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Netzentgeltreform darf Solardächer nicht ausbremsen

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) warnt davor, private Solarstromerzeuger im Zuge der anstehenden Netzentgeltreform mit einem zusätzlichen Prosumeraufschlag zu belasten.

Nach Auffassung des Verbandes würde ein solches Entgelt Investitionen in Photovoltaik, Batteriespeicher, Elektromobilität und Wärmepumpen erschweren und zugleich unnötige neue Bürokratie schaffen. Zusammen mit den von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche geplanten Einschnitten bei der Förderung von Solaranlagen drohe eine gefährliche Investitionsbremse.

Der von der Bundesnetzagentur (BNetzA) für solare Selbstversorger geplante Prosumeraufschlag bei den Netzkosten auf den Grundpreis könnte nach Berechnungen des Verbandes – abhängig von der konkreten Ausgestaltung durch die Netzbetreiber – bis zu 165 Euro jährlich betragen. Besonders kleine Photovoltaikanlagen würden dadurch überproportional belastet.

„Wer in eine Solaranlage, einen Speicher, ein Elektroauto oder eine Wärmepumpe investiert, treibt die Energiewende voran. Eine Reform der Netzentgelte darf diese Bürgerinnen und Bürger in ihrem Klimaschutzengagement nicht ausbremsen,“ erklärt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar.

Ein pauschaler Prosumeraufschlag sei das falsche Instrument: „Eine kleine Solaranlage mit wenigen Kilowatt Leistung darf nicht genauso behandelt werden wie eine zehnmal größere Anlage“, sagt Körnig. Auch nehme die geplante Regelung keinerlei Rücksicht auf die tatsächliche Beanspruchung der Stromnetze.

Kritisch sieht der Verband zudem mögliche Auswirkungen auf die Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung in Mehrfamilienhäusern. Würde jede einzelne Verbrauchsstelle mit einem zusätzlichen Entgelt belastet, könnte das gerade erst geschaffene Modell der gemeinsamen solaren Eigenversorgung in Mietwohngebäuden erheblich an Attraktivität verlieren.

Auch eine Einbeziehung bestehender Photovoltaikanlagen in die geplante neue Netzentgeltstruktur lehnt der BSW-Solar ab. Sie würde aus Sicht des Verbandes Investitionsentscheidungen nachträglich verändern und damit das Vertrauen in verlässliche energiepolitische Rahmenbedingungen zerstören.

Der Branchenverband geht zudem davon aus, dass die Pläne der BNetzA in ihrer aktuellen Ausgestaltung sowohl gegen die Europäische Elektrizitäts-Binnenmarktrichtlinie wie auch die Erneuerbare-Energien-Richtlinie verstossen.

Einfacher, fairer und netzdienlicher

Sollte kein Weg daran vorbeiführen, Prosumer künftig stärker an der Finanzierung der Stromnetze zu beteiligen, sollte anstelle eines Prosumer-Aufschlags das von der Bundesnetzagentur geplante Einspeisekapazitätsentgelt auf neue Erzeugungsanlagen aller Größenklassen ausgeweitet werden, empfiehlt der BSW-Solar. Bezahlt würde dabei nicht für die installierte Leistung einer Solaranlage, sondern für die tatsächlich mit dem Netzbetreiber vereinbarte Einspeisekapazität.

Das würde zugleich einen Anreiz schaffen, Netzanschlüsse effizienter zu nutzen. Betreiber könnten größere Solaranlagen installieren, ohne entsprechend höhere Netzkapazitäten zu beanspruchen, wenn ein größerer Anteil des Stroms vor Ort hinter dem Netzverknüpfungspunkt verbraucht, gespeichert oder intelligent gesteuert wird.

„Das wäre einfacher, bürokratieärmer und gerechter“, so Körnig. „Wer weniger Netzkapazität beansprucht, sollte auch weniger zahlen. Genau solche Anreize brauchen wir für ein effizientes Stromsystem.“

Reformen müssen in ihrer Gesamtwirkung betrachtet werden

Der BSW-Solar appelliert an Bundesnetzagentur und Bundesregierung, die geplanten Änderungen bei Netzentgelten, EEG und Netzanschlüssen nicht isoliert voneinander zu betrachten. Mehrere gleichzeitige Belastungen könnten Investitionen in neue Photovoltaikanlagen erheblich unattraktiver machen.

„Deutschland braucht jetzt mehr intelligente Investitionen in Solar, Speicher und flexible Verbraucher – nicht neue Hürden. Deshalb sollte der Prosumeraufschlag gestrichen, zumindest aber durch eine einheitliche, nachvollziehbare Lösung ersetzt werden“, fordert Körnig.

Quelle


Bundesverband Solarwirtschaft e. V. 2026

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