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Depositphotos.com | alphaspirit | Luftverschmutzung

© Depositphotos.com | alphaspirit | Luftschadstoffe kennen keine Grenzen. Sie zu reduzieren, ist auch eine internationale Aufgabe.

Luftschadstoff-Emissionen in Deutschland auf Rekordtief

Die Emissionen von Luftschadstoffen in Deutschland sinken seit Jahrzehnten.

Bei Schwefelverbindungen (SO2) war 2020 sogar ein Rückgang von knapp 96 Prozent gegenüber 1990 zu verzeichnen, bei den Stickstoffoxiden 66 und beim Feinstaub 60 Prozent. Deutschland kann damit seine Ziele unter der europäischen Luftschadstoff-Verordnung erstmalig umfassend einhalten.

Auch die meisten Schwermetalle und persistenten organischen Schadstoffe gelangen deutlich weniger in die ⁠Atmosphäre⁠. Selbst der Ammoniak, über Jahrzehnte das Sorgenkind der Luftreinhaltung in Deutschland, war in den letzten Jahren auf dem Rückzug: minus 25 Prozent. Trotz dieser Erfolge bleiben der Einsatz fossiler Brennstoffe in Kraftwerken, Industrie und Verkehr sowie die Landwirtschaft die entscheidenden Treiber der Luftschadstoffemissionen.

Das Umweltbundesamt veröffentlicht zum 15. Februar 2022 erstmals konsistente Emissionszeitreihen für den kompletten Zeitraum von 1990 bis 2020. Diese zeigen in der Gesamtschau ein überaus positives Bild. Für alle Schadstoffgruppen, von den „klassischen“ Schadstoffen (NO₂, SO₂, ⁠NMVOC⁠ und Ammoniak) über die Feinstäube und Schwermetalle bis zu den persistenten organischen Verbindungen lassen sich durchweg erfreuliche Abwärtstrends erkennen. Diese Emissionsminderungen haben positive Auswirkungen auf den Gesundheits-, Umwelt- und Naturschutz in Deutschland.

Neben den Trends der klassischen Luftschadstoffe sind auch die Emissionen schädlicher Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Quecksilber mit 93, 63 beziehungsweise 82 Prozent weniger als noch 1990 deutlich rückläufig. Diese Schadstoffe entstehen heute noch insbesondere aus der Kohleverbrennung (Quecksilber), dem Verkehr (Blei) sowie der Herstellung von Metallen (Blei, Cadmium). Die Trendverläufe für persistente organische Schadstoffe zeichnen ein ähnliches Bild, die Bandbreite reicht hier von minus 86 Prozent für ⁠Dioxine⁠ bis zu minus 43 Prozent bei den polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, welche beispielsweise durch unvollständige Verbrennung organischer Stoffe wie Holz oder Kohle entstehen.

Mit der Ausnahme von Ammoniak, meist aus der Landwirtschaft, und den NMVOC, welche vor allem aus der Verwendung lösemittelhaltiger Produkte resultieren, entsteht der überwiegende Anteil der anderen Schadstoffe durch den Einsatz und die Verbrennung fossiler Energieträger. So sind für NOx und SO2, aber auch Quecksilber die Emissionen von gas- und kohlebetriebenen Kraftwerken sehr relevant. Im Straßenverkehr werden die hohen NOx-Emissionen aus dem Einsatz von Benzin und Diesel noch durch die beachtlichen Feinstaubbeiträge des Reifen- und Bremsenabriebs ergänzt. Weitere Minderungen für diese Schadstoffe lassen sich nur mit dem Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen und dem Einstieg in die Verkehrswende erreichen.

Das Umweltbundesamt aktualisiert und ergänzt jedes Jahr seine Berechnungen zu den Emissionen von Luftschadstoffen. Hintergrund ist die Berichterstattung im Rahmen der Genfer Luftreinhaltekonvention, mit der 1979 das Problem der grenzüberschreitenden Luftverschmutzung international angegangen wurde. Nach über vierzig Jahren lässt sich nun ein positives Fazit ziehen: In Deutschland und vielen Nachbarländern liegen Emissionen und Gesundheitsbelastungen heute deutlich unter den Werten aus der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts.

Der Erfolg der Genfer Luftreinhaltekonvention bei der Verbesserung der Luftqualität hat eine ganze Reihe von Ursachen. Ein wichtiger Faktor war der Umbau des Wirtschaftssystems in Osteuropa nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“, der zu einem verbreiteten Brennstoffwechsel von schwefelhaltiger Braunkohle zu Steinkohle und Erdgas führte. Auch wurden viele Kraftwerke mit Abgasreinigungsanlagen ausgestattet und strengere Grenzwerte für die Emissionen von Industrieanlagen vorgegeben. Gleiches gilt auch für Deutschland.

Quelle

Umweltbundesamt 2022

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