Was lehren uns heute die Nahtoderfahrenen?
Nahtod-Erfahrungen und Reinkarnation – Was kommt nach dem Tod?: Ein Beitrag von Franz Alt
Wohin geht ein Mensch, wenn er stirbt – wo ist er oder sie jetzt? Mit Heinrich Heine schrieben mir Freunde: „Die Verstorbene ist jetzt eine Perle im (himmlischen) Meer“ oder „ein Stern am Himmel“.
Die Mystiker aller Religionen und Weisheitslehren lehren uns, dass es den Tod nicht gibt, dass wir im Innern ewig sind, dass unsere Seele ewig ist, dass nur unsere Hülle stirbt, dass wir sie ablegen wie ein Schmetterling seinen Kokon. Ei, Larve, Raupe, Schmetterling! Eine dauernde Wandlung. Ewig ist das Leben, nicht die individuelle Form. In welcher Form das Leben weiter geht, das können wir nicht wissen. Doch der Tod ist kein Untergang, sondern ein Übergang, der Tod ist kein Ende, sondern eine Wende, kein Abbruch, sondern ein Aufbruch. Geist und Seele sind die Antriebsenergien in der geistigen Welt.
Wohin geht eine Welle, wenn sie ins Meer zurückkehrt? Wir wissen, dass jede Welle zurückkehrt, heimkehrt, also weiterlebt. Wir wissen freilich nicht, wo und wie sie weiterlebt. Dieses Mysterium bleibt.
Nach Jesus meint wirkliche Religion: Macht keine frommen Sprüche, sondern seid Tätige und Lernende bis zum letzten Atemzug. Wichtig ist gelebte, nicht geglaubte Religion. In diesem Geist war jede und jeder Verstorbene ein ganz außergewöhnlicher Mensch.
„Den Tod gibt es nicht“ lernen wir in der Schule Jesu: „Auf geistiger Ebene leben wir ewig“. Meine Frau und ich waren mit der berühmtesten Sterbeforscherin der Welt, Elisabeth Kübler Ross, befreundet und haben sie kurz vor Ihrem Tod noch einmal in Phönix/Arizona besuchen können. Sie hatte als Titel für das letzte Fernseh-Interview, das ich mit ihr führen durfte, vorgeschlagen: „Der Tod ist ein wunderbares Erlebnis“. Diese wunderbare Schweizerin hatte in ihrem Leben mehrere tausend Sterbende in ihren Armen. Für ihre Arbeit mit Sterbenden und für ihre Interviews mit Sterbenden hat sie 23 Ehrendoktor-TiteI auf der ganzen Welt erhalten. Sie ist bis heute die wissenschaftlich höchst ausgezeichnete Frau der Welt. Sie hat uns gelehrt, dem Tod ins Gesicht zu sehen.
Alle Nahtoderfahrenen, die ins Leben zurückgeholt wurden, berichten von einem „wundervollen Licht“, das jenseits des Todes auf uns wartet. Dieses „Licht“ wird umso heller schon jetzt in unser Leben hineinleuchten, desto mehr Menschen diese Botschaft aus dem Jenseits verstehen und sie vor ihrem Tod annehmen. Wir werden lernen müssen, als Gesellschaft ein Teil des Kosmos zu sein, in dem Leben und Tod zusammengehören und aufeinander bezogen sind.
Im Tibetischen und Ägyptischen Totenbuch heißt es: „Wir leben nicht, um zu sterben – wir sterben, um in der geistigen Welt ewig zu leben“. So sehen alle Religionen und Weisheitslehren den Tod. Diesen Blick auf den Tod hatte auch Elisabeth Kübler-Ross. Ihr Appell an uns alle heißt:
- Das Sterben wieder menschlicher gestalten.
- Den Tod in Würde und Frieden erleben, weil es keinen Grund gibt, sich vor dem Tod zu fürchten.
- Der Tod ist die letzte Stufe der Reife: „Das heißt jener zu werden, der du wirklich bist, in noch umfassenderer Weise Mensch zu sein“.
- Nur wer die Angst vor dem Tod verliert, schafft Raum für die Liebe.
