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Verhandlungskritiker Prof. Wicke: „Bestmögliches Ergebnis“

Die Fairness gebietet es, der deutschen Klimaaußenpolitik nach Paris ein großes Lob auszusprechen! Nach meiner jahrelangen berechtigten Kritik an dieser Politik möchte ich folgende Punkte hervorheben:

  1. In Paris wurde das derzeit bestmögliche klimadiplomatische Ergebnis erreicht.
  2. Es war eine riesige diplomatische Leistung, die Durban-Klimaallianz 4 Jahre später mit einer Allianz der Hoch-Ambitionierten fortzusetzen!
  3. Jetzt besteht nun die Möglichkeit, den rasanten Klimawandel etwas abzuschwächen – das ist ein Erfolg an sich!
  4. Hervorragend ist: Die im Paris Agreement ausdrücklich erwähnte Klimarisiko-Versicherung kann Hunderten von Millionen Armen in Klimarisiko-Gebieten eine große Hilfe werden und ihr Überleben nach Extremwetter-Ereignissen sichern helfen!
  5. Diese in Deutschland erfundene Versicherung ist das einzige umfassende „Loss and Damage“-Instrument. Deutschland und alle Beteiligten (BMZ/Munich Re/GIZ) können sich auf die Schultern klopfen – ein wichtiger Beitrag zur Klimagerechtigkeit!

Nun aber ist die angewandte Klimawissenschaft gefragt: Die im Paris-Klimajubel untergegangenen Fakten (s.u.- Climate Action Tracker CAT* vom 1.12.15) müssen endlich berücksichtigt werden. Schon die existierenden Kohlekraftwerke weltweit sorgen bis 2030 für eine Überschreitung der 2°C-Grenze um 150%. Mit den neu geplanten 2440 Anlagen, wird die Grenze sogar um 400% überschritten!                        

Vorrangig müssen folgende Punkte geklärt werden:

  1. Wie ist es zu bewerkstelligen, dass weltweit die unwirksamsten und dreckigsten Kohlekraftwerke abgeschaltet und durch Erneuerbare Energie- oder Gaskraftwerke ersetzt werden?
  2. Wie kann man es KONKRET errreichen, dass die geplanten neuen 2440 Kohlekraftwerke NICHT gebaut werden? Welche Initiativen sind nötig?
  3. Die deutsche Kurzsichtigkeit muss aufhören – globaler Klimaschutz kann „weh tun“: Auch bei uns – wie weltweit – muss schnellstmöglich CO2 aufgefangen und dauerhaft gelagert werden. Und auch die Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre muss großflächig realisieert werden. (Trotz aller Kritik – an CCS/BECCS geht kein Weg vorbei!)
  4. Kann ein möglichst globales „Carbon Pricing“ (Verteuerung von Kohle, Öl und Gas direkt beim Erstverkauf in allen Ländern) dabei helfen? Wie hoch sollte der Kohlenstoffpreis werden?
  5. Kann dieses globale „Carbon Pricing“ zur weltweiten Energie- und Klimawende führen? Wie könnte diese sonst noch initiiert werden?
  6. Die deutsche Klimakirchturmpolitik muss ein Ende haben! Bei allem Respekt: Mehr Erneuerbare und Reduzierung der Kohleverstromung in Deutschland sind gut – nutzen aber im Verhältnis zu dem, was weltweit geschieht, nur wenig! Deshalb muss die deutsche Klima-Außenpolitik Vorrang haben!
  7. Diese Klima-Außenpolitik muss entscheidend dazu beitragen, dass ein „Beyond Paris“-Abkommen bis 2025 die fatalen Klima-Lücken des Paris Agreements schließt!

Nur durch eine volle Kooperation zwischen der angewandten Klimawissenschaft (die die Klima-Politik vorbereitet) und der in Paris erfolgeichen Klimadiplomatie lassen sich diese Punkte klären und angehen!

Quelle

Prof. Dr. Lutz Wicke ist Direktor des Instituts für UmweltManagement an der ESCP Europe Berlin.

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