‹ Zurück zur Übersicht
Fotolia.com | _arttim

© Fotolia.com | arttim

Die Ressource Wasser wird knapp

Weltweiter Wasserbedarf wird bis 2050 voraussichtlich um jährlich 20 bis 30 Prozent ansteigen. Ein Kommentar von Alina Donets.

Alina Donets (Quelle: LOIM).

Die Natur ist heute eines der wichtigsten und produktivsten Güter unserer Wirtschaft. Jahrzehnte des überbordenden menschlichen Konsums und das Leben in einer Wegwerfgesellschaft erschöpfen allerdings die weltweiten Ressourcen auf rapide Weise. Wenn jetzt keine Maßnahmen ergriffen werden, sind wir bald an einem Punkt angelangt, an dem der Schaden nicht mehr wiedergutzumachen ist.

Wasserlösungen sind im Kampf gegen eine exzessive, ineffiziente und unverantwortliche Wassernutzung und zur Sanierung beeinträchtigter aquatischer Ökosysteme, die das Fundament unserer wirtschaftlichen Aktivität bilden, von entscheidender Bedeutung. Es existieren bereits kommerzielle Lösungen für eine Verbesserung der Wassereffizienz, der Wasserqualität und zum Schutz der Gewässer, um eine Knappheit in bestimmten Regionen zu vermeiden.

Eine Strategie kann sein, eine Lücke im Anlageuniversum zu schließen, um so die produktive und regenerative Kraft der Natur zu nutzen und zu erhalten.

Eine durstige Welt

Das Bevölkerungswachstum und die wirtschaftliche Entwicklung der Menschheit zeichnen sich durch eine nicht nachhaltige Nutzung und die Verschmutzung von Wasser aus. Wir haben diese lebensnotwendige Ressource bis an ihre Grenzen strapaziert.

Der Mensch ist jeden Tag auf Wasser angewiesen. Weltweit ist die Nutzung von Wasser in den vergangenen 100 Jahren um ein Sechsfaches1 gestiegen, und sie nimmt jedes Jahr stetig um rund 1 %2 zu. Verantwortlich hierfür sind:

  • Bevölkerungsanstieg
  • Zunehmender Wohlstand und damit höherer Konsum
  • Industrialisierung
  • Landwirtschaftliche Bewässerung
  • Urbanisierung und daraus resultierende höhere Wasserintensität

Der weltweite Wasserbedarf wird derzeit auf etwa 4.600 km³ pro Jahr geschätzt und dürfte bis 2050 um jährlich 20 % bis 30 % auf 5.500 km³ bis 6.000 km3 ansteigen³.

pixabay.com | drfuenteshernandez
© pixabay.com | drfuenteshernandez

Die Weltbevölkerung wird voraussichtlich von 7,7 Milliarden im Jahr 2017 auf 9,4 bis 10,2 Milliarden im Jahr 2050 ansteigen. Davon werden zwei Drittel in Städten leben. Im gleichen Zeitraum dürfte das weltweite BIP um das 2,5-fache steigen4. In einem noch kürzeren Zeitraum werden die Aktivitäten in der Landwirtschaft und Energieproduktion, beides wasserintensive Bereiche, bis 2025 wahrscheinlich um etwa 60 % bzw. 80 % zulegen5, wodurch der Bedarf weiter zunimmt.

Die derzeitige Wassernutzungsrate muss der maximalen nachhaltigen Entnahmemenge gegenübergestellt werden. Mit rund 4.600 km³ pro Jahr wurde diese bereits fast erreicht.6 Ohne innovative Lösungen geht uns also das Wasser aus.

Eine überschrittene planetare Belastbarkeitsgrenze

Aquatische Ökosysteme, d. h. Seen, Flüsse, Ozeane und Feuchtgebiete, bieten Lebensräume für eine große Vielfalt an Organismen. So nehmen Binnengewässer nur 1 % der Erdoberfläche ein, sind aber Lebensraum für mehr als 10 % der auf unserem Planeten lebenden Arten. Leider ist die dortige Artenvielfalt seit 1970 um 84 % zurückgegangen7, was vor allem das Resultat einer übermäßigen Wasserentnahme und Wasserverschmutzung ist.