Die prominente Schweizerin entwirft in ihrem Buch „Reif werden zum Tode“ (Seite 30) eine hoffnungsvolle Evolution für die Welt von morgen. Der Tod ist demnach also kein Ende mit Schrecken, sondern ein „Vollender des Lebens“:
Elisabeth Kübler-Ross:„ In den Jahrzehnten, die vor uns liegen, können wir vielleicht ein Universum erleben, eine Menschheit und eine Religion, die uns alle in einer friedlichen Welt vereinen. Es ist die Aufgabe eines jeden von uns, die Grundlagen für diese zukünftige Generation zu legen, indem wir jetzt den Versuch unternehmen, unsere Mitmenschen zu verstehen und um sie besorgt zu sein, gleichgültig welches ihr Bekenntnis, ihre Hautfarbe oder ihr Philosophie ist. Durch die Einsicht, dass wir letzten Endes alle dasselbe Schicksal teilen – dass ebenso sicher wie wir leben, wir auch sterben werden -,kann uns klar werden, dass wir auch im Leben eine Einheit darstellen müssen, im Bewusstsein und in der Anerkennung unserer Unterschiede und dennoch akzeptieren, dass im Hinblick auf unser Menschsein wir alle gleich sind“.
Die Impulse, die Elisabeth Kübler-Ross gegeben hat, wirken bis heute, über zwei Jahrzehnte nach ihrem Tod im Jahr 2004. Die Hospiz-Bewegung, die Sterbebegleitung sowie Selbsthilfegruppen für Trauernde verdanken sich ihrer Initiative. Sie hat als Ärztin das Tabu des Todes gebrochen in einer Gesellschaft, die sich offensichtlich vorgenommen hat, den Tod zu verleugnen. Die wesentliche Erkenntnis dieser Frau war, dass eine gute Sterbebegleitung nur dann gelingt, wenn sich die betreuende Person mit ihrer eigenen Sterblichkeit auseinandergesetzt hat. Sie nannte es „Reifwerden zum Tod“ und meinte damit inneres Wachstum. Das betrifft nicht nur die Verwandten und Freunde des oder der Sterbenden, sondern auch die Ärzte, die Krankenschwestern, die Seelsorger und Therapeuten. Deshalb konnte sie sagen und schreiben, dass der Tod „der wahre Schlüssel zum Leben“ sei. Das ist wohl d i e Weisheitslehre für unsere heutige total materialisierte, weitgehend sich geistlos und seelenlos verstehende Welt.
An der Schwelle des Todes warten „Geistführer“, „Geistwesen“ oder „Schutzengel“ auf uns, die uns verdeutlichen, dass es keinen Tod gibt. Das sind keine „Phantasien“, „Halluzinationen“ oder „Spekulationen“, sondern Erfahrungen von Millionen Nahtoderfahrenen, die Elisabeth Kübler-Ross veranlasst haben, den Tod zu erforschen. Ihr Wahrheitsdrang wollte eine Erklärung finden für diese Erfahrungen. Diese Nahtoderlebnisse wurden für sie „Forschungsergebnisse“ aus der ganzen Welt in allen Kulturen und Religionen. Sie belegen, dass es Verbindungen zwischen Diesseits und Jenseits gibt. Frau Kübler-Ross hatte selbst eine Nahtoderfahrung und dabei „Erlebnisse des kosmischen Bewusstseins“. Danach schrieb sie: „Das Wichtigste aber vor allem ist, das wir lernen, bedingungslos zu lieben“. Nur so komme der Mensch wahrhaft in Harmonie und in Frieden mit sich selbst.
Wohin also gehen wir nach unserem Tod?
Es schließt sich keine Tür, wenn wir sterben, es öffnet sich vielmehr eine. Die moderne Physik weiß, dass Energie nie verloren geht. Sie wandelt sich lediglich.
Jede Trauerfeier ist ein Abschied von dem oder von der, die sich auf den Weg in die ewige Heimat machen. Heinrich Böll wurde mal gefragt, warum er gläubig sei. Seine Antwort: „Weil wir auf dieser Erde nicht ganz zu Hause sind“.
Jesus hat in seiner Bergpredigt gesagt: „Selig sind die Trauernden, sie werden getröstet werden“.
