Österreichs größter Gletscher hängt am seidenen Faden
Die Pasterze, Österreichs größter Gletscher am Großglockner, steht nach Einschätzung von Expertinnen und Experten kurz vor einem entscheidenden Wendepunkt.
Laut Gletschermessdienst des Alpenvereins, dem Nationalpark Hohe Tauern und GeoSphere Austria könnte die letzte verbliebene Eisverbindung der Gletscherzunge in den kommenden Monaten oder spätestens in den nächsten ein bis zwei Jahren vollständig abreißen.
Aktuell verbindet nur noch ein schmales Eisband die rund 3,9 Kilometer lange Gletscherzunge mit dem höher gelegenen Nährgebiet am Pasterzenboden. Durch anhaltend hohe Temperaturen und den massiven Eisverlust wird diese Verbindung zunehmend instabil.
Rascher Rückgang seit Jahrzehnten
Die Pasterze verliert seit Jahrzehnten kontinuierlich an Masse. Seit 1980 beträgt der durchschnittliche Verlust rund ein Meter Wasseräquivalent pro Jahr, in den vergangenen zehn Jahren sogar rund 1,2 Meter jährlich. Allein zwischen 2024 und 2025 sank die Gletscherzunge um 7,3 Meter ab, während rund 12,4 Millionen Kubikmeter Eis verloren gingen.
Auch die verbliebene Eisverbindung im sogenannten Hufeisenbruch schrumpft rapide: Während sie 2020 noch rund 230 Meter breit war, wurden im August 2025 nur noch etwa 120 Meter gemessen.
„Letzte Eisverbindung“ vor dem Ende
Wissenschaftler gehen davon aus, dass der vollständige Abriss der Gletscherzunge erstmals seit rund 5.000 Jahren eine eisfreie Felszone im Bereich des Hufeisenbruchs hinterlassen könnte. Damit würde die Pasterze endgültig vom restlichen Gletscher getrennt und würde sich nicht mehr regenerieren können.
Die Gletscherzunge selbst gilt bereits heute als sogenannter „Toteiskörper“: Die Bewegung des Eises ist nahezu zum Stillstand gekommen, der Eisnachschub aus dem oberen Bereich reicht nicht mehr aus.
Vom größten Gletscher zum Symbol des Wandels
Mit dem möglichen Verlust der Pasterze als zusammenhängender Gletscher würde auch ihre Rolle als Österreichs größter Gletscher an den Gepatschferner in den Ötztaler Alpen übergehen. Doch auch dieser ist stark vom allgemeinen Gletscherrückgang betroffen.
Die Veränderungen rund um die Pasterze werden von Fachleuten als deutliches Zeichen der Klimakrise gewertet. Der Alpenverein spricht von einem „dringenden Weckruf“ und betont die weitreichenden Folgen für Wasserhaushalt, Biodiversität und alpine Sicherheit.
Wandel der Landschaft im Nationalpark
Trotz des dramatischen Rückgangs bleibt das Gebiet rund um die Pasterze ein zentraler Teil des Nationalparks Hohe Tauern. Während sich das Eis zurückzieht, entstehen neue Seen und Lebensräume, Pionierpflanzen besiedeln freigelegte Flächen, und erste junge Wälder entwickeln sich.
Die Nationalparkverwaltung sieht darin eine natürliche, wenn auch tiefgreifende Umgestaltung der Landschaft. Gleichzeitig wächst die Verantwortung, das Gebiet als Schutzraum zu erhalten und für nachhaltige Naturerlebnisse zugänglich zu machen.
Symbol für den Klimawandel
Für den Alpenverein ist die Entwicklung der Pasterze eng mit der globalen Klimakrise verbunden. Der rasante Rückzug des Gletschers sei nicht nur ein lokales Naturereignis, sondern ein sichtbares Zeichen tiefgreifender Veränderungen in den Alpen.
Der drohende Verlust der Pasterze gilt damit als Symbol für einen Umbruch, der weit über Österreich hinausreicht – und als Mahnung, den Klimaschutz weiter zu verstärken.
- Video: Zeitraffer Pasterze/Hufeisenbruch 2016-2024(Blick vom Kleinen Burgstall zum Hufeisenbruch). Quelle: GeoSphere Austria
- Video: Zeitraffer Pasterze/Gletscherzunge 2016-2024(Blick vom Kleinen Burgstall auf die Gletscherzunge








