Trump setzt bei Grönland auf den Klimawandel
Rohstoffe und neue Schiffsrouten: Warum der US-Präsident die Arktisinsel will – und welche Risiken er sich damit einhandeln würde.
Grönland ist für US-Präsident Donald Trump aus drei Gründen attraktiv: als militärischer Vorposten, als geopolitischer Hebel in einer sich öffnenden Arktis sowie als Rohstoffquelle, die Erdöl und kritische Metalle verfügbar machen könnte. In den letzten Tagen hatte Trump seinen Anspruch auf „Kontrolle“ über Grönland bekräftigt und zunächst nicht einmal ausgeschlossen, dass er dafür Gewalt einsetzen würde – ein Kurs, der die Nato schwer belastete.
Das Kuriose dabei: Grönlands Attraktivität steigt für Trump vor allem wegen eines Phänomens, das es seiner Meinung nach gar nicht gibt: wegen des Klimawandels. Der nämlich lässt die gigantischen Eismassen auf der Insel und in ihrer Umgebung schmelzen.
Trump zufolge sind die menschengemachten Klimaveränderungen „ein Schwindel“, erfunden von den Chinesen, um über klimapolitische Auflagen für die USA als historische Top-Einheizer des Planeten den American Way of Life zu zerstören. Tatsächlich aber ist der Klimawandel dabei, die Arktis und damit Grönland geopolitisch neu zu vermessen.
Es handelt sich um eine der am stärksten von der globalen Erwärmung betroffenen Weltregionen, sie erhitzt sich viermal so stark wie der Globus im Durchschnitt. Laut dem Weltklimarat IPCC treten dort heute schon Extreme auf, die anderswo erst Mitte des Jahrhunderts zu erwarten sind.
Hinzu kommt: Der Grönland-Eisschild mit einer Mächtigkeit von bis zu drei Kilometern gilt als Kippelement des Klimas. Schmilzt er komplett ab, würde der Meeresspiegel langfristig um rund sieben Meter ansteigen.
Rohstoffabbau wird enorm teuer
Die Washington Post zitierte den Klimaexperten Joseph Majkut vom US-Thinktank Center for Strategic and International Studies (CSIS) mit den Worten, die zeitweise Befreiung der Arktis vom Meereis schaffe „einen völlig neuen Schauplatz“ wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Konkurrenz.
Allerdings darf man sich das nicht als Spaziergang für Öl- und Bergbaukonzerne sowie das Militär vorstellen. Denn die eskalierende Klimakrise erleichtert den Zugang zu Grönlands Ressourcen ja nicht nur. Sie erschwert ihn gleichzeitig.
Welche Vorkommen stehen bei den Bodenschätzen besonders im Fokus? Laut der dänisch-grönländischen Geologiebehörde Geus existiert ein breites Potenzial unter anderem für seltene Erden, Graphit, Niob, Tantal, Titan und Platin – alles Rohstoffe, die in Batterien, Windkraftanlagen, Elektronik und auch im Militärbereich gebraucht werden.
Bei seltenen Erden gilt der Süden Grönlands als echter Hotspot. Die Vorkommen gelten als so groß, dass sie, falls abbaubar, Chinas dominante Rolle bei diesen Materialien zurückdrängen könnten.
Auch klassische Metalle wie Kupfer sowie Lithium und sogar Gold und Diamanten werden genannt. Hinzu kommen Erdöl- und Erdgas-Vorkommen.
Trotz dieses potenziellen Reichtums spielt der Bergbau auf der Insel, wo knapp 57.000 Einwohner auf der sechsfachen Fläche Deutschlands leben, kaum eine Rolle. Derzeit sind überhaupt nur zwei Abbauprojekte in Betrieb. Seltene Erden werden trotz des großen weltweiten Bedarfs überhaupt nicht abgebaut.
Das hat, neben der Eisbedeckung von rund 80 Prozent des Landes, mehrere Gründe. In Grönland gibt es nur wenige große Häfen und außerhalb der Hauptstadt Nuuk kaum Straßen. Es würde enorme Vorinvestitionen erfordern, bevor überhaupt Erze oder andere Rohstoffe exportiert werden könnten. Fachkräfte sind in unter den wenigen Einwohnern kaum vorhanden. Die geologischen und klimatischen Bedingungen sind zudem schwierig.