Trauer schmerzt, aber durch Trauerarbeit klärt sich der Schmerz und wird erträglich. Die Liebe zum Leben braucht die Tränen der Trauer. Unsere Fähigkeit zu trauern enthält den Keim der Erneuerung und die Hoffnung auf einen Neuanfang.
Alle großen Geister, von Buddha über Jesus bis Gandhi, haben uns eines lehren wollen: Der Tod ist nicht das letzte Wort und er hat nicht das letzte Wort. Und wir können auf eine Wiedergeburt hoffen. Millionen Nahtoderlebnisse in unserer Zeit und auf der ganzen Welt deuten auf die Realität von Wiedergeburten hin. Wir können uns gut vorstellen, dass wir nach allem, was uns die Nahtodforschung heute lehrt, eines Tages den Tod eines Menschen so feiern werden wie die Geburt eines Menschen. Das ist wohl nur eine Frage des Bewusstseinswandels. Vier Millionen Deutsche und zehn Millionen US-Amerikanerinnen haben bereits Nahtoderfahrung. Alle berichten, dass sie beim Blick nach drüben nicht mehr zurück wollten und ihrem Arzt, der sie reanimierte, „böse“ waren. Sie alle wären gern „drüben“ geblieben! Welch ein Trost! Welch eine Hoffnung!
Ich möchte Ihnen einen Traum mitteilen, den ich 1993 in der Nacht nach dem Tod meiner Mutter Berta hatte: Die ganze Familie Alt war auf einem Schiff auf der Murg bei Rastatt. Unsere Mutter fiel über Bord. Wir hatten alle Angst, weil sie nicht schwimmen konnte. Aber keiner sprang in den Fluss, um sie zu retten. Plötzlich stand sie auf einer kleinen Erhebung im Fluss nur noch bis zu den Knien im Wasser, lachte, lachte, lachte und rief uns zu: Habt doch keine Angst – mir geht es gut“. Ein wunderschöner Abschiedstraum, der bis heute glücklich macht.
Das kürzeste Gebet der Menschheit besteht aus einem einzigen Wort: Danke. Danke an die oder an den Verstorbenen, für Dein Leben und für Deine Liebe zum Leben. Danke für die Freundschaft mit Dir. Danke an Deine Familie und an alle Deine Lieben.
Diese Philosophie des Todes müsste eigentlich auch allen Christen selbstverständlich sein, es ist auch die Philosophie Jesu, wenn man Jesu Lehre in seiner aramäischen Muttersprache liest. Dazu später mehr. Uns erwartet kein göttliches Strafgericht, sondern ein tiefer Prozess der Selbsterkenntnis durch das „göttliche Licht“, durch reine spirituelle Energie. Das ist der Sinn von Reinkarnation in allen Religionen, auch im Urchristentum. Wiedergeburt bietet uns die Chance, Dinge zu lernen, die wir bisher noch nicht gelernt haben.
Unser Leben ist vergleichbar mit einer Schule. Wir sind hier, um zu lernen. Entweder wir wollen lernen oder wir müssen leiden. Wer nicht lernen will, muss leiden. Da ist Gott unnachsichtig, denn er will alle zurückhaben. Er will – wie der gute Hirte bei Jesus – seine ganze Herde. Nicht eines seiner Schafe soll verloren gehen. Und wenn sich ein Schaf verirrt, dann sucht es der Hirte bis er es gefunden und gerettet hat. Gott holt uns schließlich alle wieder, wenn nicht in diesem Leben, dann in einem späteren. Weil er unser mütterlicher Vater ist und uns alle liebt. Beim Suchen nach den verlorenen Schafen wird Gott wohl nie arbeitslos.
- „Seit aber offenbar wurden Gottes Freundlichkeit und Erbarmen,
- lässt er uns wiederbeleben durch die Wiedergeburt
- und durch die Erneuerung des prophetischen Geistes.
- Mit ihm ließ er uns ausrüsten,
- durch Jesus, den Gesalbten, unseren Wiederbeleber,
- damit wir, durch seine Güte freigesprochen,
- in der Gottnähe leben können.“ (Der Brief an Titus, 3,4-7 in der Rückübersetzung des Aramäisch-Experten Günther Schwarz in Jesu Muttersprache, ins Aramäische)
Auch im griechischen Urtext der Einheitsübersetzung steht an dieser Stelle das Wort „Wiedergeburt“.
