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Solarindustrie in Deutschland: Damit das Solarlicht nicht ausgeht

Die heimische Photovoltaik-Industrie kommt immer stärker unter Druck. Auch Heckert Solar in Chemnitz droht die Schließung. Die Ampel-Regierung darf dem Niedergang nicht länger einfach nur zusehen.

Die deutsche Solarindustrie steht vor dem Aus. Die Lage wird immer dramatischer, da nun bereits der dritte hiesige Produzent von Photovoltaik-Modulen, das Chemnitzer Unternehmen Heckert Solar, die Schließung seiner Produktion an die Wand gemalt hat.

Die Konkurrenten Meyer Burger und Solarwatt warnen bereits seit Wochen, dass es mit dem Solar-Standort Deutschland zu Ende gehen könnte, wenn die Politik nicht für bessere Rahmenbedingungen sorgt.

Heckert Solar ist einer der ältesten und größten noch verbliebenen Photovoltaik-Produzenten des Landes. Und wenn Unternehmenschef Benjamin Trinkerl an die schlichte Weisheit erinnert, „dass es eine Produktion hier nur geben kann, wenn sie sich auch rentiert“, muss man das als so dramatisch erkennen, wie es ist. Sie rechnet sich nämlich nicht.

Grund dafür sind die billigen Solarmodule aus China, die den europäischen Markt in Schieflage bringen. Es gibt eine globale Überversorgung bisher ungekannten Ausmaßes. Denn mithilfe staatlicher Subventionen wurden in China Fabriken mit gewaltigen Überkapazitäten aufgebaut. Die Produkte werden nun auch hierzulande zu Dumpingpreisen angeboten.

Wie dramatisch die Lage ist, kann man daran ablesen, dass allein in Hallen im Hafen von Rotterdam eine Menge von Solarmodulen lagern soll, die für ein Jahr Solarausbau in der gesamten EU reicht. Kein Wunder, dass die hiesige Photovoltaikbranche warnt, die europäische Produktion sei „akut von Abwanderung und Schließung bedroht“, wie es jüngst in einem Brandbrief an die Bundesregierung hieß.

Heckert Solar hat seine Produktion gedrosselt, Meyer Burger plant bereits die Verlagerung seines Werks im sächsischen Freiberg in die USA. Brancheninsider gehen davon aus, dass das Schicksal der Solaranlagen made in Germany besiegelt ist, wenn in den nächsten vier bis acht Wochen auf politischer Ebene nichts passiert.

Damit würde sich wiederholen, was vor gut einem Jahrzehnt schon einmal geschah. Damals ging die deutsche Solarindustrie – seinerzeit Weltmarktführer der aufstrebenden Branche mit Unternehmen wie Solarworld, Solon und Q‑Cells – fast komplett pleite.

Die damalige Bundesregierung aus Union und FDP hatte die Photovoltaik-Förderung brachial gekürzt, was den Ausbau einbrechen ließ. Und sie hatte kein Rezept gegen die erstarkende Konkurrenz aus China gefunden, die dank staatlicher Unterstützung erstmals mit Dumpingpreisen auftrat.

Förderbonus für heimische Produzenten

Es wäre fatal, würden die Bundesregierung und die EU-Kommission dem zweiten Exitus der Branche tatenlos zusehen. Deutschland und die anderen EU-Länder können es sich nicht leisten, eine zentrale Zukunftstechnologie künftig nur noch zu importieren – aus China, das den Markt zu über 90 Prozent beherrscht, und aus den USA, die die Ansiedlung der Solarbranche derzeit mit großen Steuersubventionen anlocken und sich vor ausländischer Konkurrenz abschotten.

Welche Folgen es haben kann, wenn man im Energiesektor zu stark auf Importe setzt und sich dann auch noch von einem Land abhängig macht, ist bekannt. Stichworte: Erdgas und Russland.

Die Theorie, wonach die weltweite Arbeitsteilung automatisch Segen für alle bringt, gilt nicht mehr. Sie setzt voraus, dass alle Regierungen mehr oder minder nach denselben Regeln handeln. Putin war nicht der Erste, der Energie als Waffe einsetzte.

Wer sagt, dass China seine solare Lieferkette nicht als Druckmittel nutzt, wenn der Konflikt um Taiwan eskalieren sollte? Dann könnten wir feststellen: Xi Jinping kann die europäische Energiewende stoppen, wenn es ihm gefällt.

Auch das sollte ein Grund sein, die EU-Solarindustrie zu stützen. Hinzu kommt, dass Deutschland und Europa es sich auch mit Blick auf Wertschöpfung und Arbeitsplätze nicht leisten können, sich endgültig aus dieser Zukunftsbranche abzumelden.

Nach allem, was bekannt ist, wäre eine konkurrenzfähige Photovoltaik-Produktion von der Wafer- über die Zell- bis zur Modulherstellung grundsätzlich auch hierzulande möglich, und zwar aufbauend auf einer Solarforschung, die nach wie vor die Weltspitze darstellt. Doch dazu braucht es Anreize, weil es weltweit keinen Wettbewerb mehr gibt, seit die Welthandelsorganisation WTO praktisch tot ist, die ihn eigentlich garantieren und einen Subventionswettlauf wie den aktuellen verhindern sollte.

Ergo: Die Bundesregierung darf dem Solar-Abwracken nicht mehr länger zuschauen. Schon seit einem Jahr wird auf EU-Ebene angesichts der Herausforderungen aus China und den USA über ein Gesetz gesprochen, das Zukunftsbranchen fördern soll, aber praktisch geschehen ist nichts.

Daher muss sich die Ampel endlich dazu durchringen, im Erneuerbare-Energien-Gesetz einen Förderbonus für die Produzenten heimischer Solarmodule zu schaffen, wie die Branche ihn fordert und wie er auch von SPD und Grünen befürwortet wird.

Auch Zuschüsse zum Aufbau von neuer Produktion sind sinnvoll. Nur so kann wenigstens der Nukleus einer eigenen Solarindustrie gerettet werden. Das sollte auch die FDP endlich einsehen, die hier querschießt, wieder einmal.

Quelle

Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Joachim Wille) 2024 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

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