Und es gelten strenge Umweltgesetze. Großflächige Schutzgebiete wurden eingerichtet, um die sensible Natur zu schützen. So entschieden die Bewohner Grönlands 2021, keine neuen fossilen Projekte in ihrem Land zuzulassen – auch aus Klimaschutzgründen.
Tauender Permafrost, mehr Wetterextreme
Die Frage ist außerdem: Bringt der Klimawandel Vorteile beim Abbau – oder eher Nachteile? Tatsächlich beides. Vorteile entstehen, weil längere eisarme Phasen Bau, Versorgung und Transporte erleichtern könnten. Sherri Goodman, frühere Umweltsicherheitsbeauftragte des US-Verteidigungsministeriums, sagte der Washington Post, das verstärkte Schmelzen des Meereises mache die Region für wirtschaftliche Entwicklung attraktiver.
Allerdings schafft ein offener Ozean auch neue Gefahren. Ohne Meereis fehlt den Küstenorten ein Puffer gegen Wind und Wellen. Erosion und Überflutungsrisiken nehmen zu, wechselhafte Bedingungen können Schifffahrt riskanter machen.
Hinzu kommen die Gefahren, die ein tauender Permafrost mit sich bringt. Die Stabilität von Gebäuden und Verkehrswegen, die in heute noch dauergefrorenen Gebieten gebaut wurden, wird gemindert. Interessant in diesem Zusammenhang: Das US-Verteidigungsministerium nennt die nördlichste US-Militärbasis auf Grönland, Pituffik Space Base, ausdrücklich unter den Standorten, an denen Permafrost-Tauprozesse den Betrieb stark behindern könnten.
Ein weiterer Aspekt in der Grönland-Debatte sind die zu erwartenden Veränderungen in der Schifffahrt. Durch den Klimawandel schrumpft das arktische Meereis im Sommer immer häufiger und länger – dadurch werden Seewege, die früher meist von Eis blockiert waren, zeitweise befahrbar.
Damit zeichnen sich neue oder verlässlichere saisonale Schifffahrtsrouten über die Arktis ab. Frachter können in manchen Jahren kürzere Verbindungen zwischen Atlantik und Pazifik nutzen oder näher an Grönlands Küsten operieren, was Handel, Rohstofflogistik und militärische Präsenz erleichtert.
Zugleich warnen Klimafachleute aber auch, dass ein offenerer Ozean nicht automatisch eine sichere Passage garantiere. Die Erwärmung bedeute nämlich auch mehr Extremwetter, mehr Treibeis und höhere Risiken für die Hafen-Infrastruktur und die Umwelt.
Dass die Öl- und Gasvorkommen unter Grönland nicht ausgebeutet werden sollten, ist unter Klimafachleuten ohnehin klar. Sollen die Pariser Klimaziele einer globalen Erwärmung um maximal 1,5 bis zwei Grad eingehalten werden, sind die arktischen fossilen Reserven an Öl und Gas unburnable carbon – nicht verbrennbarer Kohlenstoff. Das heißt, sie müssen im Boden bleiben.
Einmal abgesehen davon, dass das Erschließen neuer Öl- und Gasquellen in dem harten Klima schwierig ist und mögliche Unfälle das fragile Ökosystem deutlich mehr als in gemäßigten Breiten schädigen würden, da biologische Abbauprozesse von Öl in der arktischen Umwelt viel langsamer verlaufen als anderswo.
Letzteres scheint den Ölkonzernen übrigens klarer bewusst zu sein als Trump. Im nördlichsten Bundesstaat der USA, Alaska, der in ähnlichen Breiten wie Grönland liegt, halten technische Bedenken die Unternehmen ab, neue Ölprojekte zu starten. Im vorigen Jahr floppte dort erneut eine Ausschreibung für Bohrlizenzen. Es gab keine Gebote.
Quelle
Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Joachim Wille) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden!









