Warum Trump im Iran Krieg führt: Milliardengewinne für die US-Öl- und Gasindustrie
Auch deutsche Regierungen taten und tun vieles, um diese Gewinne zu steigern.
Im letzten Jahr 2025 sank der Erdölpreis langsam, aber stetig, von etwa 80 Dollar auf etwa 60 Dollar pro Barrel. Die Gewinne der Öl- und Gasmultis, die hauptsächlich den Wahlkampf von US-Präsident Trump finanzierten, brachen immer weiter ein.
Selbst sein Eroberungskrieg auf Venezuelas Erdölfelder brachte keine Wende. Hauptgrund war die zunehmend schwächelnde globale Erdölnachfrage, verursacht hauptsächlich durch die chinesische E‑Mobilitätsrevolution.
Trump musste sich also etwas einfallen lassen, damit seine Erdöl- und Erdgasfreunde wieder zu höheren Gewinnen kommen konnten. Das ist mit dem Kriegsangriff auf den Iran voll „gelungen“.
Seit dem Iran-Krieg explodieren die Gewinne der US-Erdöl- und Erdgasfirmen
Laut Berechnungen von Energy Flux verdoppelte sich die nominale Gewinnspanne einer einzelnen Flüssigerdgas- (LNG-)Lieferung von den USA nach Europa seit dem 28. Februar, dem Beginn des Iran-Kriegs, von rund 25 Millionen US-Dollar auf über 50 Millionen US-Dollar zum 2. März.
Datenmodellierungen schätzen, dass amerikanische LNG-Exporte bis zu 4 Milliarden US-Dollar an unerwarteten Gewinnen generieren könnten, wenn der Krieg einen Monat lang anhält. Die Gewinne der US-LNG-Firmen könnten sogar auf bis zu 20 Milliarden US-Dollar pro Monat ansteigen, wenn der Markt bis zum Sommer von Lieferungen aus Katar abgeschnitten bleibt.
Der LNG-Marktführer Katar kann auf dem Weltmarkt kein LNG mehr verkaufen, solange die Straße von Hormus infolge des Iran-Kriegs unpassierbar ist.
Quelle: Energy Flux – War profits quantified
Genau das ist die Chance für die Öl- und Gasfirmen der USA, die – anders als die meisten arabischen Länder – nicht über die Straße von Hormus liefern müssen. Sie können nun den Weltmarkt mit massiv höheren Preisen bedienen, während die Exporte der Konkurrenten aus den Golfstaaten zurückgehen.
Man muss sich daran erinnern, dass die US-LNG-Lieferungen nach Europa erst vor etwa vier Jahren massiv ausgebaut wurden. Damals führte der Ukraine-Krieg zu einer Erdgasverknappung in Europa. Deutschland und andere Nationen bauten daraufhin ihre LNG-Landeterminals massiv aus – ebenso wie die USA ihre Exportterminals.
Laut Forbes konnten die beiden Milliardäre Robert Pender und Mike Sabel, denen 80 % der Anteile an der US-LNG-Firma Venture Global gehören, ihr Vermögen seit dem US-Angriff auf den Iran bereits um fast 29 % auf jeweils über 12 Milliarden US-Dollar steigern. Sie gründeten Venture Global erst vor gut vier Jahren, als die europäische Nachfrage nach US-LNG sprunghaft anstieg. Inzwischen liefern sie bereits rund halb so viel wie der LNG-Pionier Katar.
Quelle: Forbes – The American LNG Billionaires Set To Cash In On War With Iran
Exxon, Chevron und andere US-amerikanische Öl- und Gasproduzenten sowie Raffinerien erreichten inmitten des Iran-Krieges Rekordhochs bei den Aktienkursen, während die Verbraucher die Kosten tragen.
Quelle: Fortune – Exxon, Chevron and US oil and gas producers hit all-time high stock values amid Iran war
Auch Russlands Erdöleinnahmen steigen wieder deutlich an, wodurch der Krieg gegen die Ukraine verstärkt finanziert werden kann.
Quelle: Frankfurter Rundschau – Putins Kriegswirtschaft profitiert vom Iran-Krieg
Laut einer Analyse des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) und der Nichtregierungsorganisation Urgewald hat Russland seit Beginn der US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf den Iran rund sechs Milliarden Euro durch den Export fossiler Energien eingenommen. Verglichen mit der Zeit vor den Angriffen entspricht dies einem Anstieg von etwa 14 Prozent im Tagesdurchschnitt.
Die Einnahmen stärken die finanziellen Möglichkeiten des russischen Militärs erheblich. Theoretisch reichen die täglichen Exporteinnahmen aus, um rund 17.000 Shahed-136-Angriffsdrohnen pro Tag zu finanzieren.
