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Depositphotos | Sarella | Zehn Kommunen sind am 5. November 2019 als Sieger beim bundesweiten Wettbewerb „Klimaaktive Kommune 2019“ ausgezeichnet worden. Ihre vorbildlichen Projekte zeigen vielfältige Wege zu erfolgreichem Klimaschutz und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels.

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Kommunen sind bereit für die Energiewende – Bedingungen bremsen

Studie zeigt großes komm­un­al­es Potenzial für die Energie­wende.

Die Energie­wende vor Ort scheitert selten am Willen der Verantwortlichen – sondern an fehlenden Netzkapazitäten, fehlendem Geld und komplizierten Verfahren. Zu diesem Ergebnis kam eine bundesweite Be­fra­gung unter mehr als 600 Bür­ger­mei­sterinnen und Bür­ger­mei­stern durch die Ini­tia­ti­ve Kli­ma­neu­tra­les Deutsch­land (IKND) und hei­mat­wur­zeln e.V. Während mit Netz­an­schlusspaket und Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes auf Bundesebene große Reformen auf den Weg gebracht werden sollen, mangelt es Deutsch­lands Kommunen an verlässlichen Rahmen­bedingungen und kommunikativer Stringenz.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass in vielen Kommunen Projekte in allen Bereichen der Transformation von Energie­wende über Wärme und Mobilität bis zur Klimaanpassung bereits umgesetzt und geplant werden oder grundsätzlich auf Interesse stoßen. Doch gerade die Stromnetze entwickeln sich zum Flaschenhals. Fast jede zweite Kommune nennt fehlende Kapazitäten im Verteilnetz (46 Pro­zent) oder Engpässe bei Umspannwerken (39 Pro­zent). Lediglich 3 Pro­zent der Befragten geben an, dass Netzanschlüsse kein Problem sind. Das Ergebnis: Entgegen kommunalem Engagement scheitern Projekte an fehlender Infrastruktur.

Tobias Averbeck, Bür­ger­mei­ster der Gemeinde Bakum im Landkreis Vechta, kommentiert: „Vor Ort in den Kommunen entscheidet sich, ob Projekte umgesetzt werden. Wenn der Netzausbau nicht Schritt hält, geraten millionenschwere Vorhaben ins Wanken – und das bremst Investitionen für unseren Standort. Hier brauchen wir Tempo und Verlässlichkeit.”

Knappe Mittel und bürokratische Förderungsprozesse

Zudem fehlt es an finanziellem Spielraum, um Projekte eigenständig voranzutreiben. Mehr als 73 Pro­zent der Bür­ger­mei­ster beschreiben die Haushaltslage ihrer Kommune als angespannt, nennen aber auch eine Lösung. Mehr als 63 Pro­zent von ihnen sehen in einer „Pauschalförderung und vereinfachter Kofinanzierung für kommunale Projekte” den wichtigsten Hebel für eine schnellere Umsetzung der Energie­wende vor Ort.

Zusätzlich ist undurchsichtig, wo der Gesetzgeber die Kommunen eigentlich unterstützen kann. So ruft nicht einmal die Hälfte ihnen zustehende Zahlungen nach § 6 EEG 2023 tatsächlich ab. Fast 40 Pro­zent geben sogar an, davon noch nie gehört zu haben bzw. dass ihnen Informationen fehlen.

Fehlende politische Unterstützung trotz lokalem Zuspruch

Vor Ort sieht man Berlins kommunikativen Kurs sehr kritisch. Zwei Drittel der Bür­ger­mei­ster sind der Meinung, dass die Kommunikation der Bundesregierung zur Energie­wende negative Auswirkungen auf die Akzeptanz vor Ort hat. Zusätzlich fühle man sich in allen angefragten Aufgabenbereichen wie „Stromerzeugung & Netze“, „Wärmenetze & kommunale Wärmeplanung“, „Mobilität & Lade­infra­struk­tur“ und die „Finanzierung der Energie­wende“ schlecht von der Bundesregierung vertreten.

Dr. Anita Maaß, Bür­ger­mei­sterin von Lommatzsch im Landkreis Meißen, sagt dazu: „Die Energie­wende entscheidet sich auch an der Frage, wie sie kommuniziert wird. Wenn aus Berlin und den Landeshauptstädten ermutigende Signale kämen, die über Legislaturperioden hinaus erlässlich wären, würde uns das helfen, Menschen vor Ort mitzunehmen.“

Die Akzeptanz für neue Energieprojekte sei insbesondere von unmittelbaren Vorteilen für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort abhängig. So geben zwei Drittel der Bür­ger­mei­ster an, dass günstige Energiepreise und mehr als die Hälfte eine direkte finanzielle Beteiligung der Bürger die Akzeptanz steigern können.

Fazit: Die Energie­wende entscheidet sich in den Kommunen

Die Be­fra­gung zeigt deutlich: Die Kommunen sind zentrale Akteure zum Erreichen der Klima­schutzziele und in den deutschen Bür­ger­mei­sterinnen und Bür­ger­mei­stern findet man lokale Experten – wenn man ihnen Gehör schenkt. Damit Projekte tatsächlich umgesetzt werden können, braucht es einfachere Förderstrukturen, mehr Netzkapazitäten und eine bessere Abstimmung der Infrastrukturplanung. Günstige Energie sichert dabei nicht nur die Akzeptanz der Bevölkerung, sondern kann auch unserer stark in Bedrängnis geratenen Wirtschaft unter die Arme greifen.

Die vollständige Studie finden Sie hier.

Quelle

Ini­tia­ti­ve Kli­ma­neu­tra­les Deutsch­land (IKND) 2026

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