alternativen durch die Stärkung von Strom- oder Wärmenetzen geplant.

Diese Sicherheit über die Zukunft der Netze darf nun nicht infrage gestellt werden, denn sie ist volkswirtschaftlich richtig. Dazu gehört auch die in Paragraf 72 des bisherigen Gebäudeenergiegesetzes formulierte Festlegung, dass fossile Brennstoffe nur bis maximal 2045 in Heizkesseln eingesetzt werden dürfen. Das muss bleiben.

Quelle

Das Interview wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Joachim Wille) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden!  | Martin Pehnt leitet das Institut für Energie- und Umwelt­forschung (Ifeu) in Heidelberg. Der Physiker und Energie­techniker lehrt auch an der Universität Kassel und ist Sach­verständiger im Klimarat von Baden-Württemberg.

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