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Die solare Weltrevolution: Reichtum für die Armen

Am 21. Juni ist Sommeranfang, Sommersonnenwende. Die solare Weltrevolution wird und kann jetzt wieder volle Kraft entfalten. Jetzt werden in allen EU-Staaten neue Rekordmengen an Solarstrom und Solarwärme erzeugt. Das Solarzeitalter hat längst begonnen.

Schon 2025 wurden weltweit mehr Solaranlagen installiert als je zuvor. Die Internationale Energieagentur in Paris rechnet damit, dass sich die Solarenergie global in den nächsten fünf Jahren nochmals verdoppeln wird.

© Bigi Alt: Dr. Franz Alt ist Vordenker und Aktivist der solaren Energiewende.

Das exponentielle Wachstum von Sonnen- und Windenergie wird die alten fossil-atomaren Energiequellen mehr und mehr verdrängen. 2025 haben die Erneuerbaren erstmals mehr Energie erzeugt als die Kohle. Noch schneller als die Künstliche Intelligenz wachsen die Erneuerbaren Energien, auch wenn die KI viel Strom verbraucht. Beim Energieverbrauch haben wir allerdings global eine recht paradoxe Situation.

Die Chance für die Armen

Die Reichen verschmutzen die Umwelt und die Armen leiden darunter. Schon Papst Franziskus brachte diese Tatsache auf den Punkt: „Diese Wirtschaft tötet.“ Die Hauptursache dieser Tragödie ist die Vorherrschaft des Ökonomischen und das hemmungslose Streben nach Wachstum. Es zeigt sich immer klarer, dass immer mehr nicht immer besser bedeutet. In den Armutsregionen unserer Welt herrscht ein Reichtum an Menschen, aber ein Mangel an elektrischer Energie.

Das Fachmagazin „Natur Climate Change“berichtet im Mai 2025, dass die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung für zwei Drittel der Erderwärmung seit 1990 verantwortlich sind. Deshalb ist es sinnvoll, in der Klimapolitik die Reichen mehr als bisher zur Verantwortung zu ziehen.

Die glücklichsten Solarstrombetreiber habe ich in armen Ländern wie Indien, Bangladesch oder Somalia und Mali erleben dürfen. Im westafrikanischen Mali  erzählt ein Elektriker, der arbeitslos war und nach Europa fliehen wollte: „Ich habe jetzt einige Solarzellen auf meiner Hütte. Nun kommen die jungen Leute meines Dorfes, um bei mir ihre Handys und Laptops aufzuladen. Dadurch habe ich auch endlich einen Job und ein Einkommen und ich denke nicht mehr daran, nach Europa zu fliehen. Welch ein Glück, dass ich dank Solarstrom in meiner Heimat bleiben kann“. Welch eine Chance für eine bessere Welt, in der kein Kind mehr verhungern muss. Die regierungskritische Organisation Oxfam hat ausgerechnet, dass nur drei Prozent der weltweiten Militärausgaben zur Beendigung des Welthungers und zur Lösung der Schuldenkrise im Globalen Süden wesentlich beitragen könnten.

Solarworld
Solarworld | Für seine Verdienste für die solare Weltrevolution durfte ich meinem Freund Muhammad Yunus 2010 in Valencia den „Solarworld Einstein-Award“ überreichen.

Als in Bangladesch der Friedensnobelreisträger und Gründer der Bank für die Armen (Grameenbank),Muhammad Yunus, im Sommer 2024 mit der Regierungsbildung beauftragt wurde, sagte er: Wir sollten in die Überwindung der Armut und in Klimaschutz investieren und nicht in Kriege und Waffen“. Yunus hatte – inspiriert von Hermann Scheer – in Bangladesch nach seine erfolgreichen Unternehmen Grameen Bank, der Bank für die Armen, das Sozialunternehmen Grameen Shakti gegründet (Shakti heißt Energie) und dafür gesorgt, dass im Bangladesch täglich bis zu 1.000 kleine Solaranlagen auf  bescheidenen Behausungen installiert wurden.  Dafür mussten die Besitzer nur so viel bezahlen wie sie bisher für die schmutzige Energie ausgaben, zumeist Kerosin.  So gelang der Umstieg auf Solarenergie ohne jegliche Zusatzbelastung. Und diese Belastung reduziert sich in der Regel nach drei bis vier Jahren auf Null, denn dann ist die Anlage abbezahlt und liefert noch Jahrzehne Strom. Grameen Shakti hat bis heute mehr als acht Millionen solcher Anlagen finanziert und installiert. Ferner bildete die Grameen Shakti viele Landfrauen zu Solartechnikerinnen aus. Im armen Bangladesh gibt es heute mehr Solaranlagen als im reichen Deutschland