Quelle: energiezukunft – Der Ölpreis steigt: Russland profitiert
Russlands Erdgas- und Erdölabhängigkeit brachte Deutschland einen Schaden von über 150 Milliarden Euro
Es gab vor einem guten Jahrzehnt genug Warnungen vor einer zunehmenden Erdgas- und Erdölabhängigkeit von Russland. Doch Kanzlerin Merkel (CDU) mit ihren Ministern Altmaier (CDU), Gabriel (SPD), Scholz (SPD) u.a. schlugen alle Warnungen vor russischer Energieabhängigkeit in den Wind und bremsten stattdessen den Ausbau der Erneuerbaren Energien massiv aus.
Der Schaden auch für die deutsche Volkswirtschaft war extrem groß. Statt einer möglichen Stromversorgung zu 100 % Erneuerbaren Energien blieb die Stromversorgung immer noch stark vom Erdgas abhängig. Die gestiegenen Erdgaspreise ließen die Strompreise in die Höhe schnellen. Der volkswirtschaftliche Schaden der hohen Strompreise betrug in der Energiekrise 2021 bis 2023 150 Milliarden Euro.
Quelle: Hans-Josef Fell – Schaden durch Energiewende-Bremsen 2012
Auch die Stromrechnungen deutscher Stromkonzernkunden steigen laut Tagesspiegel Background vom 13.3.2026 wieder mit dem Iran-Krieg. Die Energie-Denkfabrik Ember setzt die Strompreisentwicklung in Beziehung mit der Gasmarktkrise. Die Kosten für Strom aus Gaskraftwerken in Europa seien seit dem 28. Februar um mehr als 50 Prozent gestiegen, heißt es in einer kürzlich veröffentlichten Analyse des Londoner Thinktanks. Demnach trägt der Gaspreis derzeit doppelt so viel zur Erhöhung der Strompreise bei wie die CO₂-Kosten im Rahmen des EU-Emissionshandels (ETS).
Die russische Energieabhängigkeit wurde in eine US-Abhängigkeit umgewandelt
Gelernt aus den schlimmen volkswirtschaftlichen Schäden infolge der russischen Energieabhängigkeit hat man in Deutschland und der EU nichts. Die russische Abhängigkeit wurde lediglich durch eine US-Abhängigkeit ersetzt.
Die Versorgung Deutschlands mit importiertem Rohöl basierte 2019 zu gut 30 Prozent auf Lieferungen aus Russland. Russland war in der Vergangenheit mit weitem Abstand der wichtigste Rohöllieferant für Deutschland. Beim Erdgas waren es gar ca. 50 Prozent Lieferungen aus Russland nach Deutschland.
Die USA rückten infolge der EU-Sanktionen im Ukraine-Krieg an die Spitze der Rohöllieferanten für Deutschland. Im Vergleich zu 2021 erhöhte sich der Import aus den USA um mehr als 38 Prozent auf 14,2 Mio. t.
Quelle: AGEB – InfoAusgabe 2/2024
Ähnliches gilt für Erdgas.
In der Energiekrise des Ukraine-Kriegs baute zwar der deutsche Wirtschaftsminister Habeck (Grüne) gemeinsam mit Kanzler Scholz die Solarenergie deutlich aus und reduzierte gleichzeitig russische fossile Energielieferungen stark. Allerdings wurde gegen viel Kritik – auch aus den eigenen grünen Reihen – u. a. mit dem Bau neuer LNG-Terminals der Bezug von mehr LNG und Erdöl aus den USA stark ausgebaut. Die Abhängigkeit Deutschlands von russischen fossilen Energielieferungen wandelte sich also in eine amerikanische.
Nun das gleiche Bild wie im Ukrainekrieg: die US-Abhängigkeit von Energielieferungen stürzt Deutschland in die nächste Energiekrise
Das EU-Sanktionspaket sorgte 2023 für einen Rückgang der russischen Öl- und Gaslieferungen. Ein Versorgungsengpass konnte damals abgewendet werden, weil unter anderem der inländische Mineralölverbrauch 2023 konjunkturbedingt um rund 5 Prozent auf 88,4 Millionen Tonnen (Mio. t) zurückging.
Dennoch war der volkswirtschaftliche Schaden durch hohe Erdgaspreise, die die Strompreise in die Höhe trieben, mit 150 Milliarden Euro sehr hoch. Wenn die Straße von Hormus nun länger gesperrt bleibt, kann der Schaden noch wesentlich höher ausfallen als 2023.