Aufgrund von Urbanisierung, Kunststoffabfällen, unsachgemäßem Einsatz von Chemikalien in der Landwirtschaft und der durch menschliche Aktivitäten oder den Klimawandel verursachten thermischen Verschmutzung sind die Meeresökosysteme ebenso geschädigt worden8. Die Süßwassernutzung ist eine der neun wissenschaftlich erwiesenen planetaren Belastbarkeitsgrenzen, die eine sichere und stabile globale Umwelt für das Leben ausmachen. Diese Grenze ist bereits in einigen Regionen weltweit überschritten worden.

Qualität gibt den Ausschlag

Angesichts des zunehmenden Wasserbedarfs und der begrenzten Ressourcen sind eine effiziente Nutzung und Verteilung sowie ein Management der Wasserqualität absolut vorrangig. Die Verschlechterung der Wasserqualität korreliert größtenteils mit der Bevölkerungsdichte und dem Wirtschaftswachstum. Seit den 1990er-Jahren hat die Wasserverschmutzung in fast allen Flüssen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas zugenommen9. In den kommenden Jahrzehnten dürfte die Wasserqualität weiter abnehmen und somit die aquatischen Ökosysteme, die von ihnen unterstützte Wirtschaftsaktivität und die Gesundheit der Menschen beeinträchtigen.

Schätzungsweise 80 % aller industriellen und kommunalen Abwässer werden ohne Behandlung wieder in die Umwelt eingeleitet, mit verheerenden Auswirkungen für Ökosysteme und die menschliche Gesundheit.10 Die Beeinträchtigung von Gewässern durch Düngemittel und Chemikalien, vor allem aus Landwirtschaft, Arzneimitteln und Körperpflegeprodukten, ist die größte Herausforderung in Bezug auf die Wasserqualität und geht in einigen Regionen häufig mit der Belastung durch Krankheitserreger einher.11

Abgesehen von einem hohen Wasserverbrauch und der abnehmenden Wasserqualität wirken sich die Landnutzung sowie die geänderte Landnutzung durch die Menschen erheblich auf die Hydrologie sowohl auf lokaler als auch auf regionaler und globaler Ebene aus. Überweidung, Bodendegradation und Oberflächenverdichtung haben erhöhte Abfluss- und Verdunstungsraten und weniger gespeicherte Wassermengen in den Böden zur Folge. Dies hat nachteilige Auswirkungen auf die Wasserversorgungsleistungen von Grasland, etwa in Bezug auf die Verbesserung der Wasserqualität12 und die Minderung von Überschwemmungs- und Dürrerisiken.13

Starker Bedarf an Wasserlösungen
Depositphotos | eevl
© Depositphotos | eevl

Unsere Zukunft muss nicht von Wassermangel, Verschmutzung und der Degradierung von aquatischen Ökosystemen geprägt sein. Kommerzielle Lösungen für diese Probleme gibt es bereits, und sie werden stark nachgefragt.

Weltweit beträgt der Investitionsbedarf in die Wasserinfrastruktur über ca. 20 Jahre USD 11,7 Bio., um den Anforderungen an die Wasserversorgung und -entsorgung14 gerecht zu werden. Dieser Investitionsbedarf beschränkt sich nicht nur auf Rohre, Pumpen und Kläranlagen: Mittlerweile werden auch zunehmend die Vorteile natürlicher Systeme bei der Verlangsamung des Regenwasserflusses, der Wasserspeicherung und der Abflussreinigung erkannt. Zu diesen umweltfreundlichen Lösungen, mit denen die herkömmliche Infrastruktur ergänzt werden soll, zählen Feuchtgebiete, Regenwassernutzung, begrünte Dächer und Versickerungsgräben an Straßen. Bei Letzteren handelt es sich um begrünte Rinnen zur Minderung von Überflutungsrisiken durch Regenwasser.