Wiedergeburt heißt, dass es keinen Tod gibt, sondern Verwandlung, Reinkarnation und Erneuerung. Es gibt keinen Tod: Jesu ganz großes Thema! Damit ist die Wiedergeburt eine große Entwicklungschance, die wir Menschen haben, vielleicht sogar die größte. Die Lehre von der Wiedergeburt kann ein neues Geborgenheitsgefühl in unserem Innern heranwachsen lassen und die Angst vor dem Tod überwinden helfen. Dank der Erkenntnis der Reinkarnation können wir lernen, dass wir selbst die allererste und eigentliche Ursache unseres eigenen Schicksals sind. Wiedergeburt bedeutet, dass wir selbst für unser Leben verantwortlich sind. Es kann uns nach Jesu Meinung nicht ein Priester oder Theologe unsere Fehler vergeben, an unseren Fehlern müssen wir schon selbst arbeiten. Kirchliche Sakramente sind magische Hilfsinstrumente, die uns kaum helfen. Sakramente können uns unsere Last nicht abnehmen, sie entmündigen uns eher. Sie können – so habe ich es selbst als Katholik durch die Beichte erfahren – vielleicht lindern, aber nicht wirklich heilen. Daran müssen wir schon selbst arbeiten. Die Reinkarnation nimmt uns in die Pflicht. Diese Chance haben wir mehrfach. Jesus bei seinem berühmten Nachtgespräch mit Nikodemus wörtlich in der Rückübersetzung:
- „Amen, amen! Ich sage dir:
- Wenn jemand nicht
- wiederholt geboren wird,
- so kann er nicht wieder eingelassen werden
- in das Königtum Gottes (Jh 3,3 in der Rückübersetzung in Jesu Muttersprache durch Günther Schwarz).
Zweifelnd fragt der alte und weise Nikodemus zurück: „Wie kann wiederholt geboren werden ein alter Mann? Kann er zurückkehren in den Leib seiner Mutter und abermals geboren werden?“ Und Jesus bekräftigt:
- „Wundere dich nicht, dass ich dir sagte:
- Es ist nötig, dass du wiederholt geboren wirst!
- Du, du bist ein Meister Israels!
- Und Du? Du weißt das nicht?
- Ich! Ich sage dir:
- Ich rede von dem, was ich weiß;
- Und ich bezeuge das, was ich gesehen habe.“ (Jh 3, 9-11 in der Rückübersetzung ins Aramäische).
Jesu Meisterworte in ursprünglicher Frische. Dieses Wissen gibt Jesus nicht nur Nikodemus weiter, sondern das sagt er auch seinen Jüngern. Die Kirchen werden an ihren Sakramenten (die katholische Kirche lehrt sieben, die evangelische Kirchen zwei) noch solange festhalten wie sie Jesu Lehre von der Wiedergeburt tabuisieren.
Jesus hatte es nicht nötig, an Gott zu glauben, denn er kannte ihn. So hatte er es auch nicht nötig, betont an die Wiedergeburt zu glauben, denn zu seiner Zeit war Wiedergeburt Volksglauben und selbstverständlich. Er hatte es auch nicht nötig, bei Schriftgelehrten zu studieren, denn er stand mit seinem Abba (Vater) ständig in Kontakt.
In den aramäischen Urtexten, die wir dem evangelischen Theologen Günther Schwarz verdanken, also in seiner Muttersprache, spricht Jesus achtmal von Wiedergeburt. Dazu zwei weitere Belege:
- „Amen! Amen! – Ich sage euch:
- Wenn ihr nicht wiederholt geboren werdet,
- so könnt ihr nicht (wieder) eingelassen werden
- in das Königreich Gottes“ (Mt 18,3 in der aramäischen Rückübersetzung).
