‹ Zurück zur Übersicht
pixabay.com | geralt

© pixabay.com | geralt | symbolbild

Attributionsstudie: Klimawandel machte Hitzewelle tödlicher

Zwei Drittel der hitzebedingten Todesfälle in der jüngsten Hitzewelle in Europa sind auf den Klimawandel zurückzuführen. Das ergibt eine soeben veröffentlichte Studie der Forschungsgruppe World Weather Attribution WWA zu den Auswirkungen in zwölf Städten des Kontinents.

Kaum ist Ende Juni, Anfang Juli die erste Hitzewelle über Europa hinweggegangen, schielen einige Medien schon auf den nächsten „Hitzedom“. Der soll noch heißer werden mit Temperaturen jenseits der 40 Grad, lauten die reißerischen Schlagzeilen. Mit Wetterextremen werden neuerdings jede Menge Klicks gemacht.

Dass die Extreme eine Folge des selbstgemachten Klimawandels sind, interessiert schon weniger. Interessant wird sein zu sehen, ob dieselben Medien genauso intensiv über die am heutigen Mittwoch veröffentlichte Studie der Forschungsgruppe World Weather Attribution (WWA) berichten. Diese versucht zu klären, welchen Anteil der Klimawandel an der jüngsten Hitzewelle hat und damit an den hitzebedingten Todesfällen.

Laut WWA ist es die erste derartige Studie, in der die Zahl klimawandelbedingter Todesfälle infolge einer Hitzewelle geschätzt wird. Die Ergebnisse zeigten, warum gerade die Änderungen bei der Temperatur so gefährlich seien und warum es so wichtig sei, den Klimawandel ernster zu nehmen, betont Mitautorin Friederike Otto vom Imperial College London.

Ausgeführt wurde die kurzfristige Analyse von einem Forschungsteam des Imperial College, der London School of Hygiene & Tropical Medicine, des niederländischen Wetterdienstes KNMI sowie der Universitäten Bern und Kopenhagen.

Seine Aufmerksamkeit richtete das Team dabei auf zwölf europäische Städte mit zusammen 30 Millionen Bewohner:innen. Anhand von Sterberaten aus den letzten 20 Jahren sowie Modellrechnungen wurde die Zahl hitzebedingter Todesfälle geschätzt. Vergleichsmaßstab war ein um zwei bis vier Grad kühleres Ereignis über einen Zeitraum von zehn Tagen.

Auch wenn die Arbeit noch nicht den Peer-Review-Prozess durchlaufen habe, sei das Vorgehen in zehn Jahren WWA-Forschung erprobt, betonen die Studienautor:innen. Es sei derzeit auch die nahezu einzige Möglichkeit, um die gravierenden Auswirkungen des Klimawandels auf die Menschen zu erfassen.

Erderwärmung verdreifachte Zahl der Hitzeopfer

Die meisten hitzebedingten Todesfälle würden bisher staatlicherseits gar nicht erfasst, kritisieren die Forscher:innen. Auch ließen offizielle Schätzungen durch Regierungen oft Monate auf sich warten oder würden erst gar nicht veröffentlicht.

Die Zahl der Hitzetoten in der jüngsten Welle gibt die WWA-Studie für die untersuchten zwölf Städte mit insgesamt 2.300 an. Davon seien 1.500 Todesfälle, also etwa zwei Drittel, auf den zusätzlichen, vom Klimawandel ausgelösten Effekt zurückzuführen.

Die Zahl der hitzebedingten Todesopfer hat sich damit durch die Klimaerwärmung verdreifacht, rechnen die Forscher die Verhältnisse nochmal anders aus.

Da sich die Untersuchung auf zwölf Städte konzentrierte, bildet sie nur einen Ausschnitt ab, wird auch in der Studie selbst betont. Die Zahl der tatsächlichen Todesopfer der jüngsten Welle könne insofern in die Zehntausende gehen.

So seien in Spanien, Frankreich und Italien nur wenige Todesfälle gemeldet worden, es dürften aber Tausende Menschen an den Folgen der glühenden Temperaturen gestorben sein, ohne dass ihr Tod als hitzebedingt registriert wurde, konstatiert Mitautor Malcolm Mistry von der London School of Hygiene & Tropical Medicine.

Städte in Europa unterschiedlich betroffen

Am stärksten betroffen von den Hitzefolgen sind Menschen ab 65 Jahren, ergibt auch die WWA-Studie. Auf sie entfielen fast 90 Prozent der zusätzlichen Todesfälle. Bei Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen wie Herzkrankheiten, Diabetes und Atemwegserkrankungen könnten dabei schon relativ geringe Steigerungen eines ohnehin hohen Temperaturniveaus eine enorme Zahl von Todesfällen auslösen.

Die Einwohner der zwölf Städte sind laut der Analyse durchaus unterschiedlich von der Hitze betroffen. Während sich in Paris, London und Mailand die Zahl der zusätzlichen Hitzetoten im Durchschnitt bewege, seien die Auswirkungen in Madrid, Barcelona und Sassari auf Sardinien stärker sowie in Athen, Rom, Zagreb und Budapest weniger stark.

Eine Ausnahme bildet Lissabon. In Portugals Hauptstadt am Atlantik treten nach den Angaben starke Hitzewellen deutlich weniger auf als in anderen Städten Europas.

Der Klimawandel führte zu einem enormen Anstieg der erwarteten hitzebedingten Todesfälle in zwölf großen europäischen Städten. Todesfälle während der zehntägigen Hitzewelle, die auf den Klimawandel zurückzuführen sind, erscheinen dunkelblau, andere Todesfälle hellblau. (Bild: Grantham Institute, Imperial College London)

Hier können Sie den Bericht weiterlesen >>

Quelle

Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Jörg Staude) 2025 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

Diese Meldung teilen

‹ Zurück zur Übersicht

Das könnte Sie auch interessieren