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© UN-Generalsekretär António Guterres hat auch ein Diplom in elektrischer Energietechnik. (Bild: Eric Bridiers/​United States Mission Geneva/​Flickr)

Die Verschmutzer sollen zahlen

Vor dem Klimagipfel COP 31: UN-Generalsekretär Guterres fordert, Öl-, Gas- und Kohlekonzerne stärker zu besteuern, um sie am Klimaschutz zu beteiligen. Auf dem kommenden Weltklimagipfel soll die Elektrifizierung vorangebracht werden.

„Die Verschmutzer müssen zahlen.“ Mit diesem Appell drängt UN-Generalsekretär António Guterres angesichts der Klima- und Energiekrise darauf, die fossile Industrie stärker an deren Kosten zu beteiligen.

Guterres sagte jetzt in seiner letzten Rede vor der UN-Vollversammlung in New York: Wer am meisten emittiert und daran am meisten verdient habe, müsse deutlich mehr zur Beseitigung der verursachten Schäden beitragen.

Bereits im Juni hatte der scheidende UN-Chef die Regierungen aufgefordert, die hohen Gewinne der Öl-, Gas- und Kohlekonzerne stärker zu besteuern und die Einnahmen besonders gefährdeten Kommunen sowie dem Umstieg auf saubere Energie zugutekommen zu lassen.

„Wir wissen, dass die Interessen der fossilen Energiewirtschaft nicht von selbst das Feld räumen werden. Seit Jahrzehnten behandelt Big Oil die Atmosphäre wie einen offenen Abwasserkanal – und verdient an den Folgen“, sagte Guterres.

Seit Russlands Einmarsch in die Ukraine hätten fünf große westliche Ölkonzerne fast eine halbe Billion US-Dollar an Gewinnen eingestrichen. Dem stünden nur 34 Milliarden Dollar gegenüber, die mobilisiert worden seien, um Entwicklungsländer bei der Anpassung an die Erderwärmung zu unterstützen.

Die Forderung zielt auf die Klimadebatten rund um die Generalversammlung, zu der parallel auch die New Yorker „Climate Week“ stattfindet. Für Mittwoch hat Guterres Staats- und Regierungschefs zu einem hochrangigen Treffen über Klimaschutz und einen gerechten Übergang eingeladen.

Dazu passend wurde soeben im Bundeskabinett die deutsche „Roadmap for Transitioning Away from Fossil Fuels“ vorgestellt, die Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) in New York bei der UN vorlegte.

KI-Boom droht Energiewende auszubremsen 

UN-Klimachef Simon Stiell nutzte die Klimawoche für deutliche Worte. Er nahm dabei besonders den rasch wachsenden Strombedarf der künstlichen Intelligenz ins Visier. Die Tech-Konzerne müssten zeigen, dass der Nutzen der KI deren „rasant steigende Kosten“ überwiege, sagte Stiell in New York.

Energiehungrige KI könne die Nachfrage nach fossilen Energien und damit auch die Energiekosten in die Höhe treiben. Zugleich könne KI beim Klimaschutz helfen, etwa bei der Steuerung von Stromnetzen oder bei Frühwarnsystemen.

Stiell verwies damit auf die Kehrseite des KI-Booms: Zusätzlicher Strombedarf könne den Verbrauch von Kohle und Gas und damit die Emissionen erhöhen, wenn die Versorgung nicht schnell genug auf erneuerbare Energien umgestellt wird.

Guterres hatte bereits im Juni anlässlich eines UN-Reports gefordert, große KI-Unternehmen müssten den vollständigen Umwelt-Fußabdruck ihrer Systeme offenlegen – bei CO2, Wasser und Flächenverbrauch – und ihre Rechenzentren ab 2030 komplett mit erneuerbarer Energie betreiben.

Die Debatte führt direkt zur nächsten UN-Klimakonferenz COP 31, die vom 9. bis 20. November im türkischen Antalya stattfindet. Die türkischen Gastgeber haben gemeinsam mit Australien, das die Verhandlungen leitet, die Elektrifizierung zu einem Schwerpunkt gemacht.

2035 soll Strom 35 Prozent des weltweiten Endenergieverbrauchs decken. Derzeit sind es nach Angaben der Internationalen Energieagentur IEA rund 23 Prozent. Hinter dem etwas technischen „35-by-35“-Ziel steckt ein grundlegender Umbau des Energiesystems.

Autos sollen statt mit Benzin und Diesel zunehmend mit Strom betrieben, Gebäude statt mit Öl und Gas etwa mit Wärmepumpen beheizt und auch industrielle Prozesse so weit wie möglich elektrifiziert werden. Hinzu kommen Ziele für weniger Müll und effizientere Gebäude.

Klimabündnis fordert höhere Ziele zur Elektrifizierung

Rückenwind bekommt der Vorstoß durch eine neue IEA-Analyse, die auf Wunsch der Türkei und Australiens erstellt wurde. Danach könnte der Stromanteil mit heute verfügbaren Technologien bis 2035 wirtschaftlich auf 33 Prozent steigen.

Das 35-Prozent-Ziel liege damit in Reichweite. Angesichts der höheren Preise für fossile Brennstoffe infolge der aktuellen Energiekrise könne sich sogar noch mehr Elektrifizierung wirtschaftlich rechnen.

Die IEA sieht darin nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz. Eine beschleunigte Elektrifizierung könne die Importrechnung der brennstoffimportierenden Länder bis 2035 gegenüber 2025 um mehr als 400 Milliarden US-Dollar drücken.

Der weltweite Ölverbrauch läge dann um 18 Millionen Barrel pro Tag niedriger als ohne diesen zusätzlichen Schub, vor allem durch mehr Elektroautos. In Verkehr, Gebäuden und Industrie würden die CO2-Emissionen bis 2035 um 40 Prozent sinken. Allerdings brauche es dafür deutlich mehr Investitionen in Stromerzeugung, Netze und flexible Systeme, so die IEA.

Nichtregierungsorganisationen geht das Vorhaben dennoch nicht weit genug. Das Climate Action Network (CAN), ein weltweites Netzwerk von mehr als 2.500 zivilgesellschaftlichen Organisationen, begrüßt zwar, dass Elektrifizierung stärker ins Zentrum der Klimapolitik rückt.

Doch 35 Prozent seien zu wenig. Unter Berufung auf Szenarien des Weltklimarats IPCC, der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien Irena und auch der IEA fordert CAN einen Anteil von 45 Prozent bis 2035 und rund 80 Prozent spätestens 2050.

Zudem müsse festgeschrieben werden, dass die Elektrifizierung mit erneuerbaren Energien geschieht. Ein E‑Auto, das mit Ökostrom fährt, verdrängt im Betrieb fossile Energie. Wird es dagegen aus einem stark fossil geprägten Netz geladen, fällt der Klimavorteil geringer aus.

Quelle

Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Joachim Wille) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! (Bild: Eric Bridiers/​United States Mission Geneva/​Flickr)

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