Wiedergeburt ist nach Jesus die Einlassbedingung ins Reich Gottes. Für den Pfarrer Günther Schwarz, der Jahrzehnte lang jeden Tag aramäisch lernte, weil er in der klassischen griechischen Übersetzung des Neuen Testaments viele Widersprüche fand und den Original-Jesus in seiner Muttersprache verstehen wollte, war Wiedergeburt selbstverständlich. Aber für die christlichen Kirchen spielt dieser Aspekt und somit dieses zentrale Jesus-Wort keine Rolle. Die westlichen Kirchen habe „Wiedergeburt“ im Gegensatz zu den asiatischen Kirchen komplett verdrängt, indem christliche Theologen Jesus beinahe 2.000 Jahre lang „verbessern“ wollten. Dabei ist Jesu ganz großes Thema: Es gibt keinen Tod. Die Reinkarnation nimmt uns in die Pflicht. Diese Chance haben wir mehrfach. Immer wieder- bis zu unserer endgültigen Erlösung.
Und noch ein biblischer Hinweis auf Wiedergeburt:
- „Wie oft den Menschen bestimmt ist zu sterben
- und nach ihrem Tod gerichtet zu werden,
- so oft wird auch der Gesalbte sich zeigen
- denen zur Wiederbelebung, die durch ihn vertrauen.“(Brief an die Hebräer 9, 27-28 in der Rückübersetzung von Günther Schwarz).
Im letzten Beispiel finden wir wieder einen Hinweis auf die Reinkarnation. In der griechischen Einheitsübersetzung steht stattdessen im Hebräer-Brief: „Und wie es dem Menschen bestimmt ist, ein einziges Mal zu sterben…“ So können Ursprungstexte in ihr Gegenteil „übersetzt“ werden. Nach den Erkenntnissen von Günther Schwarz hat Jesus in seiner Muttersprache mindestens achtmal von Reinkarnation gesprochen. Mich hat der Dalai Lama in mehreren Gesprächen daran erinnert, wie zentral wichtig die Überzeugung von der Wiedergeburt ist: In unserem gemeinsamen Buch „Schützt die Umwelt“ sagt er: „Wer an Wiedergeburt glaubt, engagiert sich für das Klima und die Umwelt. Denn wir kommen ja wieder auf diesen Planeten und wollen schon deshalb ein gutes Klima und eine gesunde Erde. So pragmatisch und praktisch kann das Vertrauen in die Wiedergeburt sein, das sogenannte christliche Abendland ist die einzige Region der Welt, in der die Menschen nicht an Wiedergeburt oder Reinkarnation glauben. Und warum? Nur deshalb, weil Theologen und Bischöfe auf dem Konzil von Konstantinopel im vierten Jahrhundert alle Hinweise Jesu auf Reinkarnation getilgt haben. Der Dummkopf aus Nazareth musste halt ständig korrigiert werden von seinen theologischen Besserwissern. Selbst Origines, der größte Kirchenlehrer des Altertums, wurde auf diesem Konzil mit dem Bann belegt, weil er von der Wiedergeburt der Menschen überzeugt war. Seither empfinden Christen die Reinkarnation als unchristlich.
Vielleicht hat der Dalai Lama ja recht und es gibt erst dann eine Chance zur Rettung der Schöpfung, wenn auch Christen mehrheitlich davon überzeugt sind, dass wir auf diesen Planeten wieder kommen. Wir werden nur bewahren wollen, was wir lieben.
Jesus: Wir werden wiedergeboren
Doch überall auf der Welt gibt es Menschen, die von der Wiedergeburt überzeugt sind. Warum? Weil sie sich erinnern, zum Beispiel meine Frau. Auch in Deutschland glauben – nach Umfragen – 25 Prozent der Menschen daran, dass sie schon einmal geboren waren oder wieder geboren werden. Ein historisches Beispiel ist der griechische Philosoph Pythagoras, der im sechsten vorchristlichen Jahrhundert wusste: „Nach dem Tod geht die Seele in das Reich des körperlosen Zustands ein, wo sie sich von allen begangenen Irrtümern zu lösen hat. Alsdann ist sie gezwungen, abermals in einen Körper einzutreten und ein neues Erdenleben zu führen, das so gestaltet ist, wie es der moralischen Beschaffenheit der Seele entspricht“.
Ungefähr zur gleichen Zeit wie Pythagoras wurde Buddha geboren. Wer meint, allein Buddhisten und Hindus glauben an Wiedergeburt, täuscht sich. Der Indologe und Religionshistoriker Helmuth von Glasenapp kommt zum Schluss: In allen alten Kulturen hat es den Gedanken, den Glauben an die Reinkarnation, gegeben.