Die ökologische und wirtschaftliche Notwendigkeit einer nachhaltigen Wassernutzung und ihre Rolle in der Bio-Kreislaufwirtschaft machen Wasserlösungen zu einer strategischen Herausforderung, bei der sich drei Schwerpunkte abzeichnen:

  • Effizienz. Heutzutage entfallen 70 % des weltweiten Wasserverbrauchs auf die Landwirtschaft, 20% auf die Industrie und 10 % auf die Haushalte. Angesichts des zunehmenden Bedarfs in allen drei Bereichen ist eine geringere Wasserintensität in der Industrie, der Landwirtschaft und bei den Aktivitäten der Menschen ausschlaggebend.
  • Qualität. Bevor es in die Kläranlagen gelangt, sollte verunreinigtes Wasser bereits an der Quelle der Verschmutzung – zum Beispiel in Produktionsanlagen – behandelt werden. Vorbeugen ist allerdings besser als heilen: Der Einsatz von weniger oder gar keinen Chemikalien, etwa bei der Düngung in der Landwirtschaft, und die weitestgehende Beseitigung von Plastik in der Wirtschaft würden die Wasserqualität deutlich verbessern.
  • Schutz. Der Schutz von Wassereinzugsgebieten und anderen Bereichen, die für gesunde Wasserwege von entscheidender Bedeutung sind, stellt sicher, dass die aquatischen Ökosysteme nicht von menschlichen Aktivitäten beeinträchtigt werden. Sollten diese bereits Schaden genommen haben, ist die Wiederherstellung ihrer Unversehrtheit unabdingbar.

Die Bio-Kreislaufwirtschaft umfasst Unternehmen, die Wasserlösungen entwickeln oder anbieten und deren Produkte und Dienstleistungen den Anforderungen an Effizienz, Qualität und Schutz entsprechen. Unternehmen, die auf Dienstleistungen wie intelligente Bewässerungssysteme, nachhaltiges Regenwassermanagement und die Wiederherstellung von Ökosystemen spezialisiert sind, werden eine starke Nachfrage verzeichnen und attraktive Anlagemöglichkeiten bieten.


Quellen

  • [1] „Modeling global water use for the 21st century“ von Wada et al. Veröffentlicht 2016 in Geoscientific Model Development.
  • [2] AQUASTAT.
  • [3] Reassessing the projections of the World Water Development Report | npj Clean Water (nature.com)
  • [4] OECD.
  • [5] „World agriculture towards 2030/2050“ von Alexandratos, N. und Bruinsma, J. Veröffentlicht 2012 durch die Food and Agricultural Organisation; und durch die OECD (2012).
  • [6] „Peak water limits to freshwater withdrawal and use“ von Gleick, P. und Palaniappan, M. Veröffentlicht 2010 in Proceedings of the National Academy of Sciences; und „A global assessment of the water footprint of farm animal products“ von Hoekstra, A. und Mekonnen, M. Veröffentlicht 2012 in Ecosystems.
  • [7] „Freshwater biodiversity“, veröffentlicht durch den WWF. Abgerufen im April 2022.).
  • [8] „Aquatic ecosystem and biodiversity: a review“ von Irfan, S. und Alatawi, A. Veröffentlicht 2019 im Open Journal of Ecology.
  • [9] „A snapshot of the world’s water quality: towards a global assessment“, veröffentlicht 2016 durch das United Nations Environment Programme.
  • [10] „Wastewater: the untapped resource“, veröffentlicht 2017 durch das UNESCO World Water Assessment Programme.
  • [11] „A snapshot of the world’s water quality: towards a global assessment“, veröffentlicht 2016 durch das United Nations Environment Programme.
  • [12] „Identification of rural land management signals in runoff response“ von McIntyre, N. und Marshall, M. Veröffentlicht in Hydrological Processes, Vol. 24 Ausgabe 24, 2010.
  • [13] „The impact of upland land management on flooding: insights from a multiscale experimental and modelling programme“ von Jackson et al. Veröffentlicht 2008 im Journal of Flood Risk Management.
  • [14] „Charting our water future“, veröffentlicht 2009 durch die 2030 Water Resources Group.

Quelle

TE Communications GmbH 2022 | Kommentar von Alina Donets, Portfolio Manager bei Lombard Odier Investment Managers

Diese Meldung teilen

‹ Zurück zur Übersicht

Das könnte Sie auch interessieren