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Klima und Kirchen vor historischem Kipppunkt

Ein Versagen ist ein Versagen. Die letzten Tage haben gleich ein doppeltes historisches Versagen offenbart.

Die deutschen Kirchen erleiden auf dramatische Weise einen Deutungs- und Bedeutungsverlust und eine so starke Austrittswelle, dass sie nach 2.000 Jahren Bestand noch in diesem Jahrhundert verschwinden könnten. Wenn die Austrittszahlen nur so bleiben wie sie jetzt sind, gibt es am Ende unseres Jahrhunderts null Kirchenmitglieder in Deutschland. Doch die Zahlen steigen von Jahr zu Jahr. Es könnte auch schneller gehen. Der Münchner Kardinal Marx: „Wir sind an einem Tiefpunkt.“

Das zweite „komplette Versagen der Welt“ stellt die UNO beim Klimaschutz fest. Kurz vor dem nächsten Weltklimagipfel in Dubai. Dieser zweite Kipppunkt: 1990 emittierte die Welt ca. 20 Milliarden Treibhausgase pro Jahr in die Atmosphäre, heute sind es ca. 37 Milliarden pro Jahr. Die bisherigen 27 Weltklimakonferenzen hatten nur ein Ergebnis: Dem Klima geht es immer schlechter. Und UNO-Generalsekretär Antonio Guterres klagt: „Die Welt versagt dabei, die Klimakrise in den Griff zu bekommen… Wir sind auf dem Weg zur Klimahölle und geben dabei noch Gas“. Guterres fügt hinzu: „Die Kluft zwischen dem, was notwendig ist, und dem, was passiert, ist bedrohlicher denn je.“ So sei das 1.5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens nie zu erreichen . Statt dessen werden wir immer mehr Extremwetter wie zunehmende Stürme, brennende Wälder, Starkregen und Eisschmelze erleben. Wir müssten rasch aus den fossilen Energieträgern aussteigen. Stattdessen geben wir zur Zeit noch um die 200 Milliarden Dollar jedes Jahr für die Erschließung neuer Quellen von Gas, Kohle oder Erdöl aus. Der reine Wahnsinn im Angesicht des Klimawandels.

Und in Deutschland kommt nun noch das neue Urteil des Bundesverfassungsgerichts dazu. Es hat geurteilt, dass die Verwendung von Corona-Geld für Klimaprojekte verfassungswidrig ist. Dieses Urteil ist für den Klimaschutz verheerend. Die Abschaffung klimaschädlicher Subventionen wäre jetzt das beste Mittel, die fehlenden Milliarden für den Klimaschutz zu finanzieren. Man muss aber auch fragen, wie die Verfassungsrichter zu diesem Urteil kommen nachdem sie 2021 noch ein sehr weitgehendes Urteil für Klimaschutz gefällt und die damalige Regierung Merkel gezwungen haben, schärfere Gesetze für Klimaschutz zu verabschieden. Gelder im Bundeshaushalt dürfen nur in Notfällen umgeschichtet werden. 2021 war die Klimakrise für das Bundesverfassungsgericht noch ein „Notfall“, doch jetzt wo sich die Klimakrise immer mehr verschärft soll sie nach Meinung des höchsten deutschen Gerichts kein Notfall mehr sein: Ihr Herren Richter in Karlsruhe: Wie erklären sie bitte diesen Widerspruch?

Der Kirchen-Kipppunkt: Der Vertrauensabsturz der Kirchen ist so dramatisch, dass zur Zeit 37 Prozent der deutschen Protestanten und 43 Prozent der Katholiken über einen Kirchenaustritt nachdenken. Das hat eine neue „Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung“ (KMU) ergeben.

Aber nicht nur die Kirchenmitgliedschaft geht Jahr um Jahr stärker zurück, auch die Religiosität nimmt ab. Nur noch 19 Prozent der Deutschen glauben, dass es einen Gott gibt, der sich in Jesus offenbart. Die Autoren der Studie sehen beide Kirchen hierzulande an einem „Kipppunkt“. 2023 gibt es in Deutschland erstmals mehr Nichtchristen als Christen. Die Mehrheit hat mit Gott oder Religion nur noch wenig am Hut oder im Kopf oder in der Seele.

Deutschland, so die Studie, ist eine „postkonfessionelle Gesellschaft“. Die Leute empfinden, dass die christlichen Kirchen und ihre Theologen wie Kardinal Wölki oder Erzbischof Gänswein oder auch der bayerische Papst Benedikt aus Jesu Frohbotschaft eine Drohbotschaft gemacht haben, von der sie sich abwenden. Daran liegt das eigentliche Versagen der Kirchen. Die Männerkirche, die den jungen Mann aus Nazareth eher verfälscht hat als dass sie ihm nachgefolgt wäre, hat erreicht, dass heute immer mehr Menschen sagen: „Jesus ja, Kirche nein“.

Beide Versagen und beide Kipppunkte sind kein Naturgesetz

Für die Bewältigung der Klimakrise haben wir seit Jahrzehnten alle notwendigen Technologien, die wir brauchen: Solaranlagen, Windräder, Wasserkraft, Bioenergie, Erdwärme sowie Strömungs- und Wellenenergie der Ozeane. Die Welt ist voll mit erneuerbarer Energie. Allein die Sonne schickt uns 15.000 Mal mehr als die gesamte Menschheit heute verbraucht. Und das macht sie noch einige Milliarden Jahre: kostenlos und umweltfreundlich.

Das gleiche gilt für die Frohbotschaft des Jesus von Nazareth. Über die Bibelübersetzung aus dem Griechischen haben die Theologen eine Angstbotschaft mit Höllenstrafen gemacht. Jesus aber sprach Aramäisch. Die alten aramäischen Texte aus Jesu Muttersprache sind seiner Frohbotschaft sehr nahe. 

Papst, Bischöfe und Theologen sollten in neuen Bibelübersetzungen endlich auf Jesu Muttersprache zurückgreifen. Dann müssten sie feststellen, dass in den heutigen Übersetzungen aus dem Griechischen mehr als jedes zweite Jesus-Wort falsch übersetzt oder gar bewusst gefälscht ist.  Die Kirchen sollten endlich damit aufhören, ihren Jesus ständig „verbessern“ zu wollen. Wenn die Worte nicht stimmen, ist die ganze Botschaft falsch. Solange die Kirchen auf diesem Holzweg sind, schwindet der Glaube an Gott und das Vertrauen in die wirkliche Botschaft Jesu und es verdampft der Geschmack für das Unendliche.

1949 bekannten sich noch über 90 Prozent der Westdeutschen zum Glauben an Gott. 2023 sind es noch etwa 30 Prozent. Nietzsches Auflehnung gegen die griechisch-biblische Religion bestand darin, dass er ihr eine „Sklavenmoral“ vorwarf. Deshalb forderte schon er eine „Neubelebung“ der europäischen Kultur.

Hoffnung gibt die historische Erkenntnis, dass Menschen lernfähig sind. Der Dalai Lama sagt dazu: “Ethik ist wichtiger als Religion“. Die Welt brauche eine „Revolution des Mitgefühls“. Oder einen wirklich universalistischen Humanismus nach dem Motto: Die Würde des Menschen und der Menschheit sind unantastbar.

Quelle

Franz Alt 2023

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