Jahrelanges Verhindern der Erneuerbaren ist die Ursache der heutigen Wirtschaftskrise
Jahrelanges Verhindern eines schnellen Ausbaus der Erneuerbaren Energien unter Merkel ist die tiefere Ursache der heutigen Wirtschafts- und Energiekrise. „Die Energiepreise“ sind infolge des Irankrieges gestiegen und belasten die deutsche Wirtschaft – so lauten alle Analysen, die ich täglich rauf und runter in den Medien lese.
Die Aussage „die Energiepreise sind gestiegen“ ist jedoch bereits falsch.
Stark gestiegen sind seit dem Beginn des Irankrieges im Februar 2026 die Erdöl- und LNG-Erdgaspreise sowie die Kohlepreise; interessanterweise auch die Uranpreise, also der Brennstoff für Atomkraftwerke.
Quelle: Trading Economics – Commodities
Doch die Strompreise, die sonst immer im Mittelpunkt der Medienkommentare stehen, sind in Deutschland für Haushaltsstromkunden nicht nennenswert gestiegen, sondern bleiben auffällig niedrig.
Quelle: Strom-Report – Strompreisentwicklung 2026
Die Erneuerbaren Energien sind die Preissenker – besonders in fossilen Energiekrisen
Der Grund ist schnell ausgemacht: Seit Februar und vor allem im März und April dieses Jahres gab es viel Sonnenschein und guten Wind. Die teuren Erdgaspreise schlugen also kaum auf den Strompreis durch, obwohl diese – und insbesondere die Ölpreise – stark gestiegen sind.
Dies war in der Energiekrise 2022 infolge des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine noch anders. Insbesondere im sonnenarmen Winter schossen mit den hohen Erdgaspreisen auch die Strompreise in die Höhe. Haushalts- und insbesondere Industriekunden mussten wegen sehr hoher Erdgaspreise hohe Strompreise bezahlen.
Quelle: BDEW – Strompreisanalyse
Die Aussage: „Die Energiepreise steigen wegen des Irankrieges und der Sperrung der Straße von Hormus“ ist zumindest aktuell falsch. Es steigen eben nur die fossilen Preise und das trifft alle diejenigen, die die letzten 20 Jahre nicht genutzt haben, ihre Heizungen und Autos auf elektrisches Heizen und Fahren mit möglichst selbst erzeugtem Ökostrom umzustellen.
Es wird Zeit, dass dies in allen Medien korrekt dargestellt wird. Mit der pauschalen Falschaussage wird verschleiert, was die eigentliche Lösung in dieser fossilen Energiekrise und zur Vorbeugung zukünftiger Krisen ist: eine Vollversorgung mit 100 % heimischen, dezentralen erneuerbaren Energien. Je näher eine Volkswirtschaft, ein Haushalt oder ein Unternehmen dieser Vollversorgung kommt, desto geringer sind die wirtschaftlichen Belastungen durch hohe fossile Energiepreise.
16 Jahre Merkelregierungen mit SPD und FDP haben es zu verantworten, dass der Irankrieg auch zur Wirtschaftskrise in Deutschland geworden ist. Und Kanzler Merz macht wie Kanzlerin Merkel weiter
Hätten wir in Deutschland schon längst eine weitgehende Energieversorgung mit Erneuerbaren Energien, hätte die Kappung der Erdgaslieferungen durch Putin keinen Energiepreisschock verursacht und in den Jahren 2022/23 keinen wirtschaftlichen Schaden von 150 Milliarden Euro ausgelöst.
Quelle: Hans-Josef Fell – „Schaden durch Energiewendebremsen“
Hätten wir heute schon weitgehend Erneuerbare Energien auch in den Sektoren Verkehr, Heizungen und Industrie, so gäbe es durch den Irankrieg und die Sperrung der Straße von Hormus kaum einen wirtschaftlichen Schaden. Das gilt auch, wenn z.B. Düngemittel nicht aus dem Nahen Osten oder Russland importiert würden, sondern heimisch erzeugt würden, etwa als Naturdünger aus Biogasanlagen. Auch Biokunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen stammen aus heimischem Anbau, statt die Plastikrohstoffe wie Erdöl und Erdgas aus dem Nahen Osten.
Die Fehler unter den deutschen Regierungen sind gravierend und zahlen sich heute im großen Wirtschaftsschaden Deutschlands aus:
Hier sind einige wenige der vielen Handlungen, mit denen die Regierungen Merkel den unter Rot-Grün angestoßenen Hochlauf der Erneuerbaren Energien und der erdölfreien Wirtschaft gestoppt haben:
- Unter Rot-Grün wurden Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen von den DSD-Gebühren (Duales System Deutschland, besser bekannt als „Gelber Sack“) befreit. Ein starker Hochlauf von Biokunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen konnte sich entwickeln. In der ersten Wahlperiode von Kanzlerin Merkel wurde diese DSD-Gebührenbefreiung abgeschafft und der Hochlauf der Biokunststoffverpackungen jäh gestoppt. Heute warnt die Chemieindustrie, dass die Preise für Plastikflaschen, Plastikverpackungen, Müllsäcke u. a. wegen des Irankrieges schnell steigen werden.
Quelle: n-tv – „Iran-Krieg lässt auch Plastikpreise explodieren“Hätten wir Kunststoffe aus heimischen nachwachsenden Rohstoffen oder Meeresalgen, statt diese auf der Basis von Erdöl und Erdgas weiter dynamisch zu entwickeln, so wäre das heute nicht passiert. - ne Biokraftstoffe wurden unter Rot-Grün im Jahr 2003 von der Steuer befreit. 2007 gab es schon über 1000 Traktoren auf den deutschen Äckern, die das eigene Pflanzenöl vom Acker nutzten, statt Erdöl aus dem Nahen Osten. 2007 wurde unter Kanzlerin Merkel diese Steuerbefreiung der Biokraftstoffe auf Forderungen der Mineralölwirtschaft mit Unterstützung des Bauernverbandes abgeschafft. Die Landwirte bekamen stattdessen eine vollständige Steuerbefreiung auf den Erdöldiesel (Agrardieselsteuerbefreiung). Die Biokraftstoffe wurden Benzin beigemischt, womit ein 90-prozentiger Anteil von Erdöl im Verkehrssektor über 25 Jahre gesichert wurde. Bauern blockierten dann 2024 die Straßen, als unter der Ampel die Agrardieselsteuerbefreiung abgeschafft werden sollte. Unter Kanzler Merz wurde der Agrardiesel wieder komplett von der Mineralölsteuer befreit.
Heute klagen Landwirte und der Bauernverband erneut wegen hoher Dieselpreise infolge des Irankrieges, obwohl sie komplett von der Agrardieselsteuerbefreiung befreit sind. Die Bundesregierung müsse beim Diesel jetzt die CO₂-Besteuerung aussetzen und die Energiesteuer zeitweise reduzieren, forderte Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, der gerade die volle Agrardieselsteuerbefreiung mit massiven Straßenblockaden durchgesetzt hatte.
Quelle: WirtschaftsWoche – „Bauernverband warnt vor steigenden Lebensmittelpreisen“Wann endlich begreifen der Bauernverband und die Bundesregierung, dass sie an dieser Lage selbst schuld sind, weil sie den Hochlauf der Biokraftstoffe für Traktoren vom eigenen Acker im Jahr 2007 jäh gestoppt haben? - Ab 2012 und in den folgenden Jahren wurden Stück für Stück die einst sehr wirksamen Grundlagen des EEG zerstört und mit ihnen der Hochlauf der Erneuerbaren Energien. 2013 wurde so der Ausbau der PV und der Biogasnutzung massiv gedrosselt. 2018 der Ausbau der Windkraft an Land und auf See. Alles Ergebnisse von bewussten Gesetzesänderungen gegen alle Warnungen der Unterstützer der Erneuerbaren Energien. Auch der Ausbau der Speicher wurde bis zur Ampel weitgehend verhindert, z. B. mit der Auflage, dass Batteriespeicher sowohl beim Stromeinspeisen als auch beim Ausspeisen die EEG-Umlage bezahlen mussten. Das hat den Hochlauf von Batteriespeichern verhindert und ihn China überlassen, das dann zum industriellen Marktführer wurde.
Das Ergebnis ist klar: Noch immer ist Deutschland insbesondere im Winter von Importkohle und Erdgas abhängig. In allen Dunkelflautenzeiten schlagen sich die hohen fossilen Brennstoffkosten massiv auf den Strompreis durch, obwohl die Lösungen für 100 % Erneuerbare Energien auch im dunklen Winter längst hätten umgesetzt werden können.
Merz, Klingbeil und Reiche heizen die jetzigen und kommenden fossilen Energiekrisen weiter an
Die aktuelle Regierung von Union und SPD hat nichts aus den gravierenden Fehlern unter Kanzlerin Merkel gelernt, sondern macht unbeirrt trotz aktueller massiver fossiler Energiekrise mit den gleichen oder ähnlichen Fehlern weiter. Hier nur einige wenige der vielen Beispiele:
- In die Ressortabstimmung wurde letzte Woche das Stromversorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz gegeben. Es sieht vor, dass für die Stromspitzenlastversorgung, also insbesondere in der winterlichen Dunkelflautenzeit neue Erdgaskraftwerke ausgeschrieben werden sollen. Wenn es dazu kommt, wird es im Winter sehr hohe Strompreise geben, wenn neben der Sperrung der Straße von Hormus auch Trump die LNG-Lieferungen nach Europa verteuert oder ganz einstellt, weil er selbst für die USA nicht mehr genug hat. Ein Ausbau der heimischen Speicher, der Wasserkraft, eine Flexibilisierung der Biogasanlagen und systemdienliche Stromtarife, die allesamt aus der Abhängigkeit von Erdgaslieferungen herausführen würden, werden mit diesem Gesetz faktisch nicht unterstützt.
- In die Ressortabstimmung der Bundesregierung wurden auch andere Gesetze aus dem Hause Reiche gegeben: das Netzpaket, die EEG-Novelle und weitere, die eine massiven Einbruch des Ausbaus der Erneuerbaren Energien bedeuten würden. Kommende fossile Energiekrisen lassen grüßen, da Ministerin Reiche offensichtlich die Lösung der fossilen und atomaren Energiekrisen nicht wahrhaben will: Die schnelle Umstellung auf 100 % heimische Erneuerbare Energien.
- Im Bundeskabinett wurde gerade eine Verschiebung des Verbots von Gas- und Ölheizungen mit weniger als 65-prozentigem Anteil Erneuerbarer Energien in Großstädten auf den 1. November verschoben. Ein Irrsinn! Damit würde der Neubau von neuen Erdöl- und Erdgasheizungen weiter erlaubt und deren Betreiber in hohe Heizkosten gestürzt. Die richtige Lösung stattdessen wäre gewesen, nur noch den Neubau von Heizungen zuzulassen, die gar keine fossilen Erdöl- und Erdgasmengen mehr benötigen würden. Verbunden mit einer starken sozialen Förderung, für alle die sich mit dem Umbau finanziell schwer tun, so wie es im Habeck´schen Heizungsgesetz eh vorgesehen ist. So würden viele Menschen Mieter, wie Eigenheimbesitzer aus der Preisfalle der fossilen Heizungen herauskommen. Die geplante Grüngasquote wird gar nichts helfen, denn sie bedeutet nichts anderes als ein Festschreiben von 90% Erdgas oder Erdöl in den fossilen Heizungen. Genauso, wie es der oben schon erwähnte Beimischungszwang für Biokraftstoffe 2007 für Benzin und Diesel bewirkte.
- Die schwarz-rote Bundestagsmehrheit hat gerade einen Tankrabatt beschlossen. Um 17 Cent pro Liter sollen ab 1. Mai die Kunden an den Tankstellen entlastet werden. Doch wie es der Zufall will, ist wegen Zuspitzung der Spannungen um den Iran der Ölpreis am 30. April um 10 Dollar pro Barrel auf 120 Dollar nach oben auf den höchsten Stand seit Beginn des Irankrieges geschossen. Ob das Tanken wirklich billiger wird sich erst noch zeigen müssen. Jedenfalls ist mit der geopolitischen Lage keine echte Preissenkung zu erwarten. Aber der Staatshaushalt wird um 1,3 Milliarden Euro belastet. Geld, das besser angelegt wäre für eine stärkere Förderung der Heizungsumstellung auf Erneuerbare Energien oder eine Sonderkaufunterstützung für sozial Schwache, die sich gerade kein neues E-Auto leisten können. Das würde vielen Menschen sofort helfen, billigere Heiz- und Fahrtkosten zu bekommen und zudem einen Produktionshochlauf der E-Mobile von VW, Daimler, u.a. schaffen. VW verzeichnet einen massiven Gewinneinbruch von 28% im ersten Quartal 2026, u.a. weil die VW E-Mobilproduktion bei Weitem nicht ausgelastet ist. Das wäre eine Industriepolitik, verknüpft mit Sozialpolitik und Klimaschutz. Der Tankrabatt treibt dagegen nur die Staatsverschuldung nach oben, ohne die Verbrennungsmotor-Autofahrer wirklich aus der Kostenfalle der hohen Erdölpreise zu befreien.
Die fossile Energiekrise ist noch lange nicht vorbei
Hinter diesen hilflosen Maßnahmen der Regierung Merz, Klingbeil mit Ministerin Reiche steckt der Gedanke, die fossile Energiekrise mit hohen Erdgas- und Erdölpreisen wäre nur vorübergehend und bald würde sich die Weltlage beruhigen, Trump im Iran Frieden schaffen und so die fossilen Energiepreise wieder fallen. Symptomatisch ist dafür der Tankrabatt, der eh nur zwei Monate gelten soll.
Da dürfte sich die deutsche Regierung massiv getäuscht haben. Selbst wenn die Straße von Hormus sofort wieder freigegeben wäre, würde der Hochlauf der Tankerschifffahrt Monate dauern, bis die Erdöl- und LNG-Schiffe aus der Golfregion wieder ihre Ware an den Häfen der Welt abliefern können. Schlimmer aber ist, dass der Iran viele Erdöl- und Erdgas Fördergebiete sowie Häfen und Raffinerien in der Golfregion zerschossen hat. Eine Reparatur kann bis zu einigen Jahren dauern. Eine Mangellage wird also andauern und dadurch verschärft, dass viele strategischen Erdölspeicher schon teilweise entleert wurden. Ihre Wiederbefüllung wird die verfügbaren Erdölmengen im Konsum deutlich reduzieren.
Viele weitere kaum bekannte Effekte werden auftauchen und die Welterdöl- und LNG-Versorgung auf Jahre hinaus verringern, mit der Folge weiter hoher Preise oder gar Mangellagen.
Mehr dazu in dieser ausführlichen Analyse von CleanTechnica, wie ich sie noch in keinem deutschen Medium gelesen habe.
Quelle: CleanTechnica – „Echoes from the Past: What the Twin Oil Crises…“
Kanzler Merz muss jetzt das Ziel 100 % heimische Erneuerbare Energien bis spätestens 2035 ankündigen
Kanzler Merz sollte sich dieser hohen Gefahren der fossilen Energiekrise für Wirtschaft und Verbraucher endlich bewusst werden und schnurstracks seine Politik komplett ändern: Alle Gesetzesentwürfe von Ministerin Reiche einstampfen, die Ministerin am besten gleich entlassen und Gesetzesentwürfe für einen steilen Hochlauf aller heimischen Erneuerbaren Energien zügig auf den Weg bringen, sodass sich Deutschland bis spätestens 2035 mit 100 % heimischen Erneuerbaren Energien selbst versorgen kann. Dies würde schnell die aktuelle fossile Energiekrise abschwächen, zukünftige vermeiden, die deutsche Industrie im Wettbewerb mit China stärken und ganz nebenbei sogar wirksamen Klimaschutz schaffen.
Über die Proteste gegen die Gesetzgebungsentwürfe von Ministerin Reiche und ihre Inhalte hat Frank Farenski wieder eine umfangreiche Dokumentation zusammengestellt und auch mich dazu interviewt. Hier finden Sie diese sehenswerte Dokumentation:
Quelle: YouTube – „Dokumentation von Frank Farenski“
Quelle
Hans-Josef Fell 2026 | Präsident der Energy Watch Group (EWG) und Autor des EEG







