Folgen des Iran-Kriegs: Trump treibt globale Energiewende voran
Der Iran-Krieg lässt wichtige Länder in Asien plötzlich umdenken. Der neue Trend geht weg von Öl und Gas, hin zu Erneuerbaren und E‑Autos. Die Strom-Infrastruktur hat allerdings viele Mängel.
Der Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus treiben viele Länder in Süd- und Südostasien weg von Öl und Gas. Regierungen setzen nun massiv auf Solarenergie, Batterien und Elektroautos – doch zugleich laufen Kohlekraftwerke länger. China profitiert als Lieferant der grünen Technik.
Eine kuriose Entwicklung: US-Präsident Donald Trump, der nichts unversucht lässt, um den Erdöl- und Erdgas-Verbrauch zu pushen, fördert mit seinem Iran-Krieg die globale Energiewende.
In Manila werden Klimaanlagen gedrosselt oder ausgeschaltet, weil der Strom fehlt. In Dhaka schließen Einkaufszentren früher, um Energie zu sparen, in Colombo bilden sich lange Schlangen vor Tankstellen, und in Karatschi kämpfen Millionen Menschen mit Stromausfällen.
Der Krieg gegen den Iran und die dadurch ausgelöste weitgehende Blockade der Straße von Hormus haben die Energieversorgung vieler asiatischer Staaten in eine tiefe Krise gestürzt. Besonders betroffen sind Länder, die bei Öl und Gas fast vollständig von Importen abhängen, darunter die Philippinen, Pakistan, Bangladesch oder Sri Lanka.
Die Region bekommt die Folgen besonders hart zu spüren, weil rund vier Fünftel der Öl- und Flüssigerdgas-Lieferungen aus dem Persischen Golf nach Asien gehen. Die Ölimporte asiatischer Länder sind im April um rund 30 Prozent eingebrochen – was besonders den Verkehr trifft –, ebenso die Gaslieferungen, die in vielen Ländern wichtig für die Stromversorgung sind.
In mehreren Staaten wurden Notmaßnahmen eingeführt. Auf den Philippinen gilt der Energienotstand, Behörden arbeiten teils nur noch an vier Tagen pro Woche, um Strom und Treibstoff einzusparen. In Bangladesch müssen Geschäfte früher zumachen, Universitäten wurden zeitweise geschlossen, um Elektrizität zu sparen. Malaysias Regierung hat ihren Beamten verboten, mit dem Auto ins Büro zu fahren.
Energiepolitischer Kurswechsel in Südostasien
Doch die Krise hat eine zweite Seite. Sie beschleunigt in vielen Ländern die Energiewende – und zwar deutlich schneller, als es noch vor wenigen Jahren denkbar schien. Was bislang oft als zu teuer, technisch unsicher oder politisch riskant galt, wird plötzlich zur Frage der nationalen Sicherheit: Solarstrom, Windenergie, Batteriespeicher und Elektrofahrzeuge.
„Der Iran-Krieg beschleunigt die globale Energiewende erheblich“, betonte unlängst UN-Klimachef Simon Stiell. Der Grund: Saubere Energien seien nicht nur klimafreundlicher, sondern auch geopolitisch verlässlicher als fossile Brennstoffe.

Vor allem Südostasien erlebt derzeit einen energiepolitischen Kurswechsel. Indonesien, bisher stark von Kohle und Diesel abhängig, treibt den Ausbau von Solarparks plötzlich mit großem Tempo voran. Die Regierung plant inzwischen zusätzliche Solarkapazitäten von bis zu 100.000 Megawatt bis 2028 – das Doppelte der heutigen Stromerzeugungskapazität des 280-Millionen-Einwohner-Landes. Auch Malaysia und die Philippinen beschleunigen Genehmigungen für Photovoltaik- und Speicherprojekte.
Vietnam will bis 2030 rund 50 Prozent des Stroms erneuerbar gewinnen und setzt auf verstärkt auf Batteriespeicher und auf die Elektrifizierung des Verkehrs, um seine hohe Importabhängigkeit von Öl zu reduzieren. Die Verkäufe von Elektrofahrzeugen verdoppelten sich zuletzt in dem Land, in Thailand war der Zuwachs ebenso hoch.