Tiefere Ursache für die Schäden: Der zu langsame Ausbau der heimischen Erneuerbaren Energien
Der volkswirtschaftliche Schaden von 150 Milliarden Euro in Deutschland wegen der hohen Erdgaspreise infolge des russischen Aggressionskriegs gegen die Ukraine hat seine tiefere Ursache im viel zu langsamen Ausbau der heimischen Erneuerbaren Energien. Genau wie die heutigen massiven Energiepreissteigerungen.
Wäre der vom EEG 2000 angestoßene exponentielle Ausbau der Erneuerbaren Energien über 2012 hinaus fortgeführt worden, so wäre dieser Schaden 2022/23 vermieden worden. Denn dann wäre schon 100 % Ökostromversorgung möglich gewesen. Sonnenstrahlen und Wind kann man bekanntlich nicht aus Russland beziehen. Die hohen Erdgaspreise in der Welt hätten dann die Strompreise in Deutschland nicht so stark nach oben befördert.
Die eigentliche Schadensursache liegt also im viel zu schwachen Ausbau der Erneuerbaren Energien im letzten Jahrzehnt unter Kanzlerin Merkel und zwar im Strom-, Heizungs-, Verkehrs- und Industriesektor gleichermaßen.
Kanzler Merz und Ministerin Reiche wiederholen diese massiven Fehler der Vergangenheit
Statt mit dieser klaren Erkenntnis den Ausbau der Erneuerbaren Energien mit gesetzlichen Änderungen zu beschleunigen, tut Ministerin Reiche das glatte Gegenteil. Mit den Entwürfen des Netzpakets, der EEG-Novelle und des Gebäudemodernisierungsgesetzes, liegen Vorschläge auf dem Tisch, die den Ausbau der Erneuerbaren Energien nicht beschleunigen werden, sondern im Gegenteil zu einem weitgehenden Erliegen bringen können.
Quelle:
Hans-Josef Fell – Ministerin Reiche will die Gewinne der fossilen Konzerne sichern
Hans-Josef Fell – EEG-Novelle und Grüngasquote: Die nächsten verfassungswidrigen Anti-Erneuerbaren-Hämmer aus Union und SPD
Hans-Josef Fell – Netzpaket von Ministerin Reiche ist Frontalangriff gegen den Ausbau der Erneuerbaren Energien
Die klare Erkenntnis, dass nur Erneuerbare Energien eine langfristig bezahlbare, sichere Energieversorgung ohne Energieabhängigkeiten und ohne Finanzierung der Kriege undemokratischer Herrscher schaffen können, ist für viele Menschen – wie für mich selbst seit der Ölkrise 1973 – bewusst. Nur bis in die Chefetagen der deutschen Regierung unter Kanzler Merz und Ministerin Reiche sowie ihrer Wirtschaftsberater hat diese klare Erkenntnis noch keinen Eingang gefunden.
Es steht also mit dem Gesetzespaket von Ministerin Reiche viel mehr auf dem Spiel als „nur“ der Klimaschutz: Am Ende gar die souveräne Wirtschaftsdominanz Deutschlands und der EU als ernstzunehmende Macht im geopolitischen Poker um die fossile und atomare Energiehoheit.
„Wirtschaftsweisen“ kennen keine Lösungen!
In der aktuellen Energiekrise, ausgelöst durch Trumps Krieg gegen den Iran, schlagen die „Wirtschaftsweisen“ der Bundesregierung allen Ernstes vor, die Gasbohrungen in Deutschland zu erhöhen und sogar das Erdgasfracking ins Auge zu fassen.
Wie bitte? Haben denn die Wirtschaftsweisen noch nie etwas davon gehört, dass man Erdgas- und Erdölheizungen durch Wärmepumpen und andere Erneuerbare Energien-Heizungen ersetzen kann? Dass der Erdöleinsatz im Verkehr und der Landwirtschaft durch E-Mobile und Pflanzenöltraktoren ersetzt werden kann? Dass Erdgaskraftwerke durch flexible Biokraftwerke, durch PV und Windkraft mit Batterien, flexible Wasserkraft und weitere Erneuerbare Energien ersetzt werden können?
Statt zu fordern, dass Ministerin Reiche alle geplanten Ausbaubremsen für Erneuerbare Energien in der Schublade verschwinden lässt, fordern sie nur den Ausbau heimischer Erdgasförderung – und das sogar mit dem klima- und gesundheitsschädlichsten Fracking!
Es ist unfassbar, dass diese „Wirtschaftsweisen“ Erdgaslösungen nur innerhalb des Erdgassystems selbst kennen und nicht den kompletten Ausstieg aus dem Erdgas mit Erneuerbaren Energien und Speichern.
