„Grüne“ Jobs boomen
Laut einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft hat jede dritte ausgeschriebene Stelle inzwischen einen Bezug zur „Green Economy“. Besonders stark sei der Wandel in der Industrie.
Wer heute eine Wärmepumpe installiert, eine Produktionsanlage auf weniger Energieverbrauch trimmt, alte Batterien fürs Recycling zerlegt, Windräder wartet, Solardächer plant oder in einem Unternehmen die Nachhaltigkeitsdaten für den Geschäftsbericht zusammenträgt, arbeitet nicht mehr in einer Nische. Solche Tätigkeiten rücken immer stärker in die Mitte des deutschen Arbeitsmarktes.
Die ökologische Transformation zeigt sich längst nicht nur in Klimazielen, Förderprogrammen oder Sonntagsreden, sondern ganz konkret in Stellenanzeigen. Die „Green Economy“ wird damit zu einem wichtigen Beschäftigungsmotor in Deutschland.
Nach einer aktuellen Analyse für die einflussreiche Bertelsmann-Stiftung hatte 2025 bereits jede dritte ausgeschriebene Stelle einen Bezug zu nachhaltigen Themen wie Energiewende, Kreislaufwirtschaft, Emissionsminderung oder Verkehrswende. 2019 war es erst rund jede fünfte gewesen.
Insgesamt schrieben Unternehmen 2025 rund 2,9 Millionen Stellen mit Green-Economy-Bezug aus, 2019 waren es noch 1,9 Millionen. Grundlage der vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) erstellten Untersuchung sind rund 70 Millionen Online-Stellenanzeigen aus dem „Jobmonitor“ der Stiftung.
„Bezug zur Green Economy“ bei 44 Prozent der angebotenen Industrie-Jobs
Bemerkenswert ist vor allem der Befund für die Industrie. Dort wurde für 2025 bei 44 Prozent der ausgeschriebenen Stellen ein „Bezug zur Green Economy“ ermittelt. Das widerspricht dem oft gezeichneten Bild, Klimaschutz und Industrie seien Gegensätze.
Die Analyse legt vielmehr nahe: In vielen Unternehmen gehört die ökologische Modernisierung inzwischen zur Zukunftsstrategie. Wer international wettbewerbsfähig bleiben will, muss Material sparen, Energie effizienter nutzen, Lieferketten robuster machen und Produkte klimafreundlicher herstellen. Damit ist die „Green Economy“ keine eigene Branche neben der „klassischen“ Wirtschaft. Sie zieht sich durch fast alle Bereiche.
Rohstoffknappheit und gestörte Lieferketten haben der Kreislaufwirtschaft laut der Bertelsmann-Analyse seit 2022, dem Jahr von Ukraine-Krieg und Energiekrise, zusätzlichen Schub gegeben. Wer weniger abhängig von importierten Rohstoffen und Energie werden will, muss Materialien länger nutzen, Rohstoffe zurückgewinnen und Produktionsprozesse widerstandsfähiger machen.
Den größten Anteil am grünen Stellenmarkt hat die „Kreislaufwirtschaft“ mit den Aspekten ressourcenschonendes Design, effiziente Produktion, Reparatur, Wiederaufbereitung und Wiederverwertung. 2025 entfielen rund 1,5 Millionen Stellenanzeigen auf diesen Bereich.
Dahinter folgen Umweltschutz und Emissionsminderung mit etwa 802.000 Anzeigen, die Verkehrswende mit 420.000, erneuerbare Energien mit 345.000, Energieeffizienz mit 340.000, Natur- und Artenschutz mit 138.000 sowie Nachhaltigkeitsberichterstattung und Green Finance mit 71.000 Stellenausschreibungen. Viele Anzeigen werden dabei mehreren Feldern zugleich zugeordnet.
Vor allem die Nachhaltigkeitsberichterstattung wächst
Die Dynamik ist unterschiedlich. Besonders stark gewachsen sind seit 2019 die Stellen im Bereich Nachhaltigkeitsberichterstattung und Green Finance, auch wenn sie zuletzt wieder leicht rückläufig waren. Die Zahl der Anzeigen nahm bis 2025 um den Faktor 2,6 zu.
Bei den erneuerbaren Energien lag der Zuwachs bei einem Faktor von 2,4. Dagegen flachte die Nachfrage in der Verkehrswende seit 2023 ab. Hier wirken offenbar die Krise der Autoindustrie und das damals verkündete Ende der Umweltprämie für Elektroautos nach.
Zugleich zeigt sich, wie stark der Arbeitsmarkt auf politische Rahmenbedingungen reagiert. Förderprogramme, Regulierung und Investitionssicherheit entscheiden mit darüber, ob Unternehmen zusätzliches Personal suchen.
Regional zeigt sich ein differenziertes Bild. Jobs für die Verkehrswende, wozu vor allem Elektromobilität gezählt wird, konzentrieren sich stark an Standorten der Autohersteller und Zulieferer, besonders in Süddeutschland. Solarenergie ist im Südosten stark vertreten, Windenergie eher im Norden.
Natur- und Artenschutz prägen vor allem Regionen im Nordosten, an Küsten und in Moorlandschaften. Green Finance und Nachhaltigkeitsberichterstattung spielen vor allem in Ballungsräumen eine Rolle, wo viele Konzernzentralen sitzen. Ostdeutschland ist auffällig stark in der Kreislaufwirtschaft sowie bei Umweltschutz und Emissionsminderung.
Das Analyseteam empfiehlt der Politik, die Nachhaltigkeits-Transformation gezielt zu stärken, um Beschäftigung in Deutschland zu sichern und neue Jobchancen zu schaffen. Gerade für die Industrie sei die „Green Economy ein zentraler Hebel und zugleich ein wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Resilienz“, schreibt die Stiftung.
Beschäftigung in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Kreislaufwirtschaft könne dazu beitragen, Abhängigkeiten von Energie- und Rohstoffimporten zu verringern. Dafür brauche es stabile politische Rahmenbedingungen, da Investitionen, Förderung und Regulierung direkten Einfluss auf den Arbeitskräftebedarf hätten.
Quelle
Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Joachim Wille) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden!







