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12.01.2020

Doch bessere Klimapolitik in Australien?

Nach Massenprotesten in allen Großstädten des Landes deutet Australiens Regierungschef Scott Morrison eine Kurskorrektur an. Der konservative Premier erkennt erstmals den Klimawandel als Grund für die Rekordhitze an und schließt schärfere CO2-Ziele nicht mehr aus. Seinen industrienahen Kurs will er dennoch fortsetzen.

Australiens Premierminister Scott Morrison hat erstmals nicht mehr ausgeschlossen, dass seine Regierung ihre Klimapolitik verschärft. In einem Interview mit dem Sender ABC sagte er am Wochenende, seine Regierung könne ihre Politik etwas ändern, einschließlich der CO2-Reduktionsziele für 2030.

"In den kommenden Jahren werden wir unsere Politik in diesem Bereich weiterentwickeln, um die Emissionen noch weiter zu reduzieren", sagte er. Als ersten Schritt denke er an die Einsetzung einer Untersuchungskommission zu den Bränden.

Morrison ist wegen seines Umgangs mit der Brandkatastrophe im Land politisch gewaltig unter Druck, besonders, seitdem er im Dezember einen Hawaii-Urlaub machte, als die Krise auf ihren ersten Höhepunkt zusteuerte.

Bisher hatte er eine Verschärfung der Klimaziele ausgeschlossen – eine Linie, die sich angesichts der wachsenden Proteste im Land offenbar nicht mehr durchhalten lässt.

Am Freitag hatten mehrere Zehntausend Bürger in den Großstädten Sydney, Melbourne, Canberra, Adelaide und Brisbane für eine entschlossenere Klimapolitik, einen Rücktritt Morrisons und mehr Geld für die Feuerwehrleute demonstriert, die gegen die Brände kämpfen.

Die Proteste waren von den Gruppen Uni Students for Climate Justice und Extinction Rebellion Australia organisiert worden.

Australien hat sich im Rahmen des Pariser Klimaabkommens dazu verpflichtet, seinen Treibhausgas-Ausstoß bis 2030 um 26 bis 28 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2005 zu senken.

Um dieses Ziel zu erreichen, will die konservative Morrison-Regierung allerdings vor allem Emissionsgutschriften aus der Erfüllung früherer Kyoto-Ziele nutzen und nicht nur tatsächliche CO2-Reduzierung betreiben.

Kritiker halten das CO2-Ziel ohnehin für zu schwach, um das Paris-Limit von maximal 1,5 bis zwei Grad globaler Erwärmung einzuhalten, und sprechen mit Blick auf die Kyoto-Anrechnung von einem "Buchhalter-Trick".

CO2-Ausstoß soll kostenlos und Strom billig bleiben

Australiens Treibhausgas-Emissionen steigen seit 2015 wieder. Eine der Ursachen: Die konservative Regierung in Canberra schaffte 2014 ein von der sozialdemokratischen Vorgängerregierung eingeführtes CO2-Handelssystem wieder ab.

Zentrales Element der Klimapolitik ist heute ein Fonds, aus dem große CO2-Verursacher wie Bergbau- und Industrieunternehmen für von ihnen erreichte Emissionsreduzierungen entschädigt werden.

Auch im aktuellen Interview betont Morrison, seinen industrienahen Kurs fortsetzen zu wollen. "Wir werden unsere Emissionen weiter senken, ohne eine CO2-Steuer zu erheben, ohne die Strompreise zu erhöhen und ohne die traditionellen Industrien zu schließen, von denen die Australier in den Regionen abhängen."

Australien ist der weltgrößte Exporteur von Kohle und produziert rund 70 Prozent seines Stroms damit.

Morrison räumte ein, er ernenne inzwischen an, dass der Klimawandel für längere, heißere und trockenere Sommer verantwortlich sei. Das Ausmaß der Brände nannte er "beispiellos".

"Es ist eine Tatsache, dass wir in den nächsten zehn Jahren und darüber hinaus in einem ganz anderen Klima leben werden und unsere Widerstandsfähigkeit dafür verbessern müssen", sagte er.

Morrison entschuldigte sich erneut für seinen Hawaii-Urlaub und sagte, er hätte auch vor Ort besser mit der Krise umgehen sollen. Der Premier war bei Besuchen im Brandgebiet ausgebuht worden.

349 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt

Bei den verheerenden Buschbränden sind bisher mehr als zehn Millionen Hektar Fläche verbrannt, das entspricht in etwa der Größe von Bayern und Baden-Württemberg zusammengenommen.

Mindestens 27 Menschen starben. Die Opferzahl erhöhte sich am Wochenende, als ein weiterer Feuerwehrmann beim Einsatz durch einen umfallenden Baum getötet wurde. Mehr als 2.000 Häuser sind zerstört worden, zudem kamen laut Experten bis zu 1,2 Milliarden Tiere um.

Durch die Brände wurden nach Schätzungen bisher 349 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt. Zum Vergleich: Australien hat 2018 insgesamt 532 Millionen Tonnen emittiert.

Derzeit am gefährlichsten sind die Brände an der Grenze zwischen den Bundesstaaten New South Wales und Victoria. Dort hatten sich in der Nacht zum Samstag drei Feuer zu einem Mega-Brand von 600.000 Hektar vereint, was einem Drittel der Fläche von Sachsen entspricht.

Am Wochenende entspannte sich die Lage etwas, dank niedrigerer Temperaturen, teilweise einsetzendem Regen und nachlassendem Wind.

Ein Ende der Brandsaison ist allerdings vorerst nicht absehbar, sie kann noch Wochen oder Monate andauern. In Australien ist gerade Hochsommer.

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Quelle   Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Joachim Wille) 2020 verfasst - der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

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