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14.02.2018

Milliarden-Kredit für neue Gaspipeline

Die Europäische Investitionsbank will die Trans-Adria-Pipeline (TAP) mit einem Darlehen von 1,5 Milliarden Euro unterstützen. TAP ist der europäische Teil des sogenannten Südlichen Gas-Korridors, der Gas vom Kaspischen Meer in den Mittelmeerraum transportieren soll. 

Nach Nord Stream 2 wird der Süd-Korridor das zweite große Pipelineprojekt in der EU, das ab 2020 Gas nach Europa bringen soll. Die Europäische Kommission steht hinter dem Projekt, mit dem die EU bei der Gasversorgung unabhängiger von Russland werden und der Ausstieg aus der Kohle befördert werden soll. 

Insgesamt zwei Jahre brauchte die Bank für die Kreditzusage. Am Bau der Pipeline ist unter anderem Aserbaidschan beteiligt, aus dessen Gasfeldern die EU beliefert werden soll. Das Gas soll dann durch die Türkei und Griechenland nach Albanien geleitet werden und dann durch die Adria nach Süditalien fließen. 

Die Europäische Investitionsbank ist den Pariser Klimazielen verpflichtet und fördert gezielt Umwelt- und Klimaprojekte. Entscheidungen über die Vergabe von Darlehen werden vom Verwaltungsrat der Bank getroffen, der aus Vertretern aller Mitgliedsstaaten und der EU-Kommission besteht. Die TAP gehört zu den "Projekten von gemeinsamem Interesse" (projects of common interest, PCI), die die Europäische Kommission festgelegt hat. Diese Vorhaben sollen bevorzugt behandelt werden, weil sie als besonders wichtig für das Erreichen der Energie- und Klimaziele der EU gelten. Die Kommission sieht Erdgas als "Brückentechnologie" an, bis eine Vollversorgung durch erneuerbare Energien erreicht ist. 

Umweltschützer warnen jedoch davor, das Projekt des Südlichen Gas-Korridors weiterzuverfolgen. "Die EIB vergibt einen der größten Kredite ihrer Geschichte ausgerechnet für ein unnötiges fossiles Energieprojekt und führt damit ihr selbst erklärtes 'grünes Image' ad absurdum", sagte Regine Richter von der Organisation Urgewald.

Laut einer Studie kritischer Umweltexperten hat das über 3.500 Kilometer transportierte Erdgas aus Aserbaidschan am Ende eine mindestens genauso große, wenn nicht eine höhere Klimawirkung als Kohle. Allerdings sind die Ergebnisse der Studie umstritten. Auch beim deutschen Umweltbundesamt hält man den Vergleich von Kohle und Gas für nicht haltbar. Dagegen argumentieren die Umweltschützer mit langfristigen Betrachtungen: Die Pipeline werde die klimaschädliche Nutzung von Gas in der EU über Jahrzehnte festschreiben und dadurch den notwendigen schnellen Abschied von den fossilen Energien blockieren.

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Quelle   Der Bericht wurde von der Redaktion „KLIMARETTER.INFO“ (sg) 2018 verfasst – das Nachrichten- und Debattenmagazin zu Klima und Energiewende – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung von „Klimaretter.info“ (post@klimaretter.info) weiterverbreitet werden! 

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