EU-Klimapolitik hat substanzielle Fehlsteuerung
Forscher der Technischen Universiät München kritisieren Fokus auf CO2-Emissionen über Abgase.
Die EU-Klimapolitik weist substanzielle Fehlsteuerungen in der Regulatorik auf – vor allem in Bezug auf die Elektromobilität: Zu dem Schluss kommen Forscher der Technischen Universiät München (TUM) in der eigenen Angaben nach derzeit umfassendsten Studie in dem Bereich. Das White Paper basiert auf 19 Studien mit 47 modellierten Szenarien.
Lebenszyklusbasierter Standard
„Die größte ökonomische wie ökologische Fehlsteuerung besteht darin, dass die Regulatorik der EU-Kommission ausschließlich auf den CO2-Emissionen über Abgase beruht“, erklärt TUM-Forscher Johannes Fottner. So würden rein batterieelektrisch betriebene Fahrzeuge als klimaneutral betrachtet und die grünen Anstrengungen der Industrie nicht genügend honoriert.
Die Studie belegt den Wissenschaftlern zufolge den zentralen Irrtum der CO2-Regulierung der EU, die die Klimabilanz von Autos an einem einzigen Punkt misst: am Auspuff. Die Experten der TUM schlagen stattdessen einen lebenszyklusbasierten Standard vor, der jeden nachweisbaren Beitrag zur Senkung fossiler Emissionen anrechnet.
Maßnahmen werden kaum belohnt
Der Analyse nach reduzieren E-Autos die Lebenszyklus-Emissionen in 92 Prozent der Fälle im Schnitt um 41 Prozent. Die Spannbreite der Abweichungen von CO2-Emissionen von Verbrennern reiche von einer Reduktion von 89 Prozent bis hin zu einer Mehrbelastung von 21 Prozent. Die auspuffbasierte Messgröße blende Klimabeiträge jenseits des Antriebs aus.
Investieren Hersteller in fast CO2-freien Stahl, dekarbonisiert ein Zulieferer die Akkuproduktion oder hält eine Recycling-Firma kritische Rohstoffe im Kreislauf, verbessere das in der aktuellen EU-Regulierung die Kennzahl der Verordnung um kein Gramm. Eine Regulierung, die relevante Beiträge zur Dekarbonisierung nicht erfasst, kann sie auch nicht belohnen, heißt es.
Nach einer Studie (Tang et al., 2023) würde der Pkw-Sektor beim von der EU angestrebten Tempo des Hochlaufs der Elektromobilität bis 2030 nur rund 80 Mio. Tonnen CO2-Reduktion liefern – es würden jedoch 188 Mio. Tonnen gebraucht, um die Ziele zu erfüllen. Die Reform der Verordnung (EU) 2019/631 ist Teil des „Automotive Package“ der EU-Kommission.
- Technical University of Munich (ed.): “Defossilisation, Not Decarbonisation: Toward a Lifecycle-Based Standard for Automotive Greenhouse Gas Regulation.” White Paper, Munich, September 2026. DOI 10.14459/2026md1861116, https://mediatum.ub.tum.de/doc/1861151/1861151.pdf
Quelle
Der Bericht wurde von der Redaktion „pressetext.com“ (Florian Fügemann) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung weiterverbreitet werden! | Technischen Universiät München (TUM) 2026