Es tut mir leid, ich kann ein solches Gutachten nur noch so kommentieren: Erstellt von „Wirtschaftsidioten“ um Veronika Grimm. Ich halte mich normalerweise mit Polemiken zurück, aber wer sich so mit seiner eigenen Ignoranz entblößt, zeigt selbst das komplette Unwissen über die entscheidenden Lösungsstrategien. Es waren die vielen Gutachten der „Wirtschaftsweisen“ in den letzten Jahrzehnten, die Deutschland und die EU in die prekären Abhängigkeiten bei Erdöl und Erdgas von Russland, arabischen Ländern und nun den USA gebracht haben. Dass sie daraus nicht lernen, spricht wirklich nicht für deren Sachverstand.
Sogar EU-Rechnungshof kritisiert fehlenden Bürgerenergieausbau in der EU
Dabei hatte die EU-Gesetzgebung 2018 den Ausbau der Bürgerenergien als Ziel gesetzt. Doch die Blockaden gegen Energy Sharing und eigene Versorgung in Deutschland und vielen anderen EU-Ländern haben dazu geführt, dass in der EU nicht viel passiert ist.
Der EU-Rechnungshof hat gerade in einer Stellungnahme stark kritisiert, dass die Bürgerenergien in der EU entgegen den politischen Vorgaben kaum ausgebaut wurden – und das genau dort, wo sie die wichtigste Möglichkeit bieten, Energieabhängigkeiten von fossilen Lieferländern wie Russland und den USA abzulösen.
Energiegemeinschaften werden von den Mitgliedsstaaten offensichtlich ausgebremst; vor allem fehlen klare Vorgaben der Regierungen und der EU-Kommission für den Bürgerenergieausbau.
Quelle: DGS – Ausgebremste Energiegemeinschaften
Stärken wir die Proteste gegen die Vorschläge Reiches und bauen wir unsere Erneuerbare Energien-Selbstversorgung schnell aus
Lassen wir diese jahrzehntelange verfehlte Energiepolitik nicht weiter zu, sondern schärfen wir unseren Protest gegen die verheerenden Gesetzesvorschläge der Koalition aus CDU/CSU/SPD.
Alle bisher bekannt gewordenen Vorschläge von Ministerin Reiche müssen in der Schublade verschwinden und komplett neu aufgelegt werden – mit dem Ziel der massiven Beschleunigung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien.
Auch jede*r Einzelne kann selbst und in Gemeinschaften die eigene Energieversorgung auf 100 % Erneuerbare Energien umbauen.
Wer es jetzt nicht versteht, dass Erdöl- und Erdgasheizungen, Autos mit Benzin und Diesel und ein Strombezug von Konzernen, die immer noch auf neue Erdgaskraftwerke setzen, nur immer wieder mit den zunehmenden geopolitischen Krisen und Kriegen den eigenen Geldbeutel massiv belasten, dem ist wohl nicht mehr zu helfen.
Wir alle anderen aber können und sollten mitziehen und unseren eigenen privaten Energiebezug von fossilen und atomaren Energiequellen endlich komplett beenden: mit eigenen oder gemeinschaftlichen Solardächern, Bürgerwindparks, Wärmepumpen, Fahrrädern, E-Mobilen und vielem mehr.
Hören wir endlich auf, die Gewinne der Erdöl- und Erdgaskonzerne immer weiter nach oben zu treiben, und beenden wir den Einkauf von Erdöl, Erdgas und Strom aus Kohle und Atom.
Jede*r, der noch Erdöl-, Erdgas-, Kohle- oder Atomstrom bezieht, sollte seine Wut über die milliardenschweren Gewinne der Energiekonzerne damit besänftigen, dass er in seinem Umfeld auf 100 % Erneuerbare Energien umstellt.
Wer nicht weiß, wie das geht, kann sich bei vielen Beratungsstellen umschauen oder auf große Veranstaltungen mit Gleichgesinnten kommen.
Die nächstbeste Gelegenheit dazu ist die 33. Jahrestagung der Bayerischen Solarinitiativen (ABSI). Wer kurzfristig noch planen kann, ist für Freitag und Samstag dieser Woche (20./21. März) nach Neuötting in Niederbayern eingeladen. Dort gibt es ein umfangreiches Programm, Aussteller und den Austausch mit Hunderten von Teilnehmern über die großen Möglichkeiten der eigenen unabhängigen Energieversorgung auf Basis von Bürgerenergien.
Hier kann man sich anmelden: Bayerische Solarinitiativen – ABSI Jahrestagung
Quelle
Hans-Josef Fell 2026 | Präsident der Energy Watch Group (EWG) und Autor des EEG







