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pixabay.com | silviarita

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Woher kommt die Motivation für Klimaschutz?

Was motiviert Menschen klimafreundlich zu handeln? Und wann empfinden sie Klimaschutz als sozial gerecht?

Das Öko-Institut hat erforscht, welche Faktoren zu mehr Unterstützung von Klimaschutz beitragen – und ein Online-Tool erarbeitet, das zum Beispiel Kommunen helfen soll, Klimaschutzmaßnahmen so auszugestalten und zu kommunizieren, dass sie gesellschaftlich unterstützt werden.

Klimaschutz kann nur gelingen, wenn er gesellschaftlich unterstützt wird. Erfreulicherweise zeigen auch aktuelle Umfragen: Klimaschutz ist einer klaren Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland weiterhin wichtig. Das ist ein wichtiger Befund, an den wir uns und die Politik immer wieder erinnern sollten.

Wir müssen aber auch ehrlich anerkennen, dass andere Themen aktuell eine größere Priorität haben, nicht nur in der Politik, sondern auch in der Gesellschaft. Zudem zeigt das jüngste „Polarisierungsbarometer“, dass Klimaschutz derzeit eins der Themen mit der stärksten inhaltlichen Polarisierung in Deutschland ist (Gehen die politischen Maßnahmen Ihres Erachtens nicht weit genug oder schon viel zu weit?) – und auch eins mit der stärksten affektiven Polarisierung (Wie denken Sie über Menschen mit abweichender Meinung?).

Und schließlich hält eine leichte Mehrheit der Bevölkerung die aktuelle Klimapolitik sowohl für „wirkungslos“ als auch für „ungerecht“. Dies ist auch deswegen problematisch, weil die Bewertung von Wirksamkeit und Gerechtigkeit laut einer internationalen Meta-Studie besonders stark auf die Akzeptanz klimapolitischer Maßnahmen wirkt. Was motiviert Menschen klimafreundlich zu handeln? Was beeinflusst ihr Urteil über soziale Gerechtigkeit politischer Klimaschutzmaßnahmen?

Vor diesem Hintergrund haben wir uns am Öko-Institut im Rahmen eines spendenfinanzierten Projekts damit beschäftigt, welche Faktoren zur gesellschaftlichen Unterstützung von Klimaschutz beitragen – mit besonderem Fokus auf zwei Fragen: Was motiviert Menschen klimafreundlich zu handeln? Und was beeinflusst ihr Urteil über soziale Gerechtigkeit politischer Klimaschutzmaßnahmen?

Dazu haben wir zum einen den Forschungsstand ausgewertet und zum anderen Fokusgruppen zu energetischer Gebäudesanierung und zu Elektromobilität durchgeführt (Mai/Juni 2025). Fokusgruppen bieten zwar keine repräsentativen Daten wie bei großen Umfragen, je Gruppe sind nur sechs bis acht Teilnehmende dabei. Mit ihren Diskussionsrunden, die etwa zwei Stunden dauern, erlauben sie aber tiefere Einblicke in Sichtweisen und Argumentationsmuster.

Die zwei Gebäude-Fokusgruppen fanden mit selbstnutzenden Hauseigentümer*innen statt; die zwei Gruppen zu Elektromobilität fanden mit Pkw-Besitzenden aus dem ländlichen Raum statt – wobei jeweils eine Gruppe ein überdurchschnittliches Einkommen und die andere Gruppe ein unterdurchschnittliches Einkommen hatte. Die parteipolitischen Präferenzen der von einem Marktforschungsinstitut rekrutierten Teilnehmenden umfassten das gesamte politische Spektrum von Linkspartei und Grünen bis AfD. Aufbauend auf den Projektergebnissen haben wir ein Online-Tool zur Prüfung und Verbesserung klimapolitischer Maßnahmenvorschläge entwickelt, das am Ende des Beitrags vorgestellt wird.

Motivationsfaktor: Erfahrungen im persönlichen Umfeld

Selbst in dem kleinen Rahmen der Fokusgruppen zeigt sich, welche Vielfalt an Motivationsfaktoren und Hemmnissen beim Klimaschutz besteht. So finden Überlegungen zur möglichen Sanierung des eigenen Wohnhauses oder zum Kauf eines Elektroautos in einem Spannungsfeld statt: einem Abwägen unter anderem zwischen individuellen Bedürfnissen, dem wahrgenommenem Nutzen, den finanziellen Möglichkeiten, technischen Unsicherheiten, und der Bewertung des aktuellen und erwarteten politischen Rahmens.

Erfreulich ist: Bei vielen Teilnehmenden der Fokusgruppen besteht ein grundsätzliches Interesse an klimafreundlichen Lösungen und eine Offenheit für Investitionen, sofern diese als finanziell machbar und lohnenswert erscheinen. Dabei spielen bei der Gebäudesanierung Einschätzungen von persönlich bekannten Handwerker*innen sowie Erfahrungen im persönlichen Umfeld eine zentrale Rolle.

