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24.12.2017

Der Jesus-Krimi

An Weihnachten feiern Christen den Friedensfürsten Jesus – zu Recht. Aber in der offiziellen Gemeinschafts-Bibel der katholischen und evangelischen Kirchen Deutschlands steht der Jesus- Satz „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert“ (Matthäus 10,34). Kann ein Friedensfürst solchen Unsinn gesagt haben? Oder war Jesus ein Kriegstreiber? Von Franz Alt

Weihnacht ist das Fest der Geburt Jesu. Über diesen jungen Mann aus Nazareth werden heute noch jeden Tag weltweit drei Bücher publiziert, also etwa 1.000 pro Jahr. 2.000 Jahre nach ihm. Das ist ein einmaliges Phänomen in der Weltgeschichte. Was hat er uns wirklich zu sagen?

Im Jahr 2017 haben Konfliktforscher global 31 bewaffnete Konflikte und Kriege gezählt, die meisten im Nahen und Mittleren Osten, rings um das Heilige Land der drei monotheistischen Religionen Judentum, Islam und Christentum. Gerade hier sind viele Konflikte noch immer religiös motiviert, obwohl alle Religionen den Frieden predigen.

Aber alle Religionen tragen auch einen Kern der Gewalt in sich, vor allem durch falsche Übersetzungen und bewusste

Fälschungen ihrer „Heiligen Schriften“ wie oben das zitierte Jesus-Wort vom Krieg. Solange aber Kriegstheorien im Alten Testament, in Koran oder auch im Neuen Testament stehen, solange Jesus im offiziellen Neuen Testament dreimal zum Kauf von Schwertern aufruft und im Koran wie auch im Alten Testament vom „Heiligen Krieg“ die Rede ist, können die Religionen ihren Friedens- und Liebesauftrag nicht erfüllen. Was also hat Jesus wirklich gesagt?

Rückübersetzt aus dem Aramäischen, der Muttersprache Jesu, hat er so gesprochen: „Ich bin nicht gekommen, Harmonie zu verbreiten, sondern Streitgespräche zu führen“. Das ist Jesus-gemäß und etwas völlig anderes also als es im „offiziellen“ Text aus dem Griechischen steht.

Noch ein Beispiel für eine fatal falsche Übersetzung der Jesus-Worte zum wichtigen Thema Frieden: „Wer aber kein Geld hat, soll seinen Mantel verkaufen, und sich dann ein Schwert besorgen“ (Lukas 22,36). Kann der pazifistische Jesus eine Schwert-Religion gewollt und zum Kauf von Kriegswaffen aufgerufen haben? In Wirklichkeit hat Jesus kurz vor seiner Verurteilung seinen Jüngern empfohlen, sich „Messer“ zu kaufen, denn sie waren arme Wanderprediger und wären ohne Messer verhungert. Die Auflösung der falschen Übersetzung ist ganz einfach: Im Aramäischen gibt es für Messer und Schwert ein und dasselbe Wort - sepha. Jesus hat natürlich nie empfohlen Schwerter zu kaufen, aber es steht so in allen 4,5 Milliarden Bibeln der Welt. Und damit wurden „Heilige Kriege“, „Gerechte Kriege“ und „Kreuzzüge“ gerechtfertigt - Jahrhunderte lang, bis heute.

Als ich 1983 in meinem Buch „Frieden ist möglich – Die Politik der Bergpredigt“ Jesus als Pazifisten bezeichnete, haben mir katholische Theologie-Professoren mit den angeblichen „Schwert“-Worten Jesu widersprochen. Ein Verlag in Rom hat sich zunächst geweigert, das Buch ins Italienische zu übersetzen – mit dem Verweis auf die vermeintlichen Schwert-Worte Jesu. Darüber hat sich Heinrich Böll damals im Spiegel über fünf Seiten aufgeregt, freilich ohne dass er die „Schwert“-Theologen sprachlich widerlegen konnte.

Wann, wenn nicht an Weihnachten, sollte die Christenheit über den wirklichen Jesus aufgeklärt werden? Die offiziellen Kirchen tun sich noch immer schwer damit. Als der Papst in diesen Tagen anregte, die Vaterunser-Bitte „Und führe uns nicht in Versuchung“ künftig so zu beten wie sie Jesus im Aramäischen wirklich gesagt hatte („Lass retten uns aus unserer Versuchung“) haben sowohl die EKD und der Vorsitzende der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz dem Papst widersprochen. Zugestimmt haben ihm aber österreichische und französische Bischöfe.

Das ist erst der Anfang eines theologischen Streits und Jesus-Krimis wie ihn die Welt lange nicht gesehen hat. Denn nicht nur die angeführten schrecklichen Jesus-Zitate beruhen auf falschen Übersetzungen oder auf Fälschungen, sondern etwa jedes zweite Jesus-Wort im Neuen Testament.

Das hat der 2009 gestorbene Theologe Günther Schwarz in 20 Büchern und 150 wissenschaftlichen Aufsätzen akribisch nachgewiesen. Dieser große Jesus-Freund hat überzeugend den Ur-Jesus entdeckt, indem er mehr als 40 Jahre täglich Aramäisch lernte. Erst auf der Basis seiner Arbeit habe ich die beiden Jesus-Bücher „Was Jesus wirklich gesagt hat – Eine Auferstehung“ und „Die 100 wichtigsten Worte Jesu“ schreiben können.

Zum Weihnachtsfest 2017 habe ich den Wunsch an beide großen christlichen Kirchen, den aramäischen Jesus zu suchen und dabei die Vorarbeiten von Günther Schwarz zugrunde zu legen. Dann kommt die Kirche Jesu wieder in seine Spur und Nachfolge und dann ist endlich auch Ökumene möglich. Gut, dass der mutige Papst Franziskus schon mal den Anstoß gab, den Ur-Jesus zu entdecken.

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Quelle   FRANZ ALT 2017

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