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© Depositphotos | mybaitshop | Die Klimakrise endet nicht durch einen Aufschwung, schon gar nicht einen im Weiter-so-Modus.

Zündstoff für die Klimakrise

Die Internationale Energieagentur befürchtet neue CO2-Rekorde, weil die Regierungen die Corona-Hilfsgelder falsch einsetzen. Nur zwei Prozent der Finanzhilfen gehen in die Energiewende, zeigt der neue „Sustainable Recovery Tracker“ der IEA.

Klimaschutz hat bei den Regierungen keine Priorität, allen Beteuerungen zum Trotz. Die Internationale Energieagentur IEA prognostiziert, dass die globalen Treibhausgas-Emissionen im Jahr 2023 ein neues Rekordniveau erreichen und in den Folgejahren noch weiter ansteigen werden.

Der Grund dafür: Die weltweiten Hilfspakete und Konjunkturprogramme zur wirtschaftlichen Erholung von der Corona-Pandemie fließen nur zu einem Bruchteil in saubere Energien. Das Klimaziel des Paris-Vertrags, die Erderwärmung möglichst bei 1,5 Grad zu stoppen, gerät damit zunehmend außer Reichweite.

Regierungen auf der ganzen Welt setzen laut der IEA-Analyse noch nie dagewesene Finanzhilfen ein, um ihre Volkswirtschaften zu stabilisieren und wieder aufzubauen. Zusammen sind es bisher 16 Billionen US-Dollar, wovon der größte Teil auf Nothilfe für Haushalte und Unternehmen entfällt. Nur zwei Prozent davon, nämlich 380 Milliarden Dollar, sind für die Umstellung auf saubere Energien vorgesehen.

Die Zahlen stammen aus dem neuen „Sustainable Recovery Tracker“, den die IEA am Dienstag erstmals veröffentlicht hat. Dieser Check soll politischen Entscheidungsträgern helfen zu beurteilen, inwieweit die Konjunkturpläne den Klimaschutz voranbringen.

Das neue Online-Tool ist ein Beitrag zum G20-Ministertreffen zu Umwelt, Klima und Energie, das am Donnerstag und Freitag in Neapel stattfindet.

Um das 1,5-Grad-Erwärmungslimit einzuhalten, müssen die globalen Emissionen bis 2030 um rund sieben Prozent pro Jahr sinken. Erreicht wurde das nur 2020, im ersten Corona-Jahr, als strenge Lockdowns den Verkehr und die Industrieproduktion sinken ließen.

Bereits im Dezember 2020 war der Vor-Corona-Wert wieder erreicht. Die Vorgabe des Weltklimarates IPCC, den CO2-Ausstoß bis 2030 um 45 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2010 zu senken, droht ohne starke Kurskorrektur weit verfehlt zu werden.

„Viele Länder verpassen die Vorteile der Zukunftsindustrien“

IEA-Chef Fatih Birol kommentierte: „Seit dem Ausbruch der Covid-19-Krise haben viele Regierungen zwar darüber gesprochen, wie wichtig es ist, für eine sauberere Zukunft aufzurüsten, aber viele von ihnen haben ihren Worten noch keine Taten folgen lassen.“ Trotz der Bekenntnisse zu mehr Klimaschutz sei der Anteil der Konjunkturhilfen, der für saubere Energien ausgegeben wird, nur sehr klein.

Die Investitionen in Öko-Energien sind Birol zufolge nicht nur weit von dem entfernt, was nötig wäre, um die Welt auf einen Pfad zu netto null Emissionen im Jahr 2050 zubringen. Sie reichten nicht einmal aus, um zu verhindern, dass der CO2-Ausstoß auf einen neuen Rekordwert ansteigt.

Laut der IEA-Analyse ist die Situation in den Entwicklungsländern noch schlechter als in den Industriestaaten. Birol: „Viele Länder – besonders jene, in denen der Bedarf am größten ist – verpassen auch die Vorteile, die gut geplante Investitionen in saubere Energie mit sich bringen, wie ein stärkeres Wirtschaftswachstum, neue Arbeitsplätze und die Entwicklung der Energieindustrien der Zukunft.“

Der IEA-Chef forderte die Regierungen auf, durch Umschichtung der Corona-Gelder schnell umzusteuern. Aber auch nach der Krise müssten die Investitionen in saubere Energien „in viel größere Höhen“ geführt werden. Der Pfad, um die Welt bis 2050 zur Netto-Null zu bringen, sei zwar schmal, aber immer noch erreichbar. Allerdings nur, so Birol, „wenn wir jetzt handeln“.

Quelle

Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Joachim Wille) 2021 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

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