In einer der Fokusgruppen zeigte sich auch, wie die begeisterte Erzählung einer Teilnehmerin (einer politisch eher konservativ eingestellten Rentnerin) über ihre neue Photovoltaik-Anlage und Wärmepumpe sowie deren digitalen Ablese- und Steuerungsfunktionen andere Teilnehmende „ansteckte“ und motivierte. „Klimaschutz sollte nicht nur eine Pflichtaufgabe sein, sondern auch Spaß machen“, schlussfolgert mein Kollege Jonathan Schreiber in einem Podcast zu Ergebnissen des Projekts. Die Fokusgruppen und andere Studien zeigen zudem: Auch das Bedürfnis nach Unabhängigkeit und Selbstwirksamkeit kann ein zentraler Antrieb für Investitionen in Solaranlagen, Wärmepumpen und E-Autos sein. Die Forschung zeigt: Klimaschutzmaßnahmen müssen effizient und gerecht sein, damit sie angenommen werden. Auch das Bedürfnis nach Unabhängigkeit und Selbstwirksamkeit kann ein zentraler Antrieb für private Investitionen in Solaranlagen, Wärmepumpen und E-Autos sein.

Bei den ebenfalls zahlreich genannten Hemmnissen sticht – neben den hohen Anfangsinvestitionen und der Skepsis bezüglich der Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen – die Kritik an sich ständig ändernden politischen Rahmenbedingungen und bürokratischer Ausgestaltung von Förderprogrammen heraus. In den Fokusgruppen zur Elektromobilität wurde zudem ein erheblicher Informationsbedarf zu Brandrisiken, Reichweite, Lebensdauer und der Umweltbilanz von E-Autos im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor deutlich.

Politischer Maßnahmenmix: motivierend und sozial gerecht?!

Wir wissen aus der Forschung: Die intrinsische Motivation beeinflusst Verhalten stärker und langfristiger, als extrinsische Anreize. Dennoch sind „externe“ politische Rahmenbedingungen wichtig, um klimafreundliche Strukturen zu schaffen und Hemmnisse zu reduzieren. Dies gilt auch und gerade für sogenannte „Push-Maßnahmen“, also Preisinstrumente und ordnungsrechtliche Vorgaben: Diese stoßen zwar in der Regel auf geringere Zustimmungsraten als „Pull-Maßnahmen“ wie Informationen und finanzielle Förderungen, vor allem wenn Bürger*innen vom „Push“ direkt betroffen sind. 

Doch lässt sich die Akzeptanz von Push-Maßnahmen durch eine gerechte Lastenverteilung und die Kombination mit Pull-Maßnahmen durchaus verbessern. Mit anderen Worten: Auch dort, wo Bürger:innen etwas „zugemutet“ und abverlangt wird, lässt sich der Rückhalt solcher Maßnahmen gezielt steigern.

Während in den zwei Fokusgruppen zu Gebäudesanierung der diesbeüglich bestehende Policy-Mix tendenziell positiv oder zumindest neutral bewertet wurde, wurde der Policy-Mix zu Elektromobilität überwiegend kritisch gesehen – vor allem mit Blick auf den ländlichen Raum. Staatliche finanzielle Anreize für Gebäudesanierung und E-Auto-Kauf wurden in den Fokusgruppen grundsätzlich begrüßt.

Allerdings kritisierten viele die häufigen Änderungen in den Förderbedingungen und den bürokratischen Aufwand. Eine einkommensabhängige Staffelung der Förderung, wie seit 2024 beim Heizungstausch der Fall, wurde von den meisten Fokusgruppen-Teilnehmenden begrüßt, auch aus einkommensstärkeren Haushalten. Dies passt zu vielen Umfragen, wonach eine gezielte Förderung beziehungsweise Entlastung einkommensschwacher Haushalte meist als gerechter empfunden wird als eine gleichmäßige Verteilung (s. der Studienüberblick in unserem Policy Brief, S. 6). Nur solche Teilnehmende unserer Fokusgruppen, die dem Klimaschutz und speziell der Elektromobilität generell kritisch gegenüberstehen, lehnten (auch) eine einkommensabhängige Förderung ab.

Insgesamt zeigen unsere Ergebnisse: Persönliche Motivation sowie Akzeptanz politischer Maßnahmen entstehen dort, wo Klimapolitik als machbar, verständlich und sozial gerecht wahrgenommen wird. Dafür müssen politische Rahmenbedingungen und Förderprogramme langfristig stabil, transparent und weniger bürokratisch als bisher ausgestaltet sein, um Investitionsentscheidungen nicht durch Unsicherheit und Komplexität zu blockieren.

Das neue Online-Tool unterstützt Planer*innen von Klimaschutzmaßnahmen.

Um eine finanzielle Überforderung von Haushalten zu vermeiden, sollten Fördermaßnahmen außerdem stärker sozial gestaffelt und auf Haushalte mit geringem Einkommen (und Vermögen) ausgerichtet werden. Dadurch können vulnerable Gruppen nicht nur besser geschützt werden, sondern auch von langfristigen Kosteneinsparungen durch klimafreundliche Technologien profitieren und am Klimaschutz teilhaben. In der Kommunikation liegen wirksame Hebel in einfach verständlichen Informationen, unabhängiger und idealerweise kostenfreier Beratung durch vertrauenswürdige Akteure sowie dem Aufzeigen von Erfolgsbeispielen aus der Praxis.

Quelle

Öko-Institut e.V. 2026

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