Diesen Glauben habe ich auf meinen Vortragsreisen bei Aborigines in Australien, bei Maoris in Neuseeland, bei Indios in beiden Amerikas gefunden; aber auch die alten Kelten hierzulande und die Germanen glaubten an die Wiedergeburt. Der christliche Theologe K.O. Schmidt schrieb 1973 das Buch „Wir leben nicht nur einmal“. Er zitiert den Kirchenvater Augustinus in seinen „Confessiones“: „Die Lehre von der Wiederkehr wurde seit ältesten Zeiten den Wenigen verkündet als ein überlieferter Glaube, der nicht öffentlich verkündet wurde.“ Die Eingeweihten – auch unter den Christen – wussten es also, nur dem einfachen Volk wurde das Wissen um die Wiedergeburt vorenthalten. Dazu Origines: „Jeder von uns eilt der Vollkommenheit durch eine Aufeinanderfolge von Lebensläufen zu… Wir sind gebunden, stets neue und bessere Leben zu führen, sei es auf der Erde oder auf anderen Welten. Erst unsere völlige Hingabe an Gott, die uns von allem Niederen reinigt, bedeutet das Ende unserer Wiedergeburten“. Das ist beinah Buddha- und Jesus-Originalton – und zwar übereinstimmend.
Wiedergeburt heißt: Wir haben eine große Entwicklungs-Chance im nächsten Erdenleben. Es gibt keinen Tod, sondern Verwandlung, Reinkarnation und Erneuerung. Sozusagen eine zweite Chance. Nur so können alle gerettet werden. Sein Ur-Versprechen an alle. Damit aber sind wir für unser Leben selbst verantwortlich. Dieses Nachtgespräch geht weiter. Zweifelnd fragt Nikodemus zurück: „Wie kann wiederholt geboren werden ein alter Mann? Kann er zurückkehren in den Leib seiner Mutter?“ Die Antwort Jesu lässt keinen Zweifel:
„Ich rede von dem, was ich weiß; Und ich bezeuge das, was ich gesehen habe“ (Johannes 3, 9-11 in der Rückübersetzung von Günther Schwarz). Noch deutlicher wird Jesus im Matthäus-Evangelium über dieses Nachtgespräch mit dem jüdischen Rabbi Nikodemus: „Was ich gesagt habe im Geheimen – Sagt es – öffentlich! Was ihr gehört habt geflüstert – Lasst es hören – laut!“ (Matthäus 10, 27 ).
Nachdem Günther Schwarz ein Leben lang Aramäisch gelernt hatte, um den Ur-Jesus in seiner Muttersprache zu verstehen, kommt er zu dem erschütternden Ergebnis: „das meiste von dem, was Christenheit glaubt, Jesus hat es nicht gelehrt, und das meiste von dem, was Jesus gelehrt hat, die Christenheit weiß es nicht“.
Noch ein letzter Hinweis auf den Glauben an die Wiedergeburt zurzeit Jesu. Er fragt seine Jünger: „Für wen halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten.“ (Matthäus 16, 13-14). Jeremia war schon 500 Jahre tot, Elija 350 Jahre. Johannes war gerade geköpft worden. Wie anders ist diese Antwort der Apostel zu verstehen als mit dem festen Glauben an eine Wiedergeburt? Anders kann diese Stelle gar nicht verstanden werden.
Nicht in der Übersetzung von Günther Schwarz, sondern im herkömmlichen Matthäus-Evangelium antwortet Jesus seinen Jüngern zur Frage nach Johannes dem Täufer: „Und wenn ihr es gelten lassen wollt: Ja, er ist Elija, der wiederkommen soll. Wer Ohren hat zu hören, der höre.“ (Matthäus11, 14-15).
Warum halten wir bei diesem Thema bis heute unsere Ohren zu?
Johannes ist der wiedergeborene Elija, sagt Jesus. Wiedergeburt hat er erlebt, er hat sie bezeugt und er hat sie belegt. Damit es auch wirklich jeder versteht, fügt Jesus hinzu: „Wer Ohren hat zu hören, der höre.“Ein größeres Gewicht konnte Jesus seiner glasklaren Aussage nicht beimessen. Endlich alles klar?
Nein, bis heute gibt es Millionen taube Ohren. O Gott! Dabei lehrt Jesus ohne jeden Zweifel: Es gab Leben vor unserem heutigen Leben, und es gibt ein Leben nach unserem heutigen Leben. Als Günther Schwarz es so bei einer Beerdigung gesagt hatte, wurde er von seiner kirchlichen Behörde verklagt. Seinem Superintendenten legte er 250 Belege für die Reinkarnation aus der Literatur vor, ein Dutzend Belege aus der Bibel und sechs von den Kirchenvätern. Die Reaktion seiner Kirchenoberen: „Lassen wir das.“
Das Thema war damit wieder einmal vom Tisch, aber nichts hat sich an der kirchlichen Einstellung dazu geändert. So beschreibt der Pastor seine Erfahrung in seinem Buch „Reinkarnation – Erlebt, Bezeugt, Belegt“.
Elisabeth Kübler-Ross hat im Thema Wiedergeburt noch eine „Verschwörung des Verschweigens“ gesehen. Hat diese mutige Ärztin diese „Verschwörung“, an der unsere Gesellschaft bis heute krankt, überwinden können? Das liegt an jeder und an jedem von uns. Sind wir reif für die Erkenntnis der Reinkarnation?
Frau Kübler-Ross hat bei ihrer eigenen Nahtoderfahrung erlebt, was „bedingungslose Liebe“ ist. Diese bedingungslose Liebe ist die „Realität aller Realitäten, die unbegreiflich herrliche Wahrheit aller Wahrheiten, die im Kern von allem, was existiert oder je existieren wird, lebt und atmet“, so hat sie der US-Neurologe Eben Alexander während eines siebentägigen Komas in einer Nahtoderfahrung erlebt. Drei nonverbale, aber fundamentale Erkenntnisse hat er uns aus der geistigen Welt mitgebracht:
- Erstens: Du wirst geliebt und geschätzt.
- Zweitens: Du hast nichts zu befürchten.
- Drittens: Du kannst nichts falsch machen.
Seine gesamte Botschaft fasst dieser nicht kirchlich orientierte, aber international renommierte Neurochirurg in diesem Satz zusammen: „Du bist geliebt.“ Und in diesem einen Wort: „Liebe“. Nach seiner Rückkehr aus seinem siebentägigen Zustand der Bewusstlosigkeit im Koma ist Eben Alexander davon überzeugt, dass seine neue Erkenntnis nicht nur die „wichtigste emotionale Wahrheit im Leben“ ist, sondern auch die „wichtigste wissenschaftliche Wahrheit.“ Ganz einfach, so der Neurochirurg: Der Mensch ist mehr als sein physischer Körper. Nach seiner „Rückkehr“ wusste er, dass er sich nie wieder allein fühlen würde. Wie viel Einsamkeit und Trostlosigkeit gäbe es auf unserer Welt weniger, wenn wir uns öfter an diese Zusage Jesu erinnern würden: Euer Vater im Himmel ist immer bei euch, er wohnt in eurem Herzen, er beachtet und er behütet euch. Die gemeinsame Botschaft aller Nah-Tod-Erfahrenen: Wir dürfen sterben, wir müssen nicht sterben – wir leben weiter.
Wenn Sterben ganz anders ist als wir bisher dachten, so wird auch unser Leben anders werden.
Literatur
- Dieser Artikel von Franz Alt basiert auf seinen drei Büchern über den aramäischen Jesus sowie auf einem Buch, das er zusammen mit dem Dalai Lama geschrieben hat.
- Franz Alt: „Was Jesus wirklich gesagt hat – Eine Auferweckung“, Gütersloher Verlagshaus 2015
- Franz Alt: „Die außergewöhnlichste Liebe aller Zeiten – Die wahre Geschichte von Jesus, Maria Magdalena und Judas, Herder 2021
- Franz Alt: „Die 100 wichtigsten Worte Jesu – Wie er sie wirklich gesagt hat“. Gütersloher Verlagshaus 2016
- Dalai Lama und Franz Alt: „Ethik ist wichtiger als Religion“, Benevento-Verlag 2015.