„Wir müssen Wirtschaft ganz neu denken!“ (Muhammad Yunus)

Mit seiner „Bank für die Armen“ hilft Yunus hauptsächlich armen Frauen. Denn 96 Prozent seiner Kunden sind Kundinnen – und das in einem muslimischen Land. Ich fragte meinen Freund Muhamad Yunus in einer meiner Fernsehsendungen, wie das zu erklären sei. Seine Antwort: „Frauen investieren primär in die Familie, in Kinder oder in ein kleines Geschäft, Männer eher in ein Motorrad oder in Zigaretten“. So funktioniert die Solarwirtschaft Bangladeschs  auch durch die Versöhnung von Ökonomie und Ökologie und die Grameen Bank investiert in beispielhafte Gleichberechtigung. „Das ist  der Einstieg in eine weltweite ökosoziale Marktwirtschaft“, erklärte Muhammad Yunus als er auf der ganz großen Weltbühne in Oslo 2006 den Friedensnobelpreis erhielt. Als ich dem Sozialunternehmer und Solarunternehmer in Valencia den World Solar Award überreichen darf, sagte er auch: „Wir haben so viele Probleme, dass wir uns entschieden haben, sie als Rohstoff für Innovationen zu betrachten“.

Die Welt ist erneuerbar

Muhamad Yunus realisiert  hauptsächlich erfolgreiche Projekte, die andere für unmöglich halten. Und noch nie zuvor hat ein 84-Jähriger eine Studentenrevolution angeführt. Er war bis vor wenigen Monaten Ministerpräsident in Bangladesch

Gütersloher Verlagshaus 2018
© Gütersloher Verlagshaus 2018

„Forbess“ nahm den Nobelpreisträger und Solar-Pionier Yunus in die Liste der „Zwölf größten Unternehmer der Gegenwart“ auf und „Business Week“ bezeichnete ihn als einen der „Fünf größten Unternehmer aller Zeiten“. Er steht dafür, dass „Economy“ und Ecology“, „Social“ und „Business“ sowie „Tech Innovation“ und „Social Innovation“ nur zusammen wirklich erfolgreich sind. Muhammad Yunus ist ein ganz großer und wichtiger Gestalter einer besseren Welt. Er ist ein Glücksbringer im wahrsten Sinne des Wortes.

Sein Resumee: „Es ist erfüllender und befriedigender, seine Tatkraft nicht nur für den eigenen Lebensunterhalt, sondern auch für das Gemeinwohl einzusetzen. Wenn ich für mich Geld mache, bin ich glücklich. Wenn ich aber andere Menschen glücklich mache, bin ich superglücklich. Man kann beides machen“, so Yunus. Er ist nicht der reichste Banker der Welt, aber der erfolgreichste. Dafür hat er schon jetzt ein dickes Konto im Himmel. Er hat mit seinen Mini-Krediten  Millionen Menschen ein besseres Leben ermöglicht.

Muhammad Yunus realisiert hauptsächlich Projekte, die andere für unmöglich hielten. Und er beweist immer wieder: Etwas gilt nur so lange als unmöglich bis es möglich wurde. Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist: Deutschland ist erneuerbar, Europa ist erneuerbar, die Welt ist erneuerbar.

Muhammad Yunus „Ein anderer Kapitalismus ist machbar: Wie Social Business Armut beseitigt, Arbeitslosigkeit abschafft und Nachhaltigkeit fördert“

Franz Alt „Die solare Weltrevolution“ – Aufbruch in eine neue Menschheitsepoche | HERDER 2025

Quelle

Franz Alt 2026

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