Klimawende rückwärts
Wie Trump die Wissenschaft zerschlägt und den Klimaschutz torpediert. Was Trumps Politik für Forschung, Umwelt, Europa und die Welt bedeutet.
Die USA erleben derzeit einen politischen Umbruch mit weitreichenden Konsequenzen für Wissenschaft, Klima und globale Stabilität. Die Juristin und Bestsellerautorin Sandra Navidi schildert im Interview die Zerstörung der amerikanischen Wissenslandschaft und den autoritären Rückfall in eine fossile Energiepolitik – und erklärt, warum Europa jetzt handeln muss.
Als Donald Trump im Januar 2025 erneut das Amt des US-Präsidenten antrat, ließ er keinen Zweifel an seinem politischen Kurs. Wissenschaft, Bildung und Klimaschutz? Für ihn offenbar Störfaktoren in einem Plan zur Machtkonsolidierung. Juristin Sandra Navidi, die in New York lebt und seit Jahren die geopolitischen Entwicklungen analysiert, findet klare Worte: „Die Trumpisten sind völlig allergisch gegen Wissenschaft im Allgemeinen und gegen Klimaforschung im Besonderen.“
Was sich aktuell in den USA abspielt, ist kein schleichender Prozess – sondern ein „Putsch im Zeitraffer“, so Navidi. Besonders deutlich wird das in Trumps Umgang mit staatlichen Forschungsinstitutionen: „Wissenschaftler werden in Scharen entlassen, Daten werden entweder gar nicht mehr erhoben oder intransparent gemacht.“ Selbst zwischen Behörden herrsche mittlerweile Kommunikationsverbot, Forschungsgelder würden gestrichen, die wissenschaftliche Infrastruktur systematisch abgebaut.
„Ich liebe die Ungebildeten“ – Die neue Anti-Aufklärung
Dass diese Entwicklung nicht nur ein Randthema sei, sondern ein zentrales Element seiner Politik, liegt für Navidi auf der Hand: „Je weniger informiert die Menschen sind, desto leichter lassen sie sich beeinflussen. Trump sagt nicht umsonst: „I love the poorly educated.‘“
Der Schaden ist bereits immens. Die National Institutes of Health (NIH), die US-Gesundheitsbehörde CDC, das Klimaforschungsinstitut NOAA – sie alle mussten drastische Kürzungen hinnehmen. Laut Navidi ein „programmierter Blindflug“, der sowohl in der Pandemieprävention als auch beim Klimaschutz dramatische Konsequenzen haben werde.
Fossile Energie als ideologisches Dogma
Auch in der Energiepolitik betreiben Trump und seine Mitstreiter eine gezielte Rückabwicklung früherer Fortschritte. Der Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen war dabei nur der symbolische Anfang. Mittlerweile sind über 60 Umweltvorschriften aufgehoben oder zur Überarbeitung freigegeben worden. Öl- und Gasbohrungen in Schutzgebieten wie Alaska sind wieder erlaubt, ebenso Fracking und der massive Ausbau von LNG-Terminals.
„Trump verfolgt eine Politik der amerikanischen Energiedominanz – koste es, was es wolle“, sagt Navidi. Dabei gehe es nicht nur um wirtschaftliche Interessen, sondern auch um eine ideologische Agenda. Die Klimabewegung werde diffamiert, Klimaforschung als „Religion“ verspottet und Begriffe wie „Klimaschutz“ oder „Erderwärmung“ aus offiziellen Texten gestrichen.
Besonders gefährlich: Der zunehmende Einfluss von Elon Musk. „Musk hat sich durch Ministerien gehackt, kontrolliert Teile der Sicherheitsinfrastruktur und kann durch seine Netzwerke auf entscheidende Prozesse zugreifen“, warnt Navidi. Der Tesla- und SpaceX-Chef propagiert die Kolonisierung des Mars als Antwort auf die Klimakrise – eine Vision, die Navidi für „völlig absurd“ hält. „Jeder, der sich die Bilder vom Mars ansieht, weiß, dass das Unsinn ist.“
Warum Europa jetzt nicht schweigen darf
Was in den USA geschieht, bleibt nicht folgenlos für den Rest der Welt. Die Abkehr vom Klimaschutz untergräbt internationale Vereinbarungen und verschiebt geopolitische Allianzen. Die USA – einst verlässlicher Partner in Umwelt- und Forschungsfragen – fallen nun als Kooperationspartner aus. Noch dramatischer sei jedoch die Signalwirkung, sagt Navidi: „Wenn die größte Volkswirtschaft der Welt den Klimaschutz aufgibt, bietet das anderen Staaten eine willkommene Ausrede, selbst weniger zu tun.“
Die Folgen könnten verheerend sein: eine Aufweichung der EU-Methanregeln, eine Zunahme von LNG-Importen aus den USA, eine Schwächung internationaler Klimaziele. Laut Navidi braucht Europa jetzt eine klare Haltung: „Wir brauchen eine eigene, souveräne Klimapolitik, unabhängig von den USA.“
Demokratie, Wissenschaft und Zukunft: Was bleibt?
Trotz aller Rückschläge bleibt Navidi hoffnungsvoll und proaktiv – auch mit Blick auf den Wert von Wissenschaft in einer Demokratie. „Forschung und Lehre sind keine Dekorationen einer freien Gesellschaft – sie sind ihre Grundlage.“ Die Zerstörung dieser Fundamente in den USA müsse für Europa ein Weckruf sein. „Wir dürfen nicht länger glauben, dass Aufklärung und Rationalität sich von selbst durchsetzen. Wir müssen sie aktiv verteidigen.“
Lesen Sie das gesamte Interview mit Sandra Navidi.
Quelle
forum / future economy 2026 | Eckard Christiani ist Journalist, Corporate Publisher und Herausgeber der Buchreihe „morgen – wie wir leben wollen“. Er schreibt regelmäßig über gesellschaftlichen Wandel, neue Perspektiven und das Morgen. Dieser Artikel ist in forum 03/2025 – Der Wert der Böden erschienen.








