Europa muss bei Energie unabhängig werden
Expertinnen der Brookings Institution fordern massive Investitionen und geostrategisches Denken: „Die Kosten werden hoch sein – aber die Kosten der Untätigkeit werden noch höher sein.“
Mit diesen Worten fasst Constanze Stelzenmüller, Direktorin des Center on the United States and Europe der Brookings Institution, die in vielen Staaten Europas nach wie vor bestehende Energie-Abhängigkeit von Russland und anderen Staaten zusammen. Auch ihre Kollegin Samantha Gross, Direktorin der Initiative für Energiesicherheit und Klima, fordert mehr Unabhängigkeit.
Energieintegration als Schlüssel
Die europäische Energieintegration bietet den Expertinnen der Brookings Institution nach Potenzial und könnte den Übergang des Kontinents zu sauberer Energie stark beschleunigen. Ein stärker energievernetztes Europa würde einzelnen Ländern helfen, mit Energie-Unterbrechungen und -engpässen umzugehen.
Sollten solche Störungen auftreten, könnten grenzüberschreitende Lieferungen aus Nachbarstaaten Versorgungs- und Preisschocks abfedern, was allerdings schon allgemeine Praxis sei. Diese müssten aber noch ausgebaut werden.
Eine stärkere Integration werde auch eine effizientere Steuerung von intermittierenden erneuerbaren Stromquellen wie Solar- und Windenergie ermöglichen. Da ein größerer Teil der Nachfrage durch kostengünstigere Quellen aus dem gesamten Kontinent gedeckt werden könne, würden die Gesamtenergiekosten sinken.
Kosten bei Hunderten Mrd. Euro
Trotz dieses Potenzials weisen die Autorinnen darauf hin, dass die Integration mit erheblichen wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen verbunden sein werde. Aufbau und Modernisierung von Infrastruktur, wie Übertragungsleitungen und Pipelines, erforderten Mittel von EU, Mitgliedstaaten und Investoren.
Die Kosten würden sich auf Hunderte Mrd. Euro belaufen und wahrscheinlich Fragen darüber aufwerfen, wer für was aufkommen soll. Jedes Land werde einen Teil der Kontrolle über sein Energiesystem abgeben müssen, was politisch und logistisch schwierig sein könne.
Auch KI-Politik darf laut IfW-Kiel-Forscherin Matilde Ciani nicht von Energiepolitik getrennt werden. „Europa plant eine ehrgeizige digitale Infrastruktur, ohne sicherzustellen, dass das Stromsystem dies auch tragen kann.“ In ihrem „Kiel Policy Brief“ analysiert die Expertin den Plan der Verdoppelung der Rechenzentrumskapazitäten in der EU bis 2030, wie pressetext berichtete.
Geopolitik zwingt zum Umdenken
Bis vor Kurzem konzentrierten sich die europäischen Länder vor allem darauf, zuverlässige Wege für den Import von Brennstoffen zu sichern, während sie parallel dazu den Übergang zu erneuerbaren Energien schaffen wollten.
Die jüngsten geopolitischen Umwälzungen, darunter Russlands Invasion in der Ukraine, der Iran-Konflikt und eine zunehmend repressive und unberechenbare USA, hätten den europäischen Staats- und Regierungschefs klar gemacht, dass sie schnell und entschlossen handeln müssen
Ziel sei eine sichere Energieversorgung Europas, die nachhaltig und bezahlbar bleibe. Gross: „Für Europa könnte sich eine Win-win-win-Situation ergeben. Die Verbesserung der Energiesicherheit führt gleichzeitig zur stärkeren Ausrichtung auf Erneuerbare und langfristig zur Senkung der Gesamtenergiekosten.“
Quelle
Der Bericht wurde von der Redaktion „pressetext.com“ (Wolfgang Kempkens) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung weiterverbreitet werden!