Riesige Investitionen in Netze und Speicher nötig
Der Trend ist eindeutig, wie sich am Beispiel von Pakistan zeigt. Dort hat der Solarausbau inzwischen geradezu explosionsartige Ausmaße angenommen. Nach Daten des Thinktanks Ember importierte das Land 2024 Solarmodule aus China mit einer Gesamtnennleistung von rund 17.000 Megawatt – doppelt so viel wie im Vorjahr. Inzwischen wachsen die Mengen weiter. Solarenergie deckt zeitweise schon rund ein Viertel der Stromversorgung des Landes.
Die neue Dynamik bedeutet allerdings keineswegs, dass Kohle plötzlich verschwindet. Im Gegenteil: Mehrere asiatische Länder wie Bangladesch und Südkorea lassen alte Kohlekraftwerke länger laufen oder nehmen stillgelegte Blöcke wieder ans Netz, um die Gasknappheit auszugleichen. Britische Medien berichteten schon Anfang April, dass Länder in Asien verstärkt auf dirty fuels zurückgreifen, um Stromausfälle zu verhindern.
Zugleich erlebt auch die Debatte über Atomkraft neuen Auftrieb. Singapur und Indonesien prüfen inzwischen intensiv den Einsatz von Mini-AKW, Small Modular Reactors (SMR) genannt. Noch ist freilich unklar, ob die Technologie tatsächlich wirtschaftlich funktioniert. Fachleute warnen zudem vor Sicherheits- und Entsorgungsrisiken.
Klar ist indes: Ohne einen massiven Umbau der Stromnetze wird die neue Energiewelt nicht funktionieren. Viele Länder Süd- und Südostasiens haben schwache, oft überlastete Netze, die für große Mengen schwankenden Solar- und Windstroms nicht ausgelegt sind.
Laut der Asiatischen Entwicklungsbank ADB braucht die Region deshalb gigantische Investitionen in Leitungen, Speicher und grenzüberschreitende Stromverbindungen. Die Bank kündigte nun ein Infrastrukturprogramm in Höhe von 70 Milliarden US-Dollar an, darunter Milliarden für ein „Pan-Asia Power Grid“. Ziel ist es, erneuerbaren Strom künftig auch grenzüberschreitend zu handeln.
Eine enorme geopolitische Verschiebung
Der größte Gewinner dieser Entwicklung ist eindeutig China. Das ostasiatische Land dominiert inzwischen weite Teile der globalen Lieferketten für Solarmodule, Stromspeicher und E‑Autos. Mit der Energiekrise steigt die Nachfrage nach diesen Produkten sprunghaft.
Der Agentur Reuters zufolge erreichten Chinas Exporte von Clean-Tech-Produkten bereits im März einen neuen Rekordwert von 26 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 52 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark legten Solarsysteme zu, ihre Ausfuhren sprangen binnen eines Monats von 2,1 auf 4,8 Milliarden Dollar. Zu den größten Käufern gehörten Indonesien, die Philippinen, Indien und Pakistan.
Die Washington Post bezeichnete China deshalb bereits als größten Nutznießer der kriegsbedingten Energiekrise. Der britische Guardian schrieb, die aktuelle Entwicklung erinnere an die Ölkrisen der 1970er Jahre – nur dass diesmal vor allem chinesische Hersteller von Solaranlagen, Batterien und Elektroautos zu den Gewinnern gehörten.
Die geopolitische Verschiebung ist enorm. Jahrzehntelang galt fossile Energie in vielen asiatischen Ländern als Garant für wirtschaftliche Stabilität. Nun wird sie zunehmend als Sicherheitsrisiko wahrgenommen. Die Staaten versuchen hektisch, sich unabhängiger von Öl- und Gasimporten zu machen.
Das geschieht weniger aus Klimagründen, sondern aus Angst vor der nächsten Krise. Für das Klima könnte das trotzdem eine gute Nachricht sein. Denn gerade jene Region, die bislang den größten Zuwachs beim Energieverbrauch verzeichnete, würde nun schneller als erwartet in das Zeitalter der grünen Elektrifizierung eintreten.
Ob das tatsächlich der Start einer dauerhaften Energiewende wird oder nur eine hektische Krisenreaktion ist, dürfte sich allerdings erst zeigen, wenn der Iran-Krieg vorbei ist und die Ölpreise wieder sinken.
Quelle
Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Joachim Wille) